Print Friendly, PDF & Email

Die FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH (FFG) zeigt erstmalig den Vollhybrid Technologie-Demonstrator „Genesis“. Der Genesis ist der erste 8×8 Radpanzer mit Vollhybrid-Antrieb, Einzelraddrehzahlsteuerung und Rekuperation. Das ausgestellte Fahrzeug ist Unternehmensangaben nach fahrtechnisch voll funktionsfähig. Lediglich der 30-mm-Turm von Kongsberg ist zwar montiert aber aus zeitlichen Gründen noch nicht angeschlossen worden.

Die Präsentation erfolgte im Zusammenhang mit einer begleitenden Ausstellung auf dem Förderkreis Heer Symposium „Aktuelle Herausforderungen und Perspektiven des wehrtechnischen Mittelstands als Motor für Fähigkeitserhalt und Technologieinnovation“ (22. 09. – 23.09.2020) auf dem FFG Firmengelände in Flensburg. Die ursprünglich auf der Eurosatory 2020 geplante Weltpremiere musste aufgrund der Corona-bedingten Absage verschoben werden.

Mit der Präsentation des komplett eigenfinanzierten Forschungsprojektes beabsichtigte die FFG eine Vorstellung des aktuell im Unternehmen vorhandenen Know-Hows in den Bereichen Antriebstechnik, Softwareentwicklung und Elektronik, um sich als technologischer Anbieter für die Nachfolge des zukünftige Aufklärungsfahrzeuges (Fennek-Nachfolger) oder des Main Ground Combat Systems (MGCS) zu positionieren. Die Entwicklung des Demonstrators wurde seitens FFG vor zwei Jahren begonnen.

Das Fahrzeug

Der Genesis basiert auf einem dem Boxer ähnlichen modularen Konzept aus getrenntem Fahr- und Missionsmodul.

Der Antrieb des Fahrmoduls erfolgt Diesel-elektrisch und hat eine installierte Gesamtleistung von 1.368 kW. Das Dieselaggregat dient lediglich der Stromerzeugung für den ebenfalls im vorderen Teil des Fahrzeuges sitzenden elektrischen Speicher. Die dort gespeicherte elektrische Energie dient dafür die acht in den Achsen liegenden Elektromotoren anzutreiben, die wiederum über einzelne Antriebswellen bis zu 15.622 Nm Drehmoment auf die einzelnen Räder übertragen. Das Herzstück des Antriebs ist die vollelektrische Drive by Wire Steuerung des Fahrzeuges. Es gibt keine physische Verbindung zwischen den Steuerelementen des Fahrers und den Rädern. Das dafür notwendige Know-How wurde ebenfalls durch die FFG eigene Softwareabteilung entwickelt. Die Lenkung des Fahrzeuges erfolgt ähnlich einem Kettenfahrzeug durch Regulierung des Drehmomentes der einzelnen Räder. Die Technologie ist nach FFG-Aussagen voll skalierbar und auch in der Anwendung für 4×4 bzw. 6×6 Fahrzeuge geeignet. Sollten einzelne Motoren oder Räder ausfallen, können diese auf Leerlauf gestellt werden, so dass das Fahrzeug weiter seinen Auftrag fortsetzen kann.

Mit der Präsentation des komplett eigenfinanzierten Forschungsprojektes beabsichtigte die FFG eine Vorstellung des aktuell im Unternehmen vorhandenen Know-Hows in den Bereichen Antriebstechnik, Softwareentwicklung und Elektronik, um sich als technologischer Anbieter für die Nachfolge des zukünftige Aufklärungsfahrzeuges (Fennek-Nachfolger) oder des Main Ground Combat Systems (MGCS) zu positionieren. (Fotos: Waldemar Geiger)

Da der Antriebsstrang komplett ohne Getriebe und Lenkelemente verfügt, entfallen Kosten für Anschaffung und Wartung dieser für den konventionellen Antrieb notwendiger Baugruppen. Der Diesel-elektrische Antrieb bietet weitere Vorteile. Er ermöglicht ein geräuschloses Fahren oder den Betrieb der Beobachtungs- und Kommunikationsgeräte mit abgeschaltetem Motor (Silent Watch). In diesem Fall würden die nur bei bestimmten Temperaturen notwendige Lüftung und die Fahrgeräusche der Reifen verräterische Geräuschquellen darstellen, die jedoch deutlich unterhalb eines konventionellen Antriebes liegen. Hinzu kommt eine hohe Spurtfähigkeit, weil der Elektromotor – anders als beim Verbrennungsmotor – auch im Stand über das volle Drehmoment verfügt. Gleichzeitig können Elektrofahrzeuge als „Stromtankstellen“ dienen.

Um die Besatzung des Fahrzeuges auch bei auftretenden Gefechtsschäden vor schädlichen elektrischen Gefahren zu schützen wurden mehrere Sicherheitsfeatures implementiert, die die elektrischen Verbindungen zwischen Fahrzeugwanne und elektrischem Speicher trennen.

Der modulare Aufbau des Fahrzeuges erlaubt es relativ einfach unterschiedlichste Missionskonfigurationen über autarke Missionsmodule zu implementieren. Das ausgestellte Modul zeigte eine Rad-Schützenpanzer-Version mit einem unbemannten 30-mm-Turm von Kongsberg samt Kampfraum für bis zu zehn Infanteristen.

Technische Daten Genesis
Besatzung 2 + X
Länge 8,25 m
Breite 2,25 m
Höhe 2,40 m
Gewicht (inkl. Modul) 40 t
Motorleistung 1.368 kW
Peak Drehmoment 15.622 Nm / Rad
Geschwindigkeit > 100 km/h
Steigfähigkeit 60% / 30%
Reichweite 150 km bei 40 km/h (elektrisch)
Marschreichweite 600 km bei 60 km/h (Diesel-elektirsch)

 

FFG beabsichtigt nun den Genesis ausgiebigen Tests zu unterziehen und dadurch weitere Erkenntnisse für das Fahrzeugdesign potentieller zukünftiger Gefechtsfahrzeuge zu sammeln.

Waldemar Geiger