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Kleine, taktische Vertical Take-Off and Landing (VTOL) Drohnen sind heute bei fast allen Streitkräften der Welt Standard und vom Gefechtsfeld nicht mehr wegzudenken. Sie sind klein, flexibel, schwer zu bekämpfen und bieten den Bodenkräften wie Infanterie oder Spezialkräften ein verbessertes Situationsbewusstsein. Nachteil der kleinen, taktischen Drohnensysteme (Unmanned Aerial System; UAS) sind die oft kurzen Einsatzzeiten.

Die französische Firma Elistair hat jüngst den kleinen, sehr robusten, angebundenen (tethered) Hexacopter Orion 2 für stationäre Überwachungsmissionen vorgestellt. Dank einer Verbindung zu einer am Boden befindlichen Stromquelle kann der Hexacopter bis zu 24 Stunden in der Luft bleiben, im Gegensatz zu den üblichen 20-30 Minuten taktischer Drohnen in dieser Klasse. Angebunden heißt in diesem Fall, die Drohne ist über ein Kabel mit am Boden befindlichen Geräten verbunden. Über die Verbindung können sowohl Befehle, aber auch Strom eingespeist werden. Damit wird Orion 2 zu einer luftgestützten Plattform, die zur dauerhaften Überwachung eingesetzt werden kann.

Orion 2

Das Orion 2 UAS ist ein leichter und gleichzeitig widerstandsfähiger Hexacopter, der als schnell einsetzbares System (Start und Landung auf Knopfdruck) konzipiert ist. Ähnlich einem mit Helium gefülltem taktischen Aerostat (Ballon) kann die Drohne eine dauerhafte stationäre Überwachung aus der Luft sicherstellen. Damit die Drohne lange in der Luft bleiben kann, wurden bei der Orion 2 mehrere Redundanzen eingebaut. Die Drohne wurde nach IP54 gehärtet, die Lebensdauer der Komponenten wurde verbessert, die Motoren optimiert und eine Sicherheitsbatterie hinzugefügt, die in der Luft aufgeladen werden kann.

Die Anbindung der Orion 2 erlaubt eine Steighöhe von bis zu 100 Metern. (Foto: Elistair)

Die neue Orion 2 ist eine Verbesserung gegenüber der ursprünglichen Orion-Drohne, die sich bereits bei unterschiedlichen internationalen Kunden im Einsatz ist. Nutzer sind unter anderem die französische Polizei, das britische Militär und die Behörden Singapurs.

Die Anbindung der Orion 2 erlaubt eine Steighöhe von bis zu 100 Metern. Damit kann sie höher als die Vorgänger steigen und so mehr Fläche (bis zu 300 km2) überblicken. Zudem kann sie bis zu 2 Kilogramm Nutzlast tragen, so dass sie gleichzeitig als ISR-Aufklärungs- und Kommunikationsplattform (Relais) dienen kann. Laut Hersteller kann sie bis zu 10 km weit aufklären. Die Nutzlasten sind gimbal-stabilisiert und bieten unter anderem einen 1080p Full HS EO-Kanal mit 30-fach optischen Zoom, oder einen 640×480 IR-kanal mit 4-fach digitalem Zoom. Die Orion 2 kann auch georeferenzierte elektro-optische und Infrarot-Bilder gleichzeitig übertragen. Dank einer neuen Glasfaserkabel-Option kann sie zudem als 4G/5G-Kommunikationsknoten eingesetzt werden.

Das Luftfahrzeug hat auch einen Notfall-Fallschirm verbaut, welcher bei plötzlichem Stromverlust automatisch auslöst. Das Gesamtsystem besteht aus zwei Transportboxen. Eine ist für den Schutz und Transport der Drohne, die zweite beinhaltet die Anbindung, inklusive der Stromversorgung. Ein einzelner Soldat reicht für die Aufstellung und Betrieb bzw. Start des Systems aus. Laut Hersteller kann es innerhalb von nur zwei Minuten startbereit sein. Steuerung und Auswertung der Aufklärungsbilder erfolgen über einen gehärteten Laptop.

André Forkert