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Militärexpertise in den Medien: Das Beispiel Österreich

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Es ist alles im Kriege sehr einfach, aber das Einfachste ist schwierig – das wusste schon Carl von Clausewitz. Gerade in Kriegszeiten machen es sich viele Medien einfach, Militärexperten vor die Kamera zu bekommen, die die Lage analysieren. In Deutschland beispielsweise schlägt dann meist die Stunde der ausgeschiedenen Generale und Admirale oder weiterer prominenter Experten für Alles – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Man wundert sich bisweilen, dass die Bundeswehr ihre verbreitete und hervorragend ausgebildete Expertise in den eigenen Reihen vorrangig für Panzerschränke, Parlamentarieranfragen oder Papierkörbe schreiben lässt. Das breite öffentliche Publikum bleibt davon allenfalls nur mittelbarer Nutznießer. Ein innovativer Ansatz, den Medien wirkliche Militärexpertise bereitzustellen, kommt in unserem Nachbarland Österreich zum Tragen. Hier stehen auf Initiative des Pressestabes des Bundesministeriums für Landesverteidigung (BMLV) mit Oberst dG Dr. Markus Reisner (Leiter der Forschungsabteilung an der Militärakademie), Brigadier Philipp Eder (Leiter der Abteilung Militärstrategie) und Generalmajor Günter Hofbauer (Leiter Grundsatzplanung im BMLV) drei aktive Offiziere, einsatzerfahrene Truppenführer und ausgewiesene Sicherheitspolitik- und Militärexperten für Medienanfragen bereit.

Einige weitere Informationen zu Hintergründen und Arbeitsweise dieser Experten-Gruppe erfuhr Soldat & Technik von dem Ministeriumssprecher, Oberst Mag. Michael Bauer. Dieser erkannte, dass es im Falle einer Eskalation des Russland-Ukraine-Konfliktes in den Medien einen erhöhten Informationsbedarf zu militärstrategischen Fragen geben würde, und ergriff Mitte Januar 2022 die Initiative. Er sprach seine Kameraden an, ob Sie Interesse hätten, zur fundierten Information der Öffentlichkeit über militärische und strategische Sachverhalte beizutragen. Diese sagten schnell zu. Ziel war es, dieses wichtige Feld eben nicht „Experten für alles“ zu überlassen.

Die Arbeitsgruppe teilt sich nach Medienart auf:

  • Je ein Experte kümmert sich vorrangig um Anfragen durch Fernsehen, Radio und Printmedien – wobei er aus Kapazitätsgründen auch bei anderen Medien zum Einsatz kommen kann.
  • Ein weiterer vierter Experte steht als Reserve bereit.

Zur Koordination gründete man auf einer Kommunikationsplattform eine eigene kleine Gruppe. Hier werden nicht nur die Anfragen koordiniert. Es findet auch eine Auswertung des jeweiligen Beitrags statt, um daraus „lessons learned“ abzuleiten. In der Praxis sieht das so aus, dass ein Journalist seinen Informationsbedarf, sein Medium und seine Kontaktdaten an Oberst Bauer oder dessen Stellvertreter übermittelt. In der Arbeitsgruppe wird dann festgelegt, wer die Anfrage übernimmt. Der benannte Experte setzt sich dann direkt mit dem Medium in Verbindung.

Das Angebot des Bundesheeres wird, so teilt Oberst Bauer mit, in den Medien sehr gut angenommen. Als weiteres Ergebnis werden die Analysen der österreichischen BMLV-Experten auch auf den Internet-Seiten und Social-Media-Kanälen des Bundesheeres publiziert und geteilt. Ein Format ist etwa „Drei Fragen – drei Antworten“, in denen ausgewählte Aspekte zur strategischen Lage beantwortet werden.

Jan-Phillipp Weisswange