StartBewaffnungNext Generation Squad Weapon: SIG Sauer erhält Zuschlag der U.S. Army

Next Generation Squad Weapon: SIG Sauer erhält Zuschlag der U.S. Army

Jan-Phillipp Weisswange

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Die U.S. Army hat ihre Wahl im NGSW-Vorhaben – NGSW steht für Next Generation Squad Weapon – getroffen. Das US-Heer teilte vergangene Nacht mit, dass das Programm mit den von SIG Sauer entwickelten Waffen realisiert wird. Das Vorhaben verfolgt das Ziel, einen Teil der M16-Familie durch eine so genannte NGSW-Rifle und das leichte MG M249 durch eine so genannte NGSW-Automatic Rifle zu ersetzen. In einem ersten Schritt werden Waffen und Munition im Wert von 20,4 Millionen US-Dollar für Testzwecke beschafft. „Der Vertrag umfasst auch Zubehör, Ersatzteile und die Unterstützung durch Auftragnehmer. Er bietet auch den anderen Dienststellen des US-Verteidigungsministeriums und potenziell auch Ländern, die Käufe im Rahmen von Foreign Military Sales tätigen wollen, die Möglichkeit, die NGSW-Waffen zu erwerben“, heißt es in der Mitteilung des US-Heeres.

Das XM5 Rifle auf Basis der SIG Sauer MCX-SPEAR wird den M4/M4A1-Karabiner innerhalb der so genannten Close Combat Forces ersetzen, das XM250 Automatic Rifle auf Basis des SIG Sauer LMG-6.8 ist der geplante Ersatz für die M249 Squad Automatic Weapon. Mit den Close Combat Forces sind Truppenteile der Infanterie, Aufklärungstruppe, Pionierkräfte, Beobachter sowie der Sanitätstruppe gemeint, die direkt an vorderster Front eingesetzt werden. Die X-Bezeichnung der Waffen entfällt typischerweise, sobald die Waffensysteme alle Tests bestanden haben und an die Truppe ausgegeben worden sind. Somit ist davon auszugehen, dass die offizielle Bezeichnung der Waffen M5 bzw. M250 lauten wird.

Das SIG Sauer LMG-6.8 ist eine zuschießende Waffe mit Kurzhub-Gaskolbensystem. Es verfügt über eine Schnittstelle für einen Gurtkasten, eine Magazinzuführung ist nicht vorgesehen. Die Waffe wiegt mit 5.440 Gramm 35 Prozent weniger als ein vergleichbares MK48 Mod 1. Weiterhin verfügt sie über das gleiche Rückstoßminderungssystem wie das SIG MG 338. Ebenso klappt der Deckel mit dem Gurtzuführeroberteil nicht nach vorne, sondern zur Seite auf. So lassen sich Optiken mit Vorsatzgeräten problemlos nutzen. Der beidseitig bedienbare Feuerwahlhebel rastet in den Stellungen Sicher – Dauerfeuer – Einzelfeuer. Die Waffe lässt sich in jedem Ladezustand sichern. Die in fünf Positionen rastende ausziehbare Schulterstütze lässt sich an die linke Gehäuseseite anklappen. Das Standard-Rohr kommt auf 16“ Länge (406 mm).

Das SIG Sauer MCX-SPEAR arbeitet ebenfalls mit einem Kurzhub-Gaskolbensystem. Es verfügt über einen Mechanismus mit doppeltem Ladehebel: So lässt sich die Waffe entweder in klassischer AR-15-Weise mit dem Spannhebel an der Gehäuserückseite oder aber über einen an der linken Waffenseite anklappbaren kleineren Ladehebel fertigladen. Die Waffe ist beidseitig bedienbar und verfügt über ein 13“-Rohr. Schalldämpfer der neuesten Generation lassen sich nutzen.

Beide Waffen verschießen die von SIG Sauer entwickelte Hybridmunition im Kaliber 6,8 mm x 51. Diese Munition verfügt über eine Messinghülse und einen Stahl-Hülsenboden. Das 6,8-mm-Projektil ist von der Army vorgegeben. Das neu entwickelte 6.8 General Purpose Projectile soll eine Reichweite von mindestens 600 Metern haben und damit die Hauptkampfentfernung des M16/M4A1 verdoppeln. Ebenso soll es jede derzeit und absehbar genutzte ballistische Körperschutzausstattung durchschlagen können. Ein entsprechender Auftrag über die Entwicklung, Kapazitäts- und Produktionsplanung und Vorbereitung auf die (Vor-)Serienproduktion von Munition im Kaliber 6,8 mm x 51 im Wert von 20 Millionen US-Dollar wurde durch die U.S. Army bereits vor wenigen Monaten an den US-Munitionshersteller Winchester vergeben.

Auch beim zum NGSW-Programm gehörigen Optikanteil wurde bereits vor geraumer Zeit eine Entscheidung getroffen. Den Zuschlag für das als XM157 bezeichnete System erhielt Vortex Optics. Der Rahmenvertrag mit einem Mindestwert von 20 Millionen US-Dollar und einem Maximalwert von 2,7 Milliarden US-Dollar ist auf zehn Jahre angelegt. Bei der XM157-Optronik handelt es sich um eine Kombination aus einem variablem 1-8×30 Glas mit einem Sensorikpaket, Laserentfernungsmesser und Ballistikcomputer, welches die Ersttrefferwahrscheinlichkeit der Schützen gegenüber klassischen Optiken deutlich steigern soll.

Die U.S. Army hatte das NGSW-Programm vor rund fünf Jahren auf den Weg gebracht und hat sich mit der nun getroffenen Wahl für den konventionellsten Ansatz und somit risikoärmsten Weg entschieden. Der verbliebene Mitbewerber Lone Star Future Weapons, Beretta und True Velocity hatten zwei Bullpup-Waffen und eine Polymerhülsen-Munition angeboten. Zuvor war schon ein Team aus Textron (geteamt mit Heckler & Koch und Olin Winchester) mit einer teleskopierten Munition ausgeschieden.

Als nächste Phasen stehen jetzt weitere technische und Einsatzprüfungen mit Waffen und Munition an. Dabei dürfte vor allem im Fokus stehen, inwieweit Waffen und Munition Vorteile bezüglich Reichweite, Wirkung und Handhabung bringen. Auch das US-Spezialkräftekommando (USSOCOM) und die US-Marines beobachten das Projekt weiter.

Jan-Phillipp Weisswange