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Das spanische Verteidigungsministerium vergab heute einen Auftrag für die Herstellung, Lieferung, Wartung und Vermarktung von 348 Dragón Gefechtsfahrzeugen in Höhe von 1,74 Milliarden Euro. Als Vertragspartner diente neben einem Joint Venture von General Dynamics European Land Systems-Santa Bárbara Sistemas (GDELS-SBS) drei weiteren Unternehmen. Der GDELS-SBS-Vertragsanteil beläuft sich auf eine Summe in Höhe von 733 Millionen Euro, dies gab das Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt. Die 348 Fahrzeuge sollen über einen Zeitraum von sieben Jahren ausgeliefert werden. Es wird erwartet, dass das Dragón-Programm zukünftig insgesamt rund 1.000 Fahrzeuge umfassen wird.

Das spanische Dragón-Programm sieht 8×8 Kampfahrzeuge (Vehiculo de Combate sobra Ruedas, VCR) in 13 verschiedenen Konfigurationen (Kampf, Aufklärung, Bergung, Pionierkampf, Kommando, Panzerabwehr und Artilleriebeobachtung; vier davon in Versionen für unterschiedliche Führungsebenen) vor, einschließlich der jeweiligen Komponenten von Missionssystemen (Bewaffnung, Schutzelemente, Sensoren, Kommunikations- und Führungssysteme) sowie Produkte für die logistische Unterstützung. Für das zweite Los mit 365 Fahrzeugen ist die Bestellung für 2022 terminiert, während für das dritte Los mit 287 Fahrzeugen noch kein Zeitplan bekannt ist.

Historie

Die spanischen Streitkräfte haben bereits vor geraumer Zeit den Piranha 5 – in Spanien als Dragón bezeichnet – von General Dynamics European Landsystems (GDELS) als Lösung für die zukünftige 8×8 Fahrzeugfamilie ausgewählt. Ein erster Wettbewerb für die Nachfolge der veralteten spanischen mittleren geschützten Radfahrzeuge hatte bereits im vergangenen Jahr den Piranha 5 zum Ergebnis, wurde allerdings im Dezember 2019 gestoppt. Es kam zu einer erneuten Ausschreibung mit dem Dragón als erneutem Sieger.

Ursprünglich sollten im ersten Los werden 348 Piranha 5 in 13 verschiedenen Konfigurationen beschafft, einschließlich der jeweiligen Komponenten von Missionssystemen (Bewaffnung, Schutzelemente, Sensoren, Kommunikations- und Führungssysteme) sowie Produkte für die logistische Unterstützung. Die Auslieferung sollte bis 2022 erfolgen, dieser Zeitplan könnte sich nun nach hinten verschieben.

Hauptauftragnehmer ist Santa Bárbara Sistemas, die spanische Niederlassung von GDELS, das die Fahrzeuge zusammen mit Indra und SAPA herstellen wird.

Der Dragón wiegt je nach Ausstattung über 33 Tonnen. Bei 8,00 m Länge, 2,99 m Breite und 2,34 m Höhe können in der geschützten Kabine bis zu acht Soldaten transportiert werden, zuzüglich zur dreiköpfigen Stammbesatzung.

Das modulare Schutzsystem in Verbindung mit energieabsorbierenden Sitz- und Rückhaltesystemen bietet Schutz gegen Minen, improvisierte Sprengmittel und ballistische Bedrohungen. Das Schutzlevel ist nicht näher spezifiziert. GDELS bietet standardmäßig Level 4 nach STANAG 4569, optional bis Level 5.

Kern der Mobilität ist der in Lizenz von SAPA produzierte 480 kW-Dieselmotor DC 13 von Scania, dessen Leistung über ein automatisches SW624-Getriebe von SAPA auf acht gelenkte Räder mit höhenverstellbarer, hydropneumatischer McPherson Fahrwerkstechnologie geleitet wird. Für die dauernde Versorgung mit elektrischer Energie ist ein 75 kW-Hilfsaggregat installiert. Der Fahrbereich ist mit 1.000 km angegeben, die Höchstgeschwindigkeit mit 100 km/h.

Zu den untersuchten Varianten des Dragón gehören Infanteriekampffahrzeug und Führungsfahrzeuge mit 30-mm-Kanone, Pionierfahrzeug mit fernbedienbarer Waffenstation und Artilleriebeobachter mit elevierbarer Beobachtungsplattform.

Mit den Dragón soll die veraltete Fahrzeugflotte der mittleren geschützten Radfahrzeuge (Blindado Medio sobre Ruedas, BMR), zu der u.a. die 6×6 Pegaso, 4×4 LMV, 4×4 RG-31 und auch die Kettenfahrzeuge M113 gehören, mit einem einzigen, modularen Fahrzeug auf Basis einer offenen Architektur ersetzt werden.

Dorothee Frank und Gerhard Heiming