Erneut berichtet das Wall Street Journal von der Verlegung einer Marine Expeditionary Unit (MEU) in den Nahen Osten. Demnach wird die Expeditionary Strike Group (ESG) um den Amphibienträger USS Boxer mit der 11th MEU des U.S. Marine Corps (USMC) aus Kalifornien entsandt. Bereits vor einer Woche hatte die Zeitung als erste gemeldet, dass US-Verteidigungsminister Pete Hegseth einen Antrag des zuständigen Zentralkommandos (CENTCOM) auf Verstärkung mit der 31st MEU um die USS Tripoli aus Japan genehmigt hatte.
Die Tripoli wurde zuletzt in Begleitung von zwei Zerstörern der Arleigh-Burke-Klasse auf Westkurs in der Philippinensee festgestellt. Keine Berichte gab es bislang über die Docklandungsschiffe USS New Orleans und USS San Diego, zu ihrer ESG gehören und den Rest der 31st MEU transportieren. Die Boxer liegt gegenwärtig im Heimathafen San Diego und befindet sich eigentlich noch in der turnusmäßigen Vorbereitungsphase für den nächsten Törn mit der 11th MEU. Offensichtlich sollen die Schiffe und Marines nun vorzeitig in den Einsatz gehen. Der Transit dürfte drei bis vier Wochen dauern.
Entsendung der USS Boxer unterstreicht Dringlichkeit der Situation
Dies unterstreicht die offenbar unvorhergesehene Dringlichkeit der Situation am Persischen Golf, nachdem der Iran als Reaktion auf die seit drei Wochen laufenden amerikanisch-israelischen Angriffen die Straße von Hormus faktisch gesperrt hat. Durch die Bedrohung für die internationale Schifffahrt kam der Verkehr durch die Meerenge, durch die normalerweise 20 Prozent des weltweiten Ölhandels laufen, weitgehend zum Erliegen. Entsprechend stiegen die Ölpreise. Auch die globale Versorgung mit anderen wichtigen Gütern wie Düngemittel und Aluminium ist beeinträchtigt.
Am Donnerstag dieser Woche begannen die USA eine Offensive in der Straße von Hormus, bei der unter anderem Erdkampfflugzeuge vom Typ A-10 Thunderbolt II und Kampfhubschrauber AH-64 Apache gegen Schnellboote der iranischen Revolutionsgarde sowie Luft- und Seedrohnen eingesetzt werden. Für eine weitgehende Sicherung der Durchfahrt sind aber möglicherweise amphibische Operationen gegen die Inseln in der Meerenge oder sogar die Küste erforderlich. Ein mögliches Ziel ist auch die Ölverladeinsel Kharg im Norden des Persischen Golfs.
Über diese wickelt der Iran etwa 90 Prozent seiner Ölexporte ab, die trotz des Krieges bisher an verbündete oder neutrale Staaten wie China und Indien weiterlaufen und dem Regime in Teheran so Einnahmen sichern. In dieser Woche bombardierten die USA bereits militärische Einrichtungen, jedoch nicht die Ölverladeanlagen auf der Insel. Die Entsendung der Kampfgruppe um die USS Boxer macht es nun wahrscheinlicher, dass innerhalb der nächsten vier Wochen nicht nur Flugzeuge, sondern auch Bodentruppen des USMC am Golf zum Einsatz kommen.
Stefan Axel Boes











