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Seit 2004 wird die Streitkräftegemeinsame Taktische Feuerunterstützung (STF) unter Federführung des Heeres geplant und umgesetzt. Aufgabe der STF ist es, das Gefecht der Kampftruppe effektiv mittels nationalen und multinationalen Wirkmitteln des indirekten Feuers, Starr- und Drehflüglern sowie mit Seestreitkräften zu unterstützen. Dafür hat die Bundeswehr speziell ausgerüstete und ausgebildete Kräfte – so genannte Joint Fire Support Teams (JFST; im Deutschen: streitkräftegemeinsamer Feuerunterstützungstrupp) – vorgesehen, die den Feuerkampf dieser Wirkmittel lenken.

Bislang hat die Bundeswehr lediglich auf Fahrzeuge gestützte JFST im Einsatz, während keine Ausrüstung für rein infanteristisch agierende JFSTs vorhanden ist. Um diese Fähigkeitslücke zu schließen, soll zukünftig das System „JFST abgesessen“ realisiert werden. Hier wurden alle taktischen und materiellen Forderungen für den infanteristischen Einsatz der JFST in einem Projekt zusammengeführt. Ab Ende 2021 sollen erste Entwicklungsmuster zur Verfügung stehen.

Gegenwärtig setzt sich ein JFST aus dem Boden-Boden-Trupp sowie dem Luft-Boden-Trupp zusammen, welche jeweils aus einem Offizier, einem Feldwebel und einem Mannschaftssoldaten bestehen. Der Luft-Boden-Trupp verantwortet primär die Luftnahunterstützung (Close Air Support, CAS) durch Kampfhubschrauber und Kampfflugzeuge. Der Boden-Boden-Trupp ist im Schwerpunkt für den Einsatz von Artillerie und Mörsern, dem Einsatz seegestützter Wirkmittel und für das Verfahren Close Combat Attack (CCA) der Kampfhubschrauber verantwortlich.

Die Aufgaben des JFST sind unter anderem die Überwachung des Gefechts, die Zielaufklärung und -bestimmung, die Feuerlenkung eigener sowie verbündeter Wirkmittel und die Feststellung des Erfolgs des Waffeneinsatzes, die Auswertung und Meldung der eigenen Aufklärungsergebnisse und solche anderer Truppen. Darüber hinaus nehmen JFST Wirkungsforderungen der Kampftruppe an, leiten diese weiter und beraten den Führer der Kampftruppe.

Der Einsatz der JFST kann fahrzeuggestützt, abgesetzt bei Rückgriff auf die Fahrzeugunterstützung oder komplett abgesessen erfolgen. Für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben sind die JFST des Heeres mit einer Vielzahl an Kommunikations-, Beobachtungs- und Aufklärungsmitteln ausgestattet. Diese sind jedoch, bedingt durch Gewicht und Volumen, nur unzureichend für den abgesessenen Einsatz geeignet. So müssen die abgesessenen Trupps ebenfalls in der Lage sein, Ziele auf weite Entfernungen präzise aufzuklären, beziehungsweise die unterschiedlichen Funkkreise (Truppfunk, Funkkreis der Kampftruppe, Funkverbindung zu den Wirkmitteln (Mörser, Artillerie und Luftfahrzeuge etc.) auf gleiche Entfernungen zu halten, wie es bei den fahrzeuggestützten Teams erfolgt. Im Gegensatz zu den auf Fahrzeugen eingesetzten JFST müssen die infanteristischen JFST die dafür notwendige spezifische Trupp-Ausrüstung, zusätzlich zur persönlichen Ausrüstung, am Mann oder im Rucksack mitführen. Dies ist derzeit nicht ohne Inkaufnahme von Leistungseinbußen hinsichtlich Ausdauer, Reichweite und Genauigkeit möglich.

Status Quo

Bisher wurde für die Kommunikation mit den Luftfahrzeugen ausschließlich das Funkgerät L3Harris AN/PRC-117 F/G genutzt. Die derzeitige Zielortung erfolgt mittels unterschiedlicher Geräte, beispielsweise durch das Zielortungsgerät NYXUS von Jenoptik, einfache Doppelferngläser, Laserentfernungsmesser oder andere Behelfsbeobachtungsmittel. Diese haben sich jedoch als zu sperrig, zu schwer oder als zu ungenau erwiesen. Für den Video-Downlink bewegter Luftbilder des Targeting-Pods eines Luftfahrzeuges wurden die Systeme ROVER oder Rockwell Collins Rosetta FireStorm (Strikehawk) genutzt. Da viele dieser Geräte über den Einsatzsofortbedarf beschafft wurden, weisen sie jedoch verschiedene Bauarten auf und sind oft nicht kompatibel zu den übrigen genutzten Systemen.

Ein JTAC des Fallschirmjägerregiments 31 beobachtet durch sein Moskito-Beobachtungsmittel (Foto: Bundeswehr / Markus Mader)

In diesem Bereich spielt auch die Anbindung an die Streitkräfte der USA und Großbritanniens – insbesondere an deren Luftfahrzeuge – eine wichtige Rolle. Dazu kommt die Software mit der Bezeichnung Digitally-Aided Close Air Support (DACAS) zum Einsatz. DACAS ermöglicht im Rahmen von Einsätzen mit NATO- und Partnernationen die Verwendung und Übermittlung digitaler Nachrichten, um die Kommunikation zu beschleunigen, ein gemeinsames Lagebild zu entwickeln, menschliche Fehler zu reduzieren und die Wirkungskette zu verkürzen. Dank der digitalen Systeme in den Luftfahrzeugen und den DACAS-Bodenkits kann ein Joint Terminal Attack Controller (JTAC) zum Beispiel digitale Zielkoordinaten direkt in das Waffensystem eines Flugzeugs übertragen, noch bevor das Flugzeug überhaupt im Zielgebiet ist. Bisher wurden die Koordinaten per Funk mündlich übertragen und durch die Luftfahrzeugbesatzung dann per Hand ins System eingegeben. Die Art der Übermittlung war nicht nur langsamer, sondern es kam auch immer wieder zu Fehlern wie Zahlendrehern und damit zum Beschuss falscher Koordinaten.

Im Dezember 2020 wurde im Rahmen des US Foreign Military Sales- Programms mit der US-Regierung die Beschaffung von 370 PRC-117GFunkgeräten unterzeichnet. Bis 2024 sollen 561 weitere Geräte folgen (Foto: L3Harris)

Anforderungen an das neue System

Im System- und Wirkverbund „streitkräftegemeinsame taktische Feuerunterstützung“ agiert das „JFST abgesessen“ (JFSTabges) im abgesessenen und plattformungebundenen Einsatz. Die künftige Ausstattung JFSTabges dient

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