StartMobilitätJeder für sich – aber alle gemeinsam: Luftlande-Soldaten üben Gewässerüberquerung

Jeder für sich – aber alle gemeinsam: Luftlande-Soldaten üben Gewässerüberquerung

Christian Leetz

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Die Fernmelde- und Stabs-Fernmeldekompanie der Division Schnelle Kräfte (DSK) aus Stadtallendorf übten am Edersee das Überwinden von Hindernissen. Auf dem Plan standen das Abseilen von der Staumauer, das Schwimmen mit kompletter Ausrüstung und das Anlanden mit dem Infanterieschlauchboot.

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48 Meter in die Tiefe – „ab geht’s“. (Foto: Bundeswehr/Engler)

Vertrauen ins Material

Karabiner, Berg-Gurtzeug und Seil sind für Luftlande-Soldaten nicht alltäglich. Doch auch, wenn das Seil rund 2,5 Tonnen trägt – das eigene Leben wiegt plötzlich unendlich viel, wenn der Befehl zum Rückwärts-Abseilen an einer 48 Meter hohen Staumauer kommt. Da braucht es viel Vertrauen: in sich selbst, in das Material, vor allem aber in die Kameraden, die einen sichern. „Solche Übungen schweißen eine Kompanie zusammen, und die meist jungen Soldaten lernen zudem viel über sich selbst und ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit“, sagt Major Bischoff, die als Kompaniechef der Fernmeldekompanie DSK die Leitung der nicht-alltäglichen Ausbildung hatte.

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An zwei Ausbildungstagen standen neben dem Abseilen von der Edersee-Staumauer für rund 60 Soldaten der beiden Kompanien aber noch zwei weitere Aufgaben an. Im Fokus dabei immer: das Überwinden von Hindernissen, für die kämpfende Truppe eine wichtige Grundfertigkeit, um auch in schwierigem Gelände in Bewegung bleiben zu können. Besonders das Überwinden von Gewässern gewinnt für die Bundeswehr wieder an Bedeutung. Was an Fähigkeiten weder in 20 Jahren Auslandseinsatz in Afghanistan noch zuletzt in Mali gefordert war – in europäischem Gelände für die Bündnis- und Landesverteidigung werden sie wieder wichtig.

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Bild 3: Das letzte Stück zum Anlanden ist möglichst geräuscharm zu bewältigen. (Foto: Bundeswehr/Engler)

Selbstüberwindung ist gefragt

Besonders anschaulich wurde dies beim Anblick der Soldaten, wie sie samt ihrer vorher zum Zeltbahnpaket verschnürten Ausrüstung durch den See schwammen. Das Gewehr obenauf. Zug um Zug. In „nur“ 18 Grad warmen Wasser. „Da gilt es für jeden, auch den inneren Schweinehund zu überwinden“, so Brigadegeneral Ullrich Werner Ott, stellvertretender Divisionskommandeur, der sich auch an der dritten Ausbildungsstation – dem Besetzen, Steuern und Anlanden mit dem Infanterieschlauchboot – zufrieden mit den gezeigten Leistungen zeigte.  Das erste Stück ging es mit den Booten zügig über den See. Dann mussten die Trupps aber auch so leise wie möglich per Paddelschlag ans gegenüberliegende Ufer, um dieses zu sichern.

Wertvolle zivil-militärische Zusammenarbeit

Während der beiden Tage stets an der Seite der DSK-Soldaten: die DLRG Waldeck. Mit den Rettungsschwimmern, die an ihrer Station im vergangenen Jahr ehrenamtlich über 17.000 Wachstunden am Edersee leisteten, ist die DSK schon lange freundschaftlich verbunden. Seit 1992 unterstützt die DLRG das jährliche Wasserspringen der Fallschirmjäger-Einheiten mit Schnellbooten, Rettungsschwimmern und Sanitätern – „ein besonders gelungenes Beispiel wertvoller zivil-militärischer Zusammenarbeit“, so Brigadegeneral Ott.

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Sonnig und doch „kühl“ – Mit dem Zeltbahnpaket durch den Edersee. (Foto: Bundeswehr/Leetz)

Und auch die DLRG profitiert von den jährlichen Bundeswehr-Übungen am Edersee. „Für uns ist das ein intensives Training, das wir so sonst nicht bekommen“, sagt DLRG-Stationsleiter Jochen Enders, und meint damit die Herausforderung, so viele Menschen auf einmal sicher im Blick zu behalten.

Christian Leetz