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Der für Rüstung zuständige Regierungskommisar Gáspár Maróth informierte bereits am 21.12 die ungarische Presse, dass neben dem Programm zur Fertigung des Lynx KF41 Schützenpanzers im Westungarischen Zalaegerszeg (S&T berichtete) und einem projektierten Werk für Munition ein weiteres Vorhaben unter Beteiligung von Rheinmetall realisiert werden soll. Konkret geht es um die Weiterentwicklung und Fertigung von etwa 300 geschützten Radfahrzeugen für die ungarischen Streitkräfte. Diese sollen auf Basis eines Fahrzeuges des türkischen Herstellers Nurol Makina entwickelt werden.

Wie nun bekannt wurde, dient als Basis für die projektierte Entwicklung das seit 2014 in der Türkei in Serie gefertigte 4×4 Fahrzeug „Ejder Yalçın“. Das gepanzerte Radfahrzeug weist in der ursprünglichen Konfiguration ein Schutzniveau der Stufe 4 nach STANAG-4569 auf. Der Antrieb erfolgt mittels eines 375 PS Turbodiesel Motors, das Leergewicht liegt bei 14 Tonnen. Die ersten zehn Fahrzeuge hat der in der Nähe von Ankara ansässige Produzent bereits nach Ungarn geliefert. Diese dienen der Erprobung und als Testplattform für die geplante Entwicklung. Weitere 40 Fahrzeuge sollen mit einem nicht weiter definierten Stand ebenfalls aus türkischer Produktion folgen.

Das „Gidrán“ getaufte Fahrzeug wird im Anschluss von einem Joint Venture bestehend aus Rheinmetall sowie der staatlichen ungarischen HT Division mit modernen Führungs- und Kommunikationsmitteln sowie Sensorik versehen und in einer Stückzahl von etwa 260 Fahrzeugen gebaut. Die Integration von durch Rheinmetall entwickelte Turmvarianten und Waffenanlagen ist ungarischen Medienberichten zufolge ebenfalls Teil des Projektes. Als Ort für die ungarische Fertigung wurde das südlich des Balaton gelegene Kaposvár benannt.

Das 2018 im Rahmen des „Zrinyi 2026“ Programm begonnene Verfahren zur Beschaffung von neuen geschützten Radfahrzeugen stand, im Vergleich zu den schweren Komponenten, deutlich weniger im Fokus der Berichterstattung. Es sei aber darauf hingewiesen, dass der Schützenpanzer Lynx nicht in erster Linie die zunehmend in die Jahre gekommene BTR-80 Flotte ersetzen soll. Vielmehr stellt der moderne Schützenpanzer eine Fähigkeit dar, welche die ungarischen Streitkräfte mit Aussonderung des BMP-1 verloren hatten. Ob die Tage aller BTR-80 gezählt sind steht jedoch auf einem anderen Blatt. Es ist anzunehmen, dass die in den letzten Jahren durch die einheimische Industrie umgebaute Spezialversionen, wie beispielsweise die Sanitätsvariante, noch eine gewisse Zeit parallel zu dem Gidrán in Nutzung bleiben.

Kristóf Nagy