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Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin ist mit dem Bau und der Ausstattung eines Trainingscenters zur fliegerischen Schulung der deutsch-französischen Besatzungen sowie zur technischen Unterweisung des Wartungspersonals des gemeinsamen C-130J-Geschwaders beider Länder beauftragt worden. Wie das Unternehmen in einer Mitteilung weiter ausführt, ist der erste Spatenstich für das Ausbildungszentrum mit Standort am Luftwaffenstützpunkt Évreux-Fauville in der Normandie für 2021 geplant.

Ab 2024 soll demnach der Ausbildungsbetrieb beginnen. Lockheed Martin werde im Rahmen dieses Auftrages die Bereitstellung von Ausbildungsgerät, einem Lernmanagementsystem, Kursmaterial sowie verschiedener Trainingsservices für fünf Jahre übernehmen. Die Einrichtung wird der Mitteilung zufolge die Ausbildung sowohl an der Transportversion C-130J-30 als auch am Tankflugzeug KC-130J abdecken.

C-130J in der Bundeswehr

In Deutschland wurde das Projekt auch als „Kleine Fläche“ bezeichnet. Diese Fähigkeitslücke entsteht dadurch, dass die Zahl der C-160 Transall nach und nach verringert wird. Obwohl die Luftwaffe mit der A400M mittlerweile über umfassende Lufttransportfähigkeiten verfügt, zeichnete es sich ab, dass es insbesondere im geschützten taktischen Lufttransport bei der Nutzung von Flugplätzen mit geringer Infrastruktur bzw. einfachen unbefestigten Pisten sowie im Bereich der Luftbetankung von Helikoptern eine Fähigkeitslücke geben wird. „Darüber hinaus sind auch nach Abschluss der Entwicklung, schon aufgrund der Dimension, limitierende Faktoren bei der Unterstützung von Spezialkräften nicht ganz auszuschließen. Gerade im Rahmen von nationalen Einsätzen – etwa zum Schutz deutscher Staatsbürger im Ausland – oder wenn es generell darum geht, die Anforderungen der Spezialkräfte an Lufttransportunterstützung zu erfüllen, gibt es daher Handlungsbedarf“, so Oberstleutnant Ralf Becker, Referent Fähigkeitsmanagement Luftwaffe im Kommando Luftwaffe, in einem Namensbeitrag in der Europäischen Sicherheit & Technik.

Zur Schließung dieser Fähigkeitslücke entsteht zurzeit eine Kooperation mit Frankreich im taktischen Lufttransport. Am 15. Februar 2017 wurde dazu ein sogenanntes Declaration of Intent – Absichtserklärung zum Aufbau einer gemeinsamen Lufttransportstaffel mit dem Luftfahrzeugmuster C-130J Hercules in Evreux, Frankreich – zwischen dem Bundesministerium für Verteidigung und dem französischen Pendant unterzeichnet. Am 18. Oktober 2017 unterzeichnete der Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, Vizeadmiral Joachim Rühle, und sein französischer Amtskollege, Admiral Philippe Coindreau, ein Grundlagendokument zwischen Deutschland und Frankreich, welches weitere Details der künftigen Kooperation bei diesem Projekt festlegte.

Frankreich hat über einen so genannten Foreign Military Sale (FMS) mit der US-Regierung bereits vier Super Hercules erhalten. Am 15. Januar 2018 hat Lockheed Martin die erste Maschine des Typs C-130J an Frankreich ausgeliefert. Im Mai 2018 genehmigte das US-Außenministerium den Verkauf von sechs taktischen Transportflugzeugen vom Typ C-130 an die Luftwaffe.

Ab 2021 wollen Deutschland und Frankreich insgesamt zehn Flugzeuge dieses Typs von der Évreux-Fauville Air Base in Frankreich aus gemeinsam betreiben. Vorgesehen sind gemeinsame Cockpitbesatzungen ebenso wie gemischte Bodenmannschaften. Die erste deutsche Maschine soll 2021 zulaufen. Beide Länder wollen die Flotte gemeinsam nutzen, dabei hat Frankreich zwei C-130J-30 und zwei KC-130J (Tankervariante) bestellt, Deutschland jeweils drei. Die Reichweite der J wird mit rund 3.300 Kilometern angegeben.

Waldemar Geiger