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In einer modernen Gesellschaft ist der Kampf um leistungsfähigen Nachwuchs für die Streitkräfte eine herausfordernde Aufgabe. Dabei geht es auch darum, Begeisterung für einen Beruf zu wecken, mit dem viele Menschen heute nichts mehr anfangen können. Zahlreiche Bewerber scheitern an den für den Dienst notwendigen psychischen und physischen Ansprüchen. Geht es um den Nachwuchs bei Spezialkräften, verengt sich die Auswahl noch einmal deutlich.  Die niederländischen Streitkräfte gehen jetzt einen neuen Weg, der von Erfolg gekrönt sein könnte. Denn die Zahl der Bewerbungen für das „Korps Commandotroepen (KCT)“, so der Name des Spezialkräfteverbandes des niederländischen Heeres, ist stark gestiegen.

Das niederländische Verteidigungsministerium sieht die erst kürzlich ausgestrahlte Fernsehserie „Kamp van Koningsbrugge“ als ursächlich für den Bewerberanstieg an. Nach Angaben des Ministeriums bewarben sich in den Monaten vor der Ausstrahlung der Sendung durchschnittlich ein bis zwei Männer pro Tag für den Dienst im KCT. Derzeit gibt es vier bis sieben Bewerber pro Tag.

„Die Quantität sagt nichts über die Qualität aus, aber es wird zweifellos neue Kommandosoldaten geben. Wir sind damit zufrieden“, sagt Major Bart de Graaff, der im Auftrag des Verteidigungsministeriums am Camp van Koningsbrugge beteiligt ist. Die Serie folgt 15 durchschnittlichen Zivilisten, die Elemente der Auswahl und des Trainings für das Kommando über sich ergehen lassen.

Verteidigungs-Staatssekretärin Barbara Visser beobachtet, dass das Interesse an den gesamten Streitkräften steigt, auch aufgrund des Programms. So sagt sie beispielsweise laut einem Artikel der Tageszeitung De Telegraaf, dass die Zahl der Informationsabfragen über die Webseite des Ministeriums in diesem Jahr um 7,7 Prozent gestiegen sei. Das Interesse stelle dabei den ersten Schritt im Bewerbungsprozess dar. „Wir versuchen, den Kamp van Koningsbrugge-Effekt noch stärker zu nutzen. Wenn die Leute die Auswahl nicht schaffen, werden sie auf andere Möglichkeiten innerhalb des Verteidigungsministeriums aufmerksam gemacht“, lässt sie sich in der Zeitung zitieren. Offenbar erwartet das Ministerium auch einen positiven Effekt jenseits der spezialkräftespezifischen Personalgewinnung.

Auch die Bundeswehr versucht, ähnliche Wege zu gehen, bisher aber fast ausschließlich über den YouTube-Kanal „Bundeswehr Exklusiv“. In den letzten Jahren wurden dazu mehrere Miniserien produziert und ausgestrahlt, die einzelne Ausbildungsabschnitte – wie die Grundausbildung und den Springerlehrgang –  oder Verbände oder Soldaten im Einsatz begleiten. So hat beispielsweise 2018 Zivilist Robert Marc Lehmann das Kommando Spezialkräfte in einer 20 Folgen umfassenden Miniserie bei Auswahl, Übungen und Ausbildung begleitet. Welchen Effekt die einzelnen Bundeswehr-Serien auf die Bewerberlage hatten, wurde jedoch nicht bekanntgegeben.

André Forkert