Jan-Phillipp Weisswange
Mittlere Kräfte fahren und kämpfen auf Rädern. Inzwischen hat die Bundeswehr einige Plattformen zur Ausstattung ihrer neuen Kräftekategorie beauftragt. Insbesondere der Boxer übernimmt dabei zahlreiche Rollen.
Mittlere Kräfte sollen als völlig neues Element im Deutschen Heer mit radbeweglichen, hochmobilen Verbänden schnell und ohne lange Vorbereitungszeit im gesamten europäischen Operationsraum der NATO verlegbar sein. Als erste Verband dieser Art gliedert gegenwärtig die Panzerbrigade 21 „Lipperland“ aus Augustdorf zur Mittleren Brigade um – schneidiger klingt freilich „Dragonerbrigade“. Für sie bedeutet der neue Kernauftrag, innerhalb weniger Tage einen Einsatzraum in rund 1.500 Kilometer Entfernung im Baltikum zu erreichen und – falls erforderlich – dort gleich aus dem Marsch heraus das Gefecht zu führen.
Vorschriften für die in der Bundeswehr völlig neue Kräftekategorie (siehe Kasten) gab es keine. Diese mussten (und müssen) erst mit viel Innovationsgeist entstehen, darunter ein „Handbuch Infanteriekampf Mittlere Kräfte“. Dieses behandelt unter anderem den auf- und abgesessenen Kampf der Jägertruppe. Dabei ist für die Infanterie die bei den Panzergrenadieren übliche „wechselnde Kampfweise“ bis dato ein relativ unbekanntes Terrain.
Das Hauptsystem der mittleren Kräfte ist das Gepanzerte Transport-Kraftfahrzeug GTK Boxer. Der Boxer ist ein Produkt der ARTEC GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und KNDS Deutschland. Dank seines modularen Aufbaus mit Fahr- und Funktionsmodul lässt sich der Boxer für eine Vielzahl an Funktionen konfigurieren. Zunächst verfügte die Bundeswehr über vier Varianten: Gruppentransportfahrzeug, Führungsfahrzeug, schweres geschütztes Sanitätskraftfahrzeug und Fahrschulfahrzeug.
Bereits bestellt sind weitere Ausführungen: der schwere Waffenträger Infanterie mit bemanntem Turm und 30-mm-Maschinenkanone, der Radschützenpanzer Schakal mit dem besatzungslosen Turm des Schützenpanzers Puma, der Flugabwehrpanzer Skyranger 30 und die Radhaubitze RCH 155. Weiterhin wird der Luchs 2 als Spähwagen Neue Generation das Portfolio ergänzen.
Kernstück der Kampfkraft
Der Schwere Waffenträger Infanterie basiert auf dem Boxer Combat Reconnaissance Vehicle (CRV), dem Radspähpanzer der australischen Streitkräfte. Dabei handelt es sich um das bewährte 8×8-Gefechtsfahrzeug mit einem Radspähpanzer-Missionsmodul einschließlich des Zwei-Mann-Turms Lance. Derzeit sind 123 Exemplare für die Bundeswehr bestellt.
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