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Die C-130 feierte jüngst ihr 66stes Jubiläum. Am 23. August 1954 fand der Erstflug des Transportflugzeugs C-130 Hercules des US-Herstellers Lockheed Martin statt. Beginnend 2021 werden sechs C-130J, die neueste Version des einsatzbewährten Flugzeuges, den taktischen Lufttransport sowie Einsätze zum Schutz von deutschen Staatsbürgern (im Rahmen des Nationalen Krisen- und Risikomanagements) und die Unterstützung von Spezialkräfte-Operationen der Bundeswehr sicherstellen.

Historie

Die C-130 Hercules ist ein viermotoriges Turboprop-Militärtransportflugzeug, das ursprünglich von Lockheed, heute Lockheed Martin, entworfen und seit 1956 in einer Stückzahl von über 2.500 Maschinen gebaut wurde und immer noch hergestellt wird. Mit dem Auslieferungsbeginn der neusten Version, der C-130J Super Hercules, seit 1999, handelt es sich bei der C-130 um das am längsten produzierte Flugzeug in der Geschichte.

Seit dem Erstflug wurden für die weltweit über 70 Nutzerstaaten über 40 unterschiedliche Modelle und Varianten der Hercules gebaut und geliefert. Während ihrer Dienstjahre hat die Hercules-Familie an zahlreichen militärischen, zivilen und humanitären Hilfsoperationen rund um den Globus teilgenommen.

Die C-130 ist in der Lage, unvorbereitete Start- und Landebahnen zu nutzen und wurde ursprünglich als Truppen-, Sanitäts- und Frachttransportflugzeug konzipiert. In der Zwischenzeit wird das vielseitige Luftfahrzeug in einer Vielzahl anderer Funktionen eingesetzt, unter anderem als Lockheed AC-130 Gunship zur Luftnahunterstützung durch seitwärts wirkende Rohrwaffen, für Such- und Rettungseinsätze, wissenschaftliche Forschungsunterstützung, Wetteraufklärung, Luftbetankung, Seepatrouille und Feuerbekämpfung aus der Luft. Das Flugzeug bildet heute das Rückgrat des taktischen Lufttransports vieler Streitkräfte weltweit. Die aktuelle modernste Variante, die C-130J Super Hercules, wird bereits in über 18 Ländern genutzt. Die J kann bis zu 92 Passagiere (128 bei der C-130J-30), 64 Fallschirmjäger (92 bei C-130J-30), 6 Paletten Ladung (8 Paletten bei C-130J-30), 74 Liegen für Verwundete (97 Liegen bei C-130J-30) oder ein bis drei Fahrzeuge je nach Größe und Gewicht als Innenlast aufnehmen. Das Nutzlastgewicht liegt bei rund 19.000 kg.

C-130J in der Bundeswehr

In Deutschland wurde das Projekt auch als „Kleine Fläche“ bezeichnet. Diese Fähigkeitslücke entsteht dadurch, dass die Zahl der C-160 Transall nach und nach verringert wird. Obwohl die Luftwaffe mit der A400M mittlerweile über umfassende Lufttransportfähigkeiten verfügt, zeichnete es sich ab, dass es insbesondere im geschützten taktischen Lufttransport bei der Nutzung von Flugplätzen mit geringer Infrastruktur bzw. einfachen unbefestigten Pisten sowie im Bereich der Luftbetankung von Helikoptern eine Fähigkeitslücke geben wird.

Zur Schließung dieser Fähigkeitslücke entsteht zurzeit eine Kooperation mit Frankreich im taktischen Lufttransport. Am 15. Februar 2017 wurde dazu ein sogenanntes Declaration of Intent – Absichtserklärung zum Aufbau einer gemeinsamen Lufttransportstaffel mit dem Luftfahrzeugmuster C-130J Hercules in Evreux, Frankreich – zwischen dem Bundesministerium für Verteidigung und dem französischen Pendant unterzeichnet. Am 18. Oktober 2017 unterzeichnete der Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, Vizeadmiral Joachim Rühle, und sein französischer Amtskollege, Admiral Philippe Coindreau, ein Grundlagendokument zwischen Deutschland und Frankreich, welches weitere Details der künftigen Kooperation bei diesem Projekt festlegte.

Am 15. Januar 2018 hat Lockheed Martin die erste Maschine des Typs C-130J an Frankreich ausgeliefert. Im Mai 2018 genehmigte das US-Außenministerium den Verkauf von sechs taktischen Transportflugzeugen vom Typ C-130 an die Luftwaffe. Ab 2021 wollen Deutschland und Frankreich insgesamt zehn Flugzeuge dieses Typs von der Évreux-Fauville Air Base in Frankreich aus gemeinsam betreiben. Vorgesehen sind gemeinsame Cockpitbesatzungen ebenso wie gemischte Bodenmannschaften. Die erste deutsche Maschine soll 2021 zulaufen. Beide Länder wollen die Flotte gemeinsam nutzen, dabei hat Frankreich zwei C-130J-30 und zwei KC-130J (Tankervariante) bestellt, Deutschland jeweils drei. Die Reichweite der J wird mit rund 3.300 Kilometer angegeben.

Die Hercules im Spezialkräfte-Einsatz

Die C-130 und C-130J wird auch in Versionen für die Unterstützung von Spezialkräften angeboten. Je nach Nation gibt es dann eigene Bezeichnungen, zum Beispiel C-130J-SOF (Special Operation Forces). Eine speziell für die Bedürfnisse von Spezialkräften entwickelte Variante des Flugzeugs wurde erstmals im Vietnam-Krieg eingesetzt.

Einer der bekanntesten erfolgreichen Spezialkräfteeinsätze mit der C-130 erfolgte im Rahmen der Operation „Donnerschlag“ bzw. „Yonatan“, bei der im Juli 1976 israelische Spezialkräfte insgesamt 102 Geiseln aus den Händen deutscher und palästinensischer Terroristen befreit haben. Im Rahmen dieser am 4. Juli 1976 durchgeführten Kommandoaktion wurden vier Maschinen der israelischen Luftwaffe (dort als “Karnaf” bezeichnet) beim Angriff und der Geiselbefreiung auf den Flughafen von Entebbe, Uganda, eingesetzt. Die vier Maschinen – wobei einige fast leer flogen, um anschließend die Geiseln aufzunehmen – transportierten 100 Kommando-Soldaten über 4.000 Kilometer weit, um mitternachts in Entebbe zuzuschlagen. Die Kommando-Aktion dauerte nur 90 Minuten, bei der von den 106 Geiseln 102 gerettet werden konnten. Neben drei toten Geiseln am Flughafen kam auch der Kommandeur der israelischen Spezialkräfte ums Leben. Weitere fünf Soldaten wurden verletzt.

Im Rahmen der Pariser Luftfahrtausstellung im Juni 2017 stellte Lockheed Martin die zehnte Variante des Transportflugzeugs C-130J „Super Hercules“ vor. Die als C-130J-SOF bezeichnete Variante ist für den Export vorgesehen und wurde gezielt auf die Bedürfnisse der Spezialkräfte ausgerichtet.

In der Basisform ist die C-130J-SOF für unbewaffnete Sondereinsätze geeignet, einschließlich verdeckte Infiltration/Exfiltration/S&R, Evakuierung von Zivilisten aus Krisengebieten, humanitäre Einsätze in infrastrukturarmen Regionen, Versorgung von Spezialkräften aus der Luft, Aufklärung und Überwachung, psychologische Kriegsführung.

Ein Rüstsatz wird angeboten, um das Flugzeug als Gunship zu konfigurieren (30-mm-Kanone, Hellfire-Raketen). Ein weiterer Rüstsatz ermöglicht die Verwendung der C-130J-SOF als Tanker für Hubschrauber und Jagdflugzeuge. Der Basispreis soll laut Lockheed Martin bei zirka 75 Millionen US-Dollar liegen. Mit Rüstsätzen kann der Preis 85 Millionen oder mehr betragen. Der Kauf dieser Maschinen bedarf der vorherigen Zustimmung durch die US-Regierung.

Das United States Air Force Special Operations Command (AFSOC) setzt 16 AC-130J Ghostrider zur Luftnahunterstützung von Spezialkräfteeinsätzen ein. Die Bewaffnung besteht aus einer 105-mm-Haubitze, einer 30-mm-Maschinenkanone und weiteren Effektorben wie der Luft-Boden-Rakete AGM-176 Griffin und der Gleitbombe GBU-44 Viper Strike. (Video: DoD / Honey Shewbert)

André Forkert