Print Friendly, PDF & Email

Ab 2021 sollen die ersten Kräfte der U.S. Army und des U.S. Marine Corps (USMC) mit der sogenannten „Alleskönner-Brille“ (Do-it-all Goggle) ausgerüstet werden. Die ersten gehärteten Prototypen durchlaufen seit Anfang des Monats erste Feldtests auf Kompanie-Ebene. Derzeit ist eine Beschaffung von 40.000 Stück angedacht.

Das Integrated Visual Augmentation System (IVAS) ist ein Versuch, die vernetzte Welt eines Kampfpiloten in das Sichtbild eines Infanteristen oder Marines zu bringen. Bei den Feldtests in Fort Pickett, Virginia, wird eine Kompanie mit der Aufgabe betraut, nachts Grabenkämpfe zu führen. Eine anspruchsvolle und potentiell gefährliche Aufgabe. Nach dem Feldtest in Virginia folgt unmittelbar die Evaluierung bei kaltem Wetter in Alaska. Darauf folgt noch die heiß-feucht-Erprobung (Dschungel) in Puerto Rico oder Panama. Sollten die ersten Tests erfolgreich sein, werden bis zu 1.600 Systeme für alle folgenden Tests benötigt.

Neben der Nachtsichtfähigkeit, der Einspielung von Informationen, einem deutlich besseren Situationsbewusstsein und die Unterstützung durch Künstliche Intelligenz (KI) soll das Gerät auch den Zustand des Soldaten überwachen, einschließlich Hydratation, Ermüdung, Stress und Körpertemperatur.

Ein zusätzliches, bisher noch nicht im Detail besprochenes Merkmal ist die Ergänzung durch den Soldier Borne Sensor, eine mit IVAS gesteuerte Mikrodrohne. Die Soldaten werden in der Lage sein, aus der Sicht der Drohne zu sehen, während diese Aufklärungsflüge durchführt. Die Drohne kommt praktisch aus der „2nd line of gear“.

Ein weiterer Test wird die Verbindung mit den Family of Weapons Sights-Individual (FWS-I) Waffenoptiken untersuchen. Hierbei geht es auch darum, durch Rauch hindurchsehen und kämpfen zu können. Die 82. Luftlandedivision wird das Gerät bald erhalten. Eine Einheit auf Hawaii und eine in Korea haben es bereits. Mit FWS-I treffen durchschnittliche Schützen jedes Ziel auf 800 bis 900 Metern, so die U.S. Army. Auch ist eine schnellere Zielerfassung möglich. Es soll die ältere PVS-14 ersetzen und bessere Leistungen in Bezug auf Reichweiten, hochauflösende und schärfere Bilder sowie Wärmeabtastung bieten.

Es wird erwartet, dass das Gerät ein Sichtfeld von 80 mal 40 Grad haben wird, und es ist geplant, dass die Software auch Gesichtserkennung und Textübersetzung ermöglicht. Dank KI soll es Menschen automatisch erkennen und verschiedene Sprachen ins Englische übersetzen.

Ein weiteres Schlüsselmerkmal ist die Navigation, so ist ein digitaler Kompass sowie digitale 3D-Kartendarstellungen ein fester Bestandteil der IVAS. Soldaten können die eigenen und feindlichen Standorte auf dieser virtuellen Karte markieren und die Daten innerhalb ihrer Gruppe, Zuges oder Kompanie teilen. Auch eine Aufzeichnungsoption für Training und Ausbildung ist integriert.

Das System umfasst die Brille, einen am Körper getragenen Computer sowie drei tragbare und austauschbare Batterien pro Soldat. Das Netzwerk verwendet ein Funkgerät pro Soldat und eine taktische Cloud pro Kompanie. Seit Anfang 2019 wurde das Design und die Software zusammen mit Microsoft verbessert. Als Startpunkt wurde dabei die Microsoft Virtual-Reality HoloLens-Brille genutzt. Bislang wurden mehr als 25 Tests mit über 1.000 Teilnehmern durchgeführt. In Fort Pickett soll jetzt die gehärtete Version einen 72-stündigen Einsatz in Kompaniestärke durchlaufen.

Bislang wurde die Brille durch Mitglieder der U.S.  Army Special Forces, U.S. Army Ranger und Soldaten der 25. Infantriedivision, der 10. Gebirgsdivision und der 82. Luflandedivision sowie der US-Marines getestet.

André Forkert