StartMobilitätEUBG 2025: Vorbereitung beginnt mit Verlegeübung

EUBG 2025: Vorbereitung beginnt mit Verlegeübung

Andre Forkert

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Marsch auf eigener Achse: Das Gebirgsjägerbataillon 231 verlegt als Gefechtsverband im Straßenmarsch von Bad Reichenhall ins Übungszentrum Infanterie in Hammelburg. Das bedeutet, mehr als 100 Gefechts- und Kraftfahrzeugen nehmen die „Reichenhaller Jager“ im Rahmen einer Verlegeübung zur Vorbereitung auf die European Union Battle Group 2025 (EUBG 2025) mit. Es ist der Beweis der hohen Einsatzbereitschaft. Diese ist für die Aufgabe EUBG 2025 auch notwendig.

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Eagle und Dingo sind die Gefechtsfahrzeuge der „Reichenhaller Jager“. (Foto: Gebirgsjägerbataillon 231)

Die European Union Battle Group

Die European Union Battle Group ist eines der wichtigsten Instrumente der Europäischen Union, wenn es im Bereich der Sicherheitspolitik um eine schnelle Reaktionsfähigkeit geht. Mit der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) verfügt die Europäische Union (EU) über die Möglichkeit, eigenständig komplementär zur NATO im Internationalen Krisenmanagement (IKM) zu handeln. Hierzu hält die EU mit den EUBGs kontinuierlich rotierend aus verschiedenen Mitgliedsstaaten zusammengestellte militärische Verbände vor, die im Rahmen der EU Rapid Deployment Capacity (EU RDC) mit einer Stärke von bis zu 5.000 Soldaten sowie Unterstützung z.B. durch Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge kurzfristig international eingesetzt werden können. Vergleichbar ist die EUBG zur NATO Response Force (NRF), nur eben auf europäischer Basis.

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Im Jahr 2025 wird Deutschland als Rahmennation einer EUBG das größte Kontingent an Truppen bereitstellen und unter Führung des militärischen EU-Hauptquartiers (Military Planning and Conduct Capability, MPCC) organisatorische Verantwortung für die insgesamt zehn weiteren Partnerstaaten übernehmen. Den Kern dazu stellen die Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“ aus Bad Reichenhall. Die Gebirgsjägerbrigade 23 ist ein hochleistungsfähiger, schnell verlegbarer und durchsetzungsfähiger Großverband im bayerischen Alpenraum. Durch die hohe Spezialisierung hat sie ein Alleinstellungsmerkmal im Deutschen Heer. Ihren Kern bilden drei Gebirgsjägerbataillone, die durch die spezialisierten Fähigkeiten der Gebirgsaufklärer, -versorger und -pioniere zu ihrem vollen Einsatzwert gelangen. Seit kurzem gehört die Brigade zur Division Schnelle Kräfte (DSK).

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Als Teil der Gebirgsjägerbrigade erfüllt das Gebirgsjägerbataillon 231 als leichter hochspezialisierter Verband auf- und abgesessen taktische Aufgaben in allen Intensitäten. Der Verband kämpft zeitlich und örtlich begrenzt gegen einen mindestens gleichwertigen, auch mechanisierten militärischen Gegner sowie asymmetrisch auftretende Kräfte, und wenn nötig abgesetzt oder in überdehnten Räumen. Ihre größte Wirkung entfalten die Soldatinnen und Soldaten dabei beim Einsatz unter extremen Klima- und Wetterbedingungen, im schwierigen bis extremen Gelände und in großen Höhen sowie großen Höhenunterschieden. Grundsätzlich sind die Gebirgsjäger auch luftlandefähig und damit über große Entfernungen verlegbar. Als einziger Verband der Gebirgsjägerbrigade 23 ist das Gebirgsjägerbataillon 231 mit den Fahrzeugen Dingo, Eagle und Enok ausgestattet.

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Abmarsch nach Hammelburg. Mehr als 100 Fahrzeuge setzen sich noch vor Sonnenaufgang im Straßenmarsch in Bewegung. (Foto: Gebirgsjägerbataillon 231)

Deutschland und die DSK – vertreten durch die Luftlandebrigade 1 – stellten zuletzt im 2. Halbjahr 2020 sowie Anfang 2021 für insgesamt neun Monate die EUBG, damals zusammen mit Kräften aus den Niederlanden, Österreich und Tschechien. Anders als bisher übernehmen die Kräfte den Auftrag aber nicht für sechs Monate, sondern gleich für ein ganzes Jahr. Wieder unterstützt werden die deutschen Kräfte durch den wichtigen Logistikanteil aus Österreich.

Zertifizierung im Herbst

Bevor die EUBG 2025 dann zum 1. Januar 2025 die Verantwortung übernimmt, wird sie im Spätherbst 2024 mit rund 1.500 Soldaten und Soldatinnen aus elf Nationen bei der Übung MILEX 24 auf dem deutschen Truppenübungsplatz Bergen typische Situationen des IKM trainieren. Die EU demonstriert damit ihre Fähigkeit, mit einem eigenen militärischen Hauptquartier – vertreten durch das Multinationale Kommando Operative Führung in Ulm – komplexe militärische Operationen mit schnellen Einsatzkräften interoperabel durchzuführen. Sie sendet damit auch ein wichtiges Signal der Handlungsfähigkeit als sicherheitspolitische Akteurin und der Möglichkeit, schnell auf internationale Konflikte und Krisen zu reagieren.

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Nach dem Marsch beziehen die Gebirgsjäger ihren neuen Verfügungsraum auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg. (Foto: Gebirgsjägerbataillon 231)

Durch den Beitrag als Rahmennation, Gastgeber der Übung und größter Truppensteller übernimmt Deutschland Verantwortung für die Sicherheit Europas über das Engagement in der NATO hinaus. Vor dem Hintergrund des internationalen Zeitgeschehens in der zweiten Jahreshälfte 2024, z.B. den US-Präsidentschaftswahlen am 5. November 2024, ist mit erhöhter Aufmerksamkeit für sicherheitspolitische Initiativen der EU zu rechnen.

Andre Forkert