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Der Haushalts- und der Verteidigungsausschuss des deutschen Bundestages planen am kommenden Mittwoch die Befassung mit der 25-Mio-Vorlage zur Ausrüstung eines Teiles der Leopard-2-Kampfpanzer der Bundeswehr mit dem abstandsaktiven Schutzsystem „Trophy“ des israelischen Rüstungskonzerns Rafael. Dies geht aus den jüngst veröffentlichten Tagesordnungen der jeweiligen Ausschüsse hervor. Letztjährigen Medienberichten zufolge war die Befassung ursprünglich für Ende Oktober 2020 geplant. Sollten die Bundestagsausschüsse das Vorhaben nächste Woche billigen, was zu erwarten ist, kann wenige Tage später auch eine Vertragsunterzeichnung mit dem Industriepartner erwartet werden.

Entgegen der ursprünglichen Bundeswehrplanung werden die Systeme jedoch nicht für die bei der VJTF 2023 eingeplanten Panzer beschafft, da das Heer sich dafür entschieden hat, die VJTF-Verbände mit dem Leopard 2A7V, der modernsten Version des Kampfpanzers, auszustatten. Dem Vernehmen nach sollen 30 dieser Kampfpanzer für die VJTF-Truppe zur Verfügung stehen. Gut informierten Kreisen zufolge sollen offenbar sowohl die Absicht der einheitlichen Ausstattung der gesamten VJTF-Panzertruppe als auch zeitliche Gründe für diese Entscheidung maßgeblich gewesen sein.

Insgesamt plant die Bundeswehr 17 Kampfpanzer des Typs Leopard 2A6A3 zu modernisieren und mit Trophy auszurüsten. Den Informationen der Soldat & Technik nach sollen diese Panzer dann bundeswehrintern unter der Typenbezeichnung „Leopard 2A7A1“ geführt werden.

Trophy

Das abstandsaktive Schutzsystem Trophy von Rafael Advanced Defense Systems wird bereits seit rund einem Jahrzehnt auf den israelischen Kampfpanzern des Typs Merkava IV und seit letztem Jahr auch auf US-Kampfpanzern des Typs Abrams betrieben. Die US-Streitkräfte haben 2018 insgesamt 336 Trophy-Systeme im Wert von 400 Millionen Euro geordert. Die Auslieferung der Systeme begann im September 2019 und wurde zum Ende 2020 abgeschlossen.

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Trophy überwacht das Gefechtsfeld mit Radar-Sensoren, erkennt anfliegende Projektile und klassifiziert sie. Eine erkannte Bedrohung wird verfolgt und der optimale Bekämpfungspunkt bestimmt. Die Besatzung wird gewarnt und das ankommende Geschoss mit einem Splitterkegel (Multiple Explosively Formed Projectile, MEFP) neutralisiert, bevor es für Besatzung und Plattform zur Gefahr wird. Zum Abwehrspektrum gehören Panzerabwehrraketen, Flugkörper und Hohlladungsgeschosse (High Energy Anti-Tank, HEAT) einschließlich Nahbekämpfungswaffen, wie z.B. raketenangetriebene Granaten (Rocket Propelled Grenades, RPG).

Waldemar Geiger und Gerhard Heiming