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Der für Verteidigung, Verteidigungsindustrie und die Koordinierung der Streitkräftemodernisierung zuständige Kommissar der ungarischen Regierung Gáspár Maróth teilte in einer Pressemitteilung mit, dass die ungarischen Streitkräfte 218 Schützenpanzer Lynx erhalten werden. Der Vertrag über den Kauf der Schützenpanzer wurde am Mittwoch den 9. September 2020 von Ferenc Korom, dem Kommandeur der ungarischen Streitkräfte, und Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender des Rheinmetall-Konzerns im ungarischen Verteidigungsministerium, unterzeichnet. Die Vereinbarung sieht ein Gesamtvolumen von mehr als zwei Milliarden Euro vor, somit das bislang größte Modernisierungsprogramm der ungarischen Streitkräfte.

Die Vereinbarung umfasst die Lieferung von 218 Lynx KF41 Schützenpanzer sowie neun Unterstützungsfahrzeuge des Typs Bergepanzer 3 Büffel. Daneben beinhaltet der Vertrag weitere Leistungen wie zum Beispiel Simulatoren, Ausbildung und Training sowie auch eine Anfangsausstattung an Ersatzteilen und Wartungsleistungen aus dem Hause Rheinmetall. Die Lynx-Schützenpanzer werden mit dem bemannten 30mm Lance-Turm ausgestattet sein, der ebenfalls von Rheinmetall entwickelt wurde.

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Der kürzlich in englischer Sprache erschienene WTR “The Lynx Family” beschreibt ausführlich Design- und Ausstattungsmerkmale der neuen Schützenpanzerfamilie. Der WTR kann als Print- oder PDF-Exemplar im Mittler-Report-Shop erworben werden.

172 der neuen Schützenpanzer werden in Ungarn im Werk des Joint Ventures zwischen Rheinmetall und dem ungarischen Staat produziert.

Das Abkommen zur Errichtung dieses Joint Ventures wurde erst am 17. August 2020 geschlossen (S&T berichtete). In einer ersten Produktionsphase soll Ungarn 46 Lynx- Schützenpanzer sowie neun Bergepanzer 3 Büffel aus deutscher Fertigung erhalten, wobei die Auslieferung bis Anfang 2023 abgeschlossen sein soll. Dort sollen auch die Spezialisten für die ungarische Produktion ausgebildet werden.

Modernisierung des ungarischen Heeres

Bei der Modernisierung des Heeres setzt das ungarische Verteidigungsministerium auf deutsche Rüstungsexpertise. So hatte Ungarn im Dezember 2018 mit KMW einen Vertrag zur Lieferung von 44 neugefertigten Kampfpanzern Leopard 2 A7+, drei Panzerschnellbrücken Leguan und 24 neugefertigten Panzerhaubitzen PzH 2000 sowie zur Beschaffung von zwölf gebrauchten Kampfpanzern Leopard 2 A4HU aus den Beständen von KMW zu Ausbildungszwecken unterzeichnet. Die ersten Leopard A4Hu wurden Ende Juli 2020 an das ungarische Heer übergeben.

Unabhängig davon wurde 2019 die Beschaffung von fünf WiSENT 2-Bergepanzern von der FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH (FFG) beauftragt. Das Gesamtpaket für die ungarischen Streitkräfte umfasst laut FFG den Bau und die Lieferung von fünf WiSENT-2- ergepanzern, zwei Pionierpanzerkits in 40-Fuß-Containern und ein Minenräumkit in einem 20-Fuß-Container.

Mit den neuen Waffensystemen soll noch immer in Verwendung befindliches Gerät aus russischer Produktion ersetzt werden. Die Nutzung von Kampffahrzeugen nach europäischen Standards ist ein Schritt zur Verbesserung der Interoperabilität mit europäischen Streitkräften.

Weiterhin bestellten die ungarischen Streitkräfte 2018 insgesamt 20 Hubschrauber des Typs H145M von Airbus Helicopters in Donauwörth. Die ersten mit HForce und anderen Missionspaketen ausgestatteten Hubschrauber wurden 2019 an Ungarn übergeben. Zu der Missionsausstattung gehören neben hochauflösenden Sichtmitteln und Bewaffnung u.a. Elemente wie ein Fast Roping System, ballistischer Schutz und elektronische Gegenmaßnahmen. Die Kabine mit maximal zehn Sitzplätzen kann außer für Truppentransport auch für den Transport von Verwundeten umgebaut werden.

Die umfangreichen Beschaffungen erfolgen im Rahmen des 2016 angelaufenen zehnjährigen militärischen Entwicklungsprogramms.

Waldemar Geiger