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Für Aufgaben rund um den Personenschutz will die Bundeswehr bis zu 40 handelsübliche Personenkraftfahrzeuge mit Sonderschutz bestellen. Aus der elektronischen Ausschreibung des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) im Amtsblatt der Europäischen Union (Tenders Electronic Daily, TED) am 18. März 2021 geht hervor, dass in einem Rahmenvertrag die Lieferung von 15 Fahrzeugen fest bestellt und eine Option über weitere 25 Fahrzeuge vereinbart werden soll. Termin für den Abschluss der Lieferung wird der 31. Dezember 2023 sein.

Geländegängigkeit und Schutz sind die Hauptforderungen an das Fahrzeug, damit geschützter Personentransport in Krisengebieten auch auf Straße mit schlechter Qualität und abseits befestigter Wege ermöglicht wird. Das Fahrzeug muss den Anforderungen der deutschen Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) entsprechen, ggfs. unter Inanspruchnahme von Ausnahmegenehmigungen. Im äußeren Erscheinungsbild sollen Unterschiede zur handelsüblichen Ausführung nicht erkennbar sein.

Für Besatzung und Passagiere sind vier schutzwestenoptimierte Fahrzeugsitze der Firma König gefordert. Als Nutzlast wird gefordert mindestens 640 kg für vier Soldaten einschließlich persönlicher Ausrüstung und weitere frei verfügbare 100 kg.

Der Schutz gegen Minen, Ansprengungen und Beschuss/Splitter einschließlich der sprengsicheren Verstauung der Ausrüstung im Fahrzeuginnenraum ist nach STANAG 4569 oder VPAM zu qualifizieren.

Zu den Sicherheitselementen gehören darüber hinaus eine zusätzliche Bergeöffnung (z.B. Dachluke), die Vorbereitungen für Störsender und Räder mit Notlaufeigenschaften.

Das Fahrzeug soll konventionell von einem Dieselmotor über ein automatisches Getriebe angetrieben werden. Für die Geländegängigkeit in leichtem bis mittelschwerem Gelände sind Bodenfreiheit, Wattiefe und Differentialsperren die Bewertungskriterien.

Weitere Forderungen sind Verzurrmöglichkeiten für den Lufttransport (z.B. in A400M), ein verdeckter Infrarotscheinwerfer, Abschaltung aller akustischen Signale und Lichtquellen, Freisprecheinrichtung, mechanisches Zündschloss und nicht zuletzt die Instandsetzung und logistische Versorgung der Fahrzeuge sowohl im Inland als auch im Einsatz in Krisengebieten.

Aus den Anforderungen der Ausschreibung und dem Zeitrahmen ergibt sich, dass für Angebote nur Fahrzeuge infrage kommen, für die Typprüfungen bereits erfolgt sind. Die Gewichtsbilanz führt zu Fahrzeugen der SUV-Klasse mit einem Gesamtgewicht in der Größenordnung von fünf Tonnen. In vier Wochen (28. April 2021) müssen die Angebote vorliegen. Geplanter Vertragsbeginn ist der 1. September 2021.

Die kurze Terminsetzung zeigt den offensichtlich hohen Bedarf. Mehrere tausend ähnlicher Fahrzeuge sind bei der Bundeswehr, den Botschaften national und international und bei den Vereinten Nationen im Einsatz.

Gerhard Heiming