Im Ukrainekrieg laufen die Meldungen beider Seiten über von ihnen gehaltene Orte zunehmend auseinander. Dies ist zunächst für gegnerische Parteien in einem bewaffneten Konflikt nicht ungewöhnlich. Wie an dieser Stelle schon zuvor bemerkt, lassen die zunehmend mit Drohnen und vergleichsweise wenig Personalansatz geführten Kämpfe auch einigen Interpretationsspielraum zu, wer ein bestimmtes Gebiet tatsächlich „kontrolliert“. Bereits seit längerem ist bekannt, dass zwischen den eigentlichen Stellungen der Kriegsgegner meist ein mehrere Kilometer breites Niemandsland liegt.
Dennoch ist der Trend in den letzten vier Wochen auffällig, seit Russland voreilig die Einnahme der Stadt Kupjansk in der Oblast Charkiw meldete. Dies stellte sich zum wiederholten Mal als auf übertriebenen Erfolgsberichten örtlicher Kommandos basierend heraus. Nicht nur erzielte die Ukraine anschließend einen Propagandasieg, indem Präsident Wolodymyr Selenskyj demonstrativ einen Frontbesuch am Stadtrand unternahm. Nach russischen Quellen wurden aufgrund dieser Berichte auch militärische Ressourcen an Abschnitte umgeleitet, wo sie „dringender“ gebraucht wurden.

Falschmeldungen zu Kupjansk und Siwersk
Dies führte demnach zu weiteren Geländeverlusten bei ukrainischen Gegenangriffen. Welche Teile von Kupjansk russische Truppen überhaupt kontrollierten und welche sie dadurch aufgeben mussten, ist schwer nachzuvollziehen. Internet-Lagekarten beider Seiten stimmen jedenfalls mittlerweile darin überein, dass das tatsächlich von Russland kontrollierte Gebiet nun nördlich der Stadt verläuft und das dazwischenliegende Gelände umkämpft ist. Möglicherweise wurden russische Truppen auch teilweise in Kupjansk eingeschlossen.
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