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Sowohl bei abgesessenen als auch luftgestützten Einsätzen spielen die Faktoren Gewicht und Volumen eine entscheidende Rolle. Bei der Missionsplanung muss daher stets abgewogen werden, wofür die begrenzten Transportkapazitäten genutzt werden können. Die griffity defense GmbH hat im Zuge des Förderkreis Heer Symposiums „Aktuelle Herausforderungen und Perspektiven des wehrtechnischen Mittelstands als Motor für Fähigkeitserhalt und Technologieinnovation“ (22. 09. – 23.09.2020 in Flensburg) mit GATR eine innovative Leichtgewichtlösung für den Aufbau und den Betrieb von Breitband-Satellitenkommunikationsverbindungen als Teil des G5-Missionsmodul-Konzeptes vorgestellt. GATR steht für Ground Antenna Transmit Receive (Bodenantenne Senden und Empfangen). Das System ist bereits seit mehreren Jahren erfolgreich auf dem Markt. Cubic hat erst im August 2020 einen Folgeauftrag des United States Special Operations Command (USSOCOM) erhalten für GATR-Satellitenkommunikationsterminals (SatCom) sowie Basisband-Kommunikationsausrüstung zur Unterstützung der Kommunikationsanforderungen von US-Spezialkräften im Wert von bis zu 172 Millionen US-Dollar erhalten. Im deutschsprachigen Raum konnte das System jedoch abseits von Fachkreisen nur eine geringe Bekanntheit erringen.

Kernstück der GATR-Lösung sind aufblasbare SatCom-Antennen die, verglichen mit tragbaren, starren Terminals ein 50 bis 80 prozentig geringeres Gewicht / Volumen / Leistungsbedarf, aufweisen, ohne an Leistung zu verlieren. Das Radom und der Reflektor bestehen aus widerstandsfähigem, faltbarem Material, welches auch für den Einsatz unter rauen Umgebungsbedingungen – Betrieb bis 64 km/h, Überleben bis 97 km/h Windgeschwindigkeit – geeignet ist.

Der Aufbau der aufblasbaren Antenne ist, wie im Video zu sehen, denkbar einfach und bedarf keines speziellen Werkzeugs. Nach einer groben Ausrichtung in Richtung des Satelliten wird die Antenne mittels Erdnägeln oder Sandsäcken am Boden verankert. Im Anschluss wird das Radom mit integriertem Antennenreflektor mittels eines Gebläses aufgeblasen. Ein höherer Druck im oberen Teil des Ballons drückt den Reflektor automatisch in eine parabolische Form. In einem letzten Schritt erfolgen die Feinausrichtung der Antenne und der Anschluss z.B. eines Laptops über das Sat-Modem, so dass eine Verbindung hergestellt werden kann. Die vertikale und horizontale Ausrichtung der Antenne erfolgt mittels am Ballon angebrachter Haltegriffe und Halteleinen. Der Radom-Innendruck wird durch das Gebläse aufrechterhalten, sollte die Hülle beispielsweise durch Beschuss beschädigt werden, kann diese einfach und schnell mit einem mitgelieferten Flick-Set instandgesetzt werden.

Der Radom-Innendruck wird durch das Gebläse aufrechterhalten, sollte die Hülle beispielsweise durch Beschuss beschädigt werden, kann diese einfach und schnell mit einem mitgelieferten Flick-Set instandgesetzt werden. (Foto: Waldemar Geiger)

Die GATR-SatCom-Terminals gibt es als 1,2 m-, 2,4 m- und 4,0 m-Varianten, sie sind für die Verwendung in Kombination mit einer Vielzahl unterschiedlicher Sat-Modems geeignet. Die Kommunikation kann auf dem Ku-, Ka- oder X-Band (2,4 und 4m Antennen auch C-Band) erfolgen.

Die Verwendung von 2,4 m-SatCom-Antennen ermöglicht generell einen höheren Datendurchsatz und die Abdeckung eines größeren Einsatzgebietes bzw. eine Optimierung bei den monatlichen Transpondergebühren im Vergleich zu einer 1,2 m-SatCom-Antenne.

Da die GATR-Antennen wesentlich leichter sind und kleinere Packmaße aufweisen, kann z.B. transporttechnisch eine 2.4 m-GATR-Antenne mit höherer Performance genauso oder sogar wesentlich einfacher und schneller ins Einsatzgebiet verbracht werden als herkömmliche starre 1,2 m-Antenne. Hier genau liegt der große Vorteil der GATR-Antennen.

So wurden im Rahmen des High Bandwidth Special Intelligence-Palletized Terminal-Programms des U.S. Marine Coprs (USMC) 2,4-Meter-X- und Ku-Band-GATR-Terminals ausgewählt, die nun die Funk- und Aufklärungsbataillone des USMC unterstützen. Gegenüber den herkömmlichen 2,4m SatCom-Terminals wird so Raum und Gewicht von ca. 1.600 kg pro Terminal eingespart, was zusätzlich zum Transport von Munition, Treibstoff und Ausrüstung genutzt werden kann.

Ein komplettes 1,2 m-GATR-SatCom-Terminal hat ein Gesamtgewicht von ca. 50 kg. Die GATR 2,4 m weist, abhängig vom zu nutzenden Band, ein Gesamtgewicht von unter 100 kg auf und kann mittels zweier Hartschalenkoffer transportiert werden. Zum Vergleich; die aktuelle, auf einem Anhänger montierten 2,4 m-Antennen-SatCom-Lösung des U.S. Marine Corps (USMC) hat ein Gesamtgewicht von 1.800 kg.

Mittlerweile sind den Angaben des Herstellers zufolge über 2.000 Einheiten der GATR-Antennen verkauft worden. Zu den Nutzern zählen in erster Linie US-Streitkräfte, Militärs (insbesondere Spezialkräfte), Notfallhilfskräfte (einschließlich Katastrophenschutzbehörden auf Bundes-, Landes-, lokaler und internationaler Ebene, Nichtregierungsorganisationen und private Hilfsunternehmen) sowie Unternehmen, einschließlich Fernsehsender, die schnell einsetzbare Satellitenkommunikation mit hoher Bandbreite benötigen.

Waldemar Geiger