Die japanischen Boden-Selbstverteidigungskräfte haben im Rahmen des Projekts Japan Wheeled Armored Personnel Carrier (WAPC) das erste Patria AMV XP 8×8-Fahrzeug in Empfang genommen. Die offizielle Übergabezeremonie erfolgte bereits am 2. September am Standort von Japan Steel Works (JSW) in Muroran auf Hokkaido. JSW wurde im August 2023 mit der inländischen Fertigung des Fahrzeugs beauftragt. Seither haben beide Unternehmen eng kooperiert, einschließlich Technologietransfers von Finnland nach Japan.
Japan hatte seit Dezember 2021 zwei AMV XP gegen ein ungenanntes einheimisches Fahrzeug für das WAPC-Programm getestet. Im Dezember 2022 fiel die Entscheidung für Patria. Im Rahmen des Programms ist die Beschaffung von insgesamt 810 Fahrzeugen geplant, von denen zunächst 82 bestellt wurden. Weitere 23 sind noch im Haushalt 2025 vorgesehen, womit sich die vergebenen Mittel bislang auf 73,1 Milliarden Yen (rund 417 Millionen Euro). Auch sind bereits 140 Motoren von Scania bestellt.
Japan ist neunter Nutzer des AMV
Nach Angaben von Patria ist Japan der neunte Nutzer des AMV. Die Originalversion wurde in den 1990er Jahren als Nachfolger für den Patria Sisu Pasi 6×6 in drei-, vier- und fünfachsigen Varianten entwickelt, wobei letztere nicht verwirklicht wurde. Die Masse liegt je nach Ausführung zwischen 16 und 35 Tonnen, kann frontal gegen panzerbrechende 30-mm-Geschosse geschützt werden und die Detonation von Minen bis zu zehn Kilogramm überstehen. Die Besatzung umfasst zwei oder drei, die Absitzstärke acht bis zwölf Mann. Für den Antrieb stehen Scania-Diesel mit 490 oder 550 PS zur Auswahl.
Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 100 km/h auf der Straße oder zehn km/h im Wasser bei einer Reichweite zwischen 600 und 1.000 Kilometern. 2003 bestellten die finnischen Streitkräfte 24 AMV mit dem 120-mm-Zwillingsmörserturm AMOS und später weitere 62 mit einer fernbedienten Waffenstation Protector von Kongsberg. Das Fahrzeug kann auch einen Turm mit Kanonen im Kaliber bis zu 105 mm tragen. 2014 kündigte Patria die verbesserte Version XP für „Extra Payload, Extra Performance and Extra Protection“ an.
Größter Nutzer der Familie ist Polen, das 2003 eine erste Bestellung von 690 und 2013 eine für weitere 307 unter der Bezeichnung KTO Rosomak (Vielfraß) aufgab. Seit 2017 erfolgte die Produktion vollständig im Inland. Die Fahrzeuge werden in verschiedenen Varianten unter anderem als Radschützenpanzer mit italienischem 30-mm-Turm Hitfist sowie als Mörserträger genutzt und kamen auch in Afghanistan zum Einsatz. Andere Nutzer und Interessenten sind oder waren Kroatien, Nord-Mazedonien, Schweden, Slowenien, Süfafrika, die Tschechische Republik und die Vereinigten Arabische Emirate.
Stefan Axel Boes




