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Das U.S. Special Operations Command (USSOCOM) hat einen Folgeauftrag in Höhe von 48,9 Millionen US-Dollar an General Dynamics Ordnance and Tactical Systems (GD-OTS) für die Produktion des Ground Mobility Vehicle (GMV) 1.1 vergeben.

Der erste GMV 1.1 wurde 2015 an USSOCOM übergeben. Der ursprüngliche Beschaffungsplan sah die Lieferung von 1.297 Fahrzeugen bis August 2020 vor. Damit liegt jetzt das Gesamtvolumen aller Verträge für das GMV 1.1 jetzt bei 613.850.752 US-Dollar und die Laufzeit bei zwei zusätzlichen Jahren und damit bei einem Gesamtleistungszeitraum von neun Jahren.

Die Produktion der neuen Fahrzeuge findet in Anniston, Alabama (USA) statt und die Auslieferung soll bis August 2022 abgeschlossen sein. GD-OTS hatte das Fahrzeug unter dem Eigennamen Flyer72 entwickelt und angeboten. Die U.S. Army hatte ursprünglich das Programm als Ultra Light Combat Vehicle (ULCV) gestartet und im März 2015 in GMV umbenannt.

Das Fahrzeug

Laut Hersteller ermöglicht das GMV 1.1 den Airborne Infantry Combat Teams (deutsch: Luftlande-Infanterie-Einsatzgruppe) Luftlande- und luftbewegliche Operationen. Das offene Design des Fahrzeugs erlaubt unterschiedlichste Missionsrollen und kann so vielfach modifiziert werden. So kann es wie ein Bausatz mit bemannten und unbemannten (ferngesteuerten) Türmen, Zusatz-Panzerung oder arktischen Rüstsätzen ausgestattet werden. Immer unter der Prämisse, dass die Streitkräfte dafür einen entsprechenden Bedarf anmelden und gegebenenfalls die Rüstsätze entwickeln.

Das Fahrzeug kann optional um Schutzelemente erweitert werden. (Foto: GD-OTS)

Das 5,33 Meter lange Fahrzeug hat ein Leergewicht von 3.100 kg. Die Nutzlastkapazität ist auf 2.800 kg ausgelegt. Zu den Ausrüstungsmerkmalen gehört ein integrierter Überrollkäfig, externe Staukästen an allen vier Fahrgasttüren, die sowohl die Lagerkapazität erhöhen als auch zum Insassenschutz (Ballistik- und Explosionsschutz) beitragen. Die Standardbewaffnung umfasst eine zentrale Ringlafette für die Aufnahme eines schweren Maschinengewehrs, einer 7,62-mm-Minigun oder einer 40-mm-Granatmaschinenwaffe.

Zu den Mobilitätseigenschaften des Fahrzeugs gehört die Fähigkeit, eine Steigung von 60% zu überwinden und eine dynamische Seitenneigung von 40 Grad zu bewältigen. Die Höchstgeschwindigkeit auf der Straße liegt bei 120 km/h, mit einer Reichweite von fast 500 km (abhängig vom Einsatzprofil). Das GMV 1.1 kann als Innenlast in taktischen Transportflugzeugen und Hubschraubern transportiert werden. Ein einzelnes Fahrzeug kann auch als Außenlast von einem UH-60 Blackhawk transportiert werden.

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Das GMV 1.1 ist nach Angaben der U.S. Army so konstruiert, dass es mittels Lastenfallschirmen bis zu sechsmal abgeworfen werden kann. (Foto: U.S. Army)

Das USSOCOM plant, den GMV 1.1 weiterzuentwickeln. Von besonderem Interesse ist die Einführung eines Hybrid-Antriebssystems, das es den Soldaten ermöglichen würde, bei Annäherung an ein Ziel auf Elektroantrieb umzuschalten. Dies würde mehrere technische und taktische Verbesserungen mit sich bringen. So ermöglicht der Elektroantrieb die Fortbewegung mit einer deutlich geringeren Geräschsignatur bzw. die größere Batterie einen längeren Betrieb der Beobachtungs- und Kommunikationsgeräte mit abgeschaltetem Motor. Hinzu kommt eine erhöhte Spurtfähigkeit, weil der Motor – anders als beim Verbrennungsmotor – auch im Stand über das volle Drehmoment verfügt.

Fähigkeitsforderungen der U.S. Army

Neben dem USSOCOM wird das Fahrzeug auch in ausgewählten Infanterieverbänden der U.S. Army genutzt. Die Konfiguration der GMV 1.1 Fahrzeuge der U.S. Army und des USSOCOM unterscheiden sich, da das US-Heer das GMV 1.1 aus Gewichtseinsparungserwägungen auf das Basis-Fahrzeug reduziert hat. In dieser Ausführung finden bis zu neun Soldaten Platz in dem Fahrzeug. Während die U.S. Army das Fahrzeug für mittlere Entfernungen einsetzen will, nutzt das USSOCOM es als weitreichendes Aufklärungsfahrzeug.

Das GMV 1.1 ist nach Angaben der U.S. Army so konstruiert, dass es mittels Lastenfallschirmen bis zu sechsmal abgeworfen werden kann. (Foto: U.S. Army)

Das Fahrzeug soll die Mobilität der Infanteriebrigaden der U.S. Army erhöhen. Es ist mit Lastenschirmen abwerfbar, oder als Innen- und Außenlast durch die Standard-Hubschrauber der U.S. Army transportierbar. Im Bereich Schutz wurde ein ausreichender (adaptiver) Schutz gegen Hinterhalte und Improvised Explosive Devices (IEDs), ein Unterbodenminenschutz sowie Überrollfähigkeit gefordert. Bei vollem Schutz reduziert sich die Mitnahme auf sechs Soldaten. Das Schutz-Paket (Seiten- und Türenschutz) des Fahrzeugs liefert TenCate Advanced Armor.

Das GMV 1.1 kann als Innenlast in taktischen Transportflugzeugen und Hubschraubern transportiert werden. (Foto: U.S. Army / Staff Sgt. Jacob Sawyer)

Hinzu kommt eine ausgezeichnete vertikale Klettermobilität, die von der leichten Infanterie gewünscht wird. Als erwartbare Einsatzumgebung wurde angegeben: 10 % Hauptstraßen, 10 % Nebenstraßen, 75 % Gelände und 5 % in urbanem Gelände. Die Reichweite (ohne Zusatztanks) sollte mindestens 250 bis 300 Meilen betragen. Es musste in der Lage sein, neun Soldaten mit voller Ausrüstung aufzunehmen, mit einem Gesamtgewicht von rund 1.450 kg. Zwischenzeitlich wurde auch überlegt, diese Forderung auf zwei Fahrzeuge mit jeweils fünf Sitzen abzuändern. Wichtig war auch, dass es ein Military-of-the-shelf Produkt war, ohne langjähriges Entwicklungsrisiko.

Das GMV 1.1 bietet einer neunköpfigen Infanteriegruppe der Infanteriebrigaden (IBCT) mit der dazugehörigen Ausrüstung Platz und sorgt für eine verbesserte taktische Mobilität. Damit wird den Kommandeuren die Möglichkeit zur schnellen Schwerpunktverlegung gegeben. Dank Bewaffnung und Schutz sind Einsätze und Anfangsoperationen in friedlichen sowie in feindlichen Umgebungen möglich.

André Forkert