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Die Bundeswehr wird in den nächsten Jahren flächendeckend mit dem Maschinengewehr MG5 ausgestattet. Sowohl der Haushalts- als auch der Verteidigungsausschuss des deutschen Bundestages haben gestern eine entsprechende 25-Millionen-Euro-Vorlage zur „Ergänzungsbeschaffung MG5“ gebilligt.

Damit zeichnet sich ein entsprechender Auftrag für Heckler & Koch ab, rund 11.000 Stück des 7,62er-Maschinengewehrs an die deutschen Streitkräfte zu liefern. Somit würden der Truppe nach Ende der Auslieferungen über 18.000 MG5 in den Version MG5 (Standard), MG5A1 (Eibauwaffe) und MG5A2 (Infanteriewaffe) zur Verfügung stehen.

Das MG5 basiert auf dem ab Ende 2005 bei Heckler & Koch entwickelten HK121.Die Idee war es seinerzeit, ein ähnlich dem MG4 (Kaliber 5,56 mm x 45; bisher eingeführt bei der Bundeswehr und in Spanien) handzuhabendes modernes Universal-MG im Kaliber 7,62 mm x 51 zu konstruieren. Die Einsatzerfahrungen aus den Einsätzen in Afghanistan und dem Irak hatten nämlich nicht nur bei der Bundeswehr den Bedarf an solchen kampfkräftigen Waffen im alten NATO-Standardkaliber erkennen lassen.

Bundeswehrseitig begann das Projekt MG5 mit der um den Jahreswechsel 2008/2009 auf den Weg gebrachten Maschinengewehrinitiative. Diese forderte ein leichtes, ein mittleres und ein schweres Maschinengewehr sowie ein mittleres MG mit hoher Kadenz. Als leichtes MG dient das HK MG4 im Kaliber 5,56 mm x 45. Als schweres MG nutzt die Bundeswehr derzeit das FN Browning M2 als Fahrzeug-, sowie das FN Browning M3M als Helikopterbewaffnung. Unter der Katalogisierungsnummer MG6 beschaffte die Bundeswehr eine germanisierte Version der fremdangetriebenen Mehrrohrwaffe Dillon- Aero M134-D als „mittleres MG hohe Kadenz“ für Spezialkräfte.

Der MG5-Bewerber HK121 wiederum durchlief ab 2010 in der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen die Erprobungen. Auf Kundenwunsch erfolgten noch einige Modifikationen. Im April 2012 erklärte die Bundeswehr die Funktions- und Betriebssicherheit (FuBeSi) für die Waffe.

Im April 2012 erklärte die Bundeswehr die Funktions- und Betriebssicherheit (FuBeSi) für das MG5. (Foto: Bundeswehr).

Beim MG5 handelt es sich um einen zuschießenden Gasdrucklader mit verriegeltem Drehkopfverschluss und Long-Stroke-Gaskolbensystem. Die kaltgehämmerten, vierfach gezogenen und speziell beschichteten Schnellwechselrohre gibt es in mehreren Längen: Standard (550 mm), Infanterie (I, 460 mm) und Einbauwaffe (EBW, 663 mm). In der Standard-Variante der Bundeswehr mit 550mm-Rohr wiegt das MG5 rund 11,6 Kilo und kommt auf eine Einsatzschussweite von 1.000 Metern. Die Mündungsgeschwindigkeit liegt bei 820 Metern pro Sekunde. Die Kadenz lässt sich auf 640, 720 und 800 Schuss pro Minute einstellen. Standardmäßig dient die Hensoldt Zieloptik 4x30i als Visierung. Mit Nachtsichtvorsätzen ist das MG5 nachtkampffähig. Eine abklappbare, längenverstellbare Schulterstütze, ein höhenverstellbares Zweibein, Schnellwechselrohre mit abklappbarem Tragegriff sowie eine gelbolive Farbgebung sind weitere Merkmale. Ebenso lässt sich das MG5 von Lafetten aus einsetzen.

Äußerlich ähnelt das MG5 zwar dem MG4, dennoch unterscheidet es sich technisch von der „kleineren Schwester“. Das patentierte Waffengehäuse besteht nicht aus Blechprägeteilen, sondern aus zwei Gehäuseschalen aus Gussstahl sowie einem Anschlussblock, die in einem ebenfalls patentierten Verfahren zusammengefügt werden.

Die Gurtzuführung erfolgt – wie bei MG3 und MG4 – von links. Die Ladetätigkeiten beim HK121 sind mit denen beim MG4 und MG3 weitgehend identisch. Jedoch lässt sich das MG5 als erste Waffe seiner Art weltweit überhaupt in jedem Ladezustand sichern und entsichern. Dies geschieht über einen beidseitig bedienbaren Feuerwahlhebel am Pistolengriff. Beim MG4 soll dieses Konstruktionsmerkmal nachgerüstet werden.

MG5 und MG4 sollen in den nächsten Jahren zu einer MG-Familie harmonisiert werden.

Jan-Phillipp Weisswange