StartStreitkräfteFlugkörpersystem Typhon: U.S. Army sucht bereits nach Ersatz

Flugkörpersystem Typhon: U.S. Army sucht bereits nach Ersatz

Die U.S. Army sucht bereits einen Nachfolger für das erst 2023 eingeführte Mehrzweck-Flugkörpersystem Typhon. Grund sind die Abmessungen und die damit verbundene begrenzte Beweglichkeit des Systems. Typhon beruht auf dem Vertikalstartsystem Mk 41, das auf Schiffen der U.S. Navy und verbündeter Marinen etwa für den Verschuss von Marschflugkörpern Tomahawk sowie Flugabwehr- und Mehrzwecklenkwaffen der Standard-Familie genutzt wird. Für Typhon wurde der Starter mit einem Aufrichtmechanismus in einem 40-Fuß-Container montiert, der von einem Sattelschlepper transportiert wird.

Dieses System ist notwendigerweise etwas unhandlich und straßengebunden, wodurch sich die Auswahl möglicher Feuerstellungen und die Reaktionsfähigkeit sowohl vor als auch nach einem Einsatz – zum Ausweichen vor Gegenschlägen – reduziert. Als schnell verfügbares Provisorium, um den US-Streitkräften angesichts russischer Entwicklungen nach Ende des Intermediate Nuclear Forces (INF)-Vertrages wieder eine Fähigkeit zum Einsatz landgestützter Mittelstreckenwaffen zu geben, erfüllte es seinen Zweck. Als Dauerlösung strebt die Army jedoch ein kompakteres und beweglicheres System an.

Typhon könnte trotzdem an Deutschland gehen

Kürzlich stellte das Heer eine Industrieanfrage für einen Common Autonomous Multi-Domain Launcher (CAML). Dieser soll in der schweren Ausführung CAML-H wie Typhon den Marschflugkörper Tomahawk sowie die Flugabwehrwaffe Patriot integrieren. Die mittlere Version CAML-M soll die Artillerieraketen der MLRS/HIMARS-Familie und die Luft-Luft-Lenkwaffe AIM-9X verschießen können. Beide Systeme sollen durch autonome Versorgungsfahrzeuge mit Munition versorgt und nachgeladen werden. Prototypen sollen innerhalb von 18 bis 24 Monaten für die Starter und 36 Monaten für die Versorgungsfahrzeuge gebaut werden.

Die Lockheed Martin Corporation, die Eigentumsrechte an verschiedenen möglichen Komponenten hält, schien bislang Typhon und das Raketenartilleriesystem HIMARS als Grundlage für CAML-H und -M positionieren zu wollen. Nunmehr scheint es eher, als ob ein System unter der Bezeichnung CAML-H künftig Nachfolger von Typhon werden wird. Das bedeutet allerdings nicht notwendigerweise dessen schnelles Nutzungsende. So hat Deutschland bereits Interesse an Typhon als Übergangslösung für weitreichende Präzisionsschläge geäußert, bis die europäische ELSA-Initiative im kommenden Jahrzehnt eigene Lösungen zur Verfügung stellen soll.

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Lockheed Martin wirbt damit, das System schnell liefern zu können, sofern sich beide Regierungen auf den Verkauf einigen können. Eine einfache Weitergabe aus dem US-Bestand dürfte ein zusätzlicher Vorteil ein. Deutschland erhielte damit wieder ein Provisorium bis zum Ersatz durch ELSA. Durch das gut ausgebaute deutsche beziehungsweise europäische Straßennetz und ohne die Anforderung schneller weltweiter (Luft)-Verlegbarkeit fallen dessen Nachteile möglicherweise nicht so stark ins Gewicht. Die Beweglichkeit entspräche dann etwa der des Systems Pershing Ia, das von der Bundesluftwaffe während des Kalten Krieges betrieben wurde.

Stefan Axel Boes