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Gemeinsame Tauchgänge mit den Marinen der verschiedenen EU-Mitgliedstaaten sind nach wie vor nahezu unmöglich. Es gibt bisher keine gemeinsamen europäischen Tauchnormen, die eine solche Zusammenarbeit ermöglichen. Diese mangelnde Interoperabilität hat zu einem gravierenden Mangel an spezialisierten Schiffen und Rettungstauchern geführt, die bei jedem nationalen oder internationalen Marine-Einsatz unverzichtbar sind.

Um die Zusammenarbeit und die Interoperabilität zwischen den militärischen Tauchertruppen der Mitgliedstaaten zu ermöglichen und zu verbessern, hat das Projektteam Naval Training der EDA im Jahr 2012 eine „Naval Training Support Study“ (NTSS) ins Leben gerufen, die sich auf drei Aspekte konzentriert: Navigationstraining, Marineminenkrieg und Tauchausbildung.

Ziel dieser Studie, deren Ergebnisse 2014 vorgestellt wurden, war es, eine Landschaft der vorhandenen Fähigkeiten zu schaffen. Auf Grundlage einer Analyse der Fähigkeitslücken sollten Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden und mögliche gemeinsame Anforderung vorgeschlagen werden.

Was die Tauchausbildung betrifft, so wurden in der Studie mehrere Empfehlungen ausgesprochen, darunter die Festlegung einer Lehre über das militärische Tauchen (beginnend mit luft- bzw. schiffsgestützten Tauchern), die Festlegung einer gemeinsamen Tauchregelung zur Deckung des operativen Bedarfs, die Standardisierung der Ausbildungs- und Qualifizierungskriterien und die Einführung eines gemeinsamen Zertifizierungsverfahrens für Tauchzentren.

Ein Follow-up der NTSS-Studie (Phase 2) wurde 2017 in Auftrag gegeben und im Dezember 2017 abgeschlossen. Sie lieferte unter anderem einen umfassenden Datensatz und Analysen der nationalen Tauchnormen der Mitgliedstaaten, eine gemeinsame Anforderungsliste für Schiffstaucher und Mindestqualifikationsnormen für Militärtaucher. Die Ergebnisse wurden dem EDA-Projektteam Marinetraining im Januar 2018 vorgestellt.

Basierend auf der erweiterten NTSS-Studie und den Schlussfolgerungen eines Tauchworkshops in La Spezia (Italien) im September 2017 startete die EDA im Frühjahr 2018 ein neues Projekt, um ein Kursmodul zur Harmonisierung der europäischen Normen und Praktiken für das Schiffstauchen und das schiffsbasierte Rettungstauchen zu entwickeln und durchzuführen. Das Hauptziel ist die Identifizierung, Anerkennung und gegenseitige Zertifizierung gemeinsamer EU-Militärtauchstandards.

Als Teil dieses laufenden Projekts und um die praktischen Auswirkungen einer gemeinsamen Tauchausbildung und -operation zu testen und zu bestätigen, fand am 3. April 2019 im Hafen von St. Mandrier, in der Nähe von Toulon (Frankreich), eine „Vorzeigeveranstaltung“ der EDA statt. An dieser Übung nahmen vier Tauchteams aus Deutschland, Spanien, Polen und Rumänien sowie hochrangige Marineoffiziere aus Bulgarien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Irland, Polen und Rumänien teil. Ziel war es, gemeinsame Interventionen unter realen Bedingungen auf der Grundlage realistischer Szenarien von Schiffsunfällen durchzuführen und zu zeigen, wie die vorgeschlagenen gemeinsamen Normen in der Praxis erfolgreich funktionieren würden.

Als Beispiel: Rumänische und polnische Taucher arbeiteten Hand in Hand, um einen Anker zu bergen, während spanische und deutsche Taucher gemeinsam den Rumpf einer Fregatte inspizierten und Reparaturarbeiten an einem Pier mit schweren Unterwasserschweißgeräten durchführten. Der praktische Teil der Veranstaltung wurde durch eine statische Ausstellung verschiedener Geräte und Verfahren an Land ergänzt.

Basierend auf den Ergebnissen der erfolgreichen Veranstaltung wurde das Projektteam Marineschulung der EDA bestärkt, die ermittelten Normen weiterhin zu fördern und sich in einem nächsten Schritt um ihre rasche Zustimmung durch die EU-Mitgliedstaaten zu bemühen.

Gerhard Heiming