StartTaktik & AusbildungÜbung Black Sky: Kommandosoldaten des Heeres trainieren die Befreiung von Geiseln

Übung Black Sky: Kommandosoldaten des Heeres trainieren die Befreiung von Geiseln

Kieron Kleinert

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Das Kommando Spezialkräfte ist im Rahmen des Nationalen Risiko- und Krisenmanagements für den Schutz deutscher Staatsangehöriger im Ausland verantwortlich. Dazu gehört auch, sie in Krisengebieten aus terroristischer Bedrohung oder Geiselhaft zu befreien. Bei der Übung Black Sky wird dies regelmäßig trainiert.

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Zur Landes- und Bündnisverteidigung stellt das Kommando Spezialkräfte (KSK) Verbände auf. Sie verfügen grundsätzlich über alle Fähigkeiten, die gemäß der NATO von Spezialkräften gefordert werden. Die Aufgabe „Befreien aus Gefangenschaft, Geiselhaft oder terroristischer Bedrohung“ ist ein Teil dieser Fähigkeiten und ein wesentlicher Auftrag für das KSK. Hierzu wird ein Spezialkräfteverband dauerhaft rund um die Uhr bereitgehalten, um jederzeit weltweit und ohne Vorwarnzeit einsetzbar zu sein.

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Um den dazu notwendigen hohen Ausbildungsstand zu erhalten, müssen die Taktiken und Einsatzverfahren kontinuierlich aufrechterhalten, erweitert und überprüft werden. Bei der Übung Black Sky wird die Befreiung deutscher Staatsbürgerinnen und Staatsbürger in Krisenregionen geübt. Gleichzeitig wird dabei die Einsatzbereitschaft des Spezialkräfteverbands festgestellt. Hierbei wird sowohl die individuelle Leistung jedes einzelnen Kommandosoldaten als auch das Zusammenspiel im Team und die Führung des Spezialkräfteverbands überprüft.

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Des Weiteren liegt ein besonderes Augenmerk auf der Zusammenarbeit mit verschiedenen Hubschraubern und Flugzeugen der Luftwaffe. Der Kommandeur der Kommandokräfte weist an Ende der Übung auf Verbesserungsmöglichkeiten hin, die im Zuge der weiteren Ausbildung umgesetzt werden.

Komplexer Plan wird zerlegt in einzelne Schritte

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Alle müssen wissen, wie die Operation ablaufen soll. Sobald der Operationsplan erarbeitet ist, wird er als sogenannter ROC-Drill durchgesprochen. Improvisationsvermögen ist auch hier gefragt, da jede Minute zählt. (Foto: Bundeswehr/KSK)

Während der Übung befinden sich die Kommandokräfte bereits in einer Einsatzbasis nahe am Operationsziel. Es geht diesmal nicht darum, die strategische Verlegung über weite Entfernung zu üben, sondern darum konkrete Einsatzaufträge zu erfüllen. Der Einsatzbefehl ist eingegangen, die Angehörigen des Spezialkräfteverbands sind alarmiert. Ausrüstung, Waffen und Gerät werden vorbereitet, es werden letzte Gegenstände verpackt.

Zeitgleich läuft die Missionsplanung unter hohem Zeitdruck. In der vorgeschobenen Einsatzbasis sammeln sich die Einsatzkräfte zum sogenannten ROC-Drill (Rehearsal of Concept). Auf dem Fußboden ist ein improvisierter Geländesandkasten aufgebaut, der das Areal um das Angriffsziel nachbildet. Alle Abläufe werden Schritt für Schritt gemeinsam besprochen. „Nur wenn jedem Einzelnen absolut klar ist, was zu tun ist, kann die Mission gelingen“, stellt Kompaniechef Oberstleutnant Hans K.* fest.

„Der Plan muss einfach sein, jedem absolut verständlich. Es muss schnell gehen, zu komplexe Verfahren sind da hinderlich“, so der Oberstleutnant. „Geschwindigkeit, Überraschung sowie kontrollierte Aggressivität in der Ausführung des Plans sind die wesentlichen Kriterien für den Erfolg.“

Fallschirmspringen ist eine Schlüsselfähigkeit

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Zum Einsatzziel gelangen die Spezialkräfte am schnellsten durch die Luft. Ein Transportflugzeug A400M der Luftwaffe steht bereit. In großer Höhe werden die Kommandosoldaten daraus abspringen. (Foto: Bundeswehr/KSK)

Schnell und überraschend muss der Einsatz der Spezialkräfte geschehen. Oft wird der Luftweg für den Anmarsch zum Ziel gewählt. Dunkelheit sorgt für mehr Eigenschutz und Überraschung beim Gegner. Taktisches Fallschirmspringen mit der gesamten Ausrüstung aus unterschiedlichen Höhen sowie die Anlandung mit Hubschraubern bei Nacht sind daher fester Bestandteil von Black Sky.

Kommandofeldwebel Kai S. hat mit seinem Trupp schon häufig an derartigen Übungen teilgenommen. Fallschirmspringen beherrscht er zu jeder Tages- und Nachtzeit. Dennoch achtet er penibel auf jedes Detail und ist konzentriert bei der Sache. „Trotz aller modernen Ausrüstung müssen wir das Handwerkszeug routiniert beherrschen“, sagt der erfahrene Kommandosoldat. „Am Fallschirm ist jeder für sich selbst verantwortlich. Fehler können hier schwerwiegende Folgen haben – für jeden Einzelnen von uns, aber auch für das gesamte Team und die Mission.“

Auf dem Flug zum Einsatzziel herrscht Stille. Das Brummen der vier Triebwerke ist das einzig wahrnehmbare Geräusch. In Gedanken geht jeder noch einmal den Sprung durch. Dann öffnet sich die Heckrampe und gibt den Blick in die nächtliche Landschaft frei. Der Absetzer, verantwortlich für die Sicherheit der Kommandosoldaten, hebt die Hand und deutet an „X-5“. Gleich geht es los.

Professionelles Üben für Einsatz, Krise und Krieg

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Solange wie möglich muss das Überraschungsmoment gewahrt bleiben. Zügig und geräuscharm gehen die Kommandosoldaten im Angriffsziel vor. (Foto: Bundeswehr/KSK)

In dieser Nacht liegt das Angriffsziel in einer alten Industrieanlage. Eine Terroristengruppe hält hier deutsche Staatsangehörige gefangen. Die Terroristen hatten zuvor bereits mehrfach diplomatische Vertretungen angegriffen und dabei Zivilisten getötet. Das KSK hat bei dieser Übung den Auftrag, die deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger zu befreien. Dank gründlicher Vorbereitung und präziser Aufklärung haben die Kommandotrupps den Gebäudegrundriss verinnerlicht und wissen, wo sich die Zivilisten befinden.

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Der Airbus A400M der Luftwaffe ist ein wichtiges Flugzeug der Bundeswehr zum Absetzen von Fallschirmspringern. Das KSK nutzt aber auch andere Flugzeuge und Hubschrauber, mit denen regelmäßig trainiert werden muss. (Foto: Bundeswehr/KSK)

Leise und schnell erreichen sie die angegebenen Räumlichkeiten. Ein intensives kurzes Feuergefecht beendet den Widerstand der überraschten Terroristen. „Raumkampf stand heute nicht im Vordergrund“, erläutert der Kommandeur Kommandokräfte und ergänzt: „Verbringung auf dem Luftweg in der Nacht, zeitkritische Planungsverfahren sowie spezifische taktische Verfahren waren das Übungsziel.“ Und das habe nach seiner Wahrnehmung sehr gut funktioniert. Diese Kenntnisse lassen sich universell anwenden.

Das KSK mit seinen Fähigkeiten bleibt das weltweit einsatzbereite strategische militärische „Multitool“ zur Risikominimierung – sowohl bei der Landes- und Bündnisverteidigung als auch beim Nationalen Risiko- und Krisenmanagement.

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Bei der Übung Black Sky gelangen die Kommandosoldaten aus großer Höhe mit einem Gleitschirm nahezu lautlos an ihr Einsatzziel. Auf dem Rollfeld üben sie noch einmal vor dem Abflug Notfallmaßnahmen bei Fehlfunktion des Fallschirms. (Foto: Bundeswehr/KSK)

Kieron Kleinert