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Wie die U.S. Army am 12. Dezember auf ihrer offiziellen Website bekannt gab, haben die Ingenieure des Picatinny Arsenals in New Jersey, USA, einen zusammenklappbaren ballistischen Schutz für Fahrzeugschützen entwickelt. Das Picatinny Arsenal ist ein Standort der United States Army und wurde 1880 gegründet. Heute vor allem durch die dort entwickelte Picatinny-Schiene für Handfeuerwaffen bekannt. Auch die 40 mm-Granate wurde Anfang der 1950er Jahre dort entwickelt.

Der neue Schützenschutzturm – am ehesten mit der deutschen Bezeichnung „Krähennest“ zu vergleichen – lässt sich schnell auf eine reduzierte Höhe zusammenklappen, und erleichtert so den Nutzern den Transport von mit dem Turm ausgerüsteten Fahrzeugen in einer Reihe von Einsatzszenarien. Weil der Turm sich durch eine Vielseitigkeit und Kompaktheit auszeichnet, vergleichen die Entwickler ihn mit den „Transformer“-Filmen, in denen Roboter gezeigt werden, die sich in gewöhnliche Maschinen, wie z. B. Fahrzeuge, verwandeln können.

In seiner reduzierten, eingeklappten Konfiguration ermöglicht der neue Turm einen effizienteren Transport an Bord von Marineschiffen, Flugzeugen und Bahnwaggons. Der als Reducible Height Gunner Protection Kit (RHGPK) bezeichnete Turm lässt sich schnell auf fast ein Drittel seiner ursprünglichen Höhe zusammenklappen und ermöglicht so eine ausreichende Bewegungsfreiheit auf engen Transportdecks, so die U.S. Army.

Darüber hinaus ist die Reduzierbarkeit ideal für begrenzte Decksflächen an Bord von amphibischen Transportdocks der U.S. Navy und des U.S. Marine Corps, ohne dass das RHGPK vom Trägerfahrzeug entfernt werden muss. Der neue Turm wird derzeit seitens des Marine Corps System Command auf der Heavy Guns Carrier (HGC)-Variante Joint Light Tactical Vehicle (JLTV) getestet und bewertet.

Ein Geschützturm wird aufgrund seiner inhärenten undurchsichtigen und transparenten Panzerung typischerweise als defensives Waffensystem betrachtet, das so konfiguriert ist, dass der Schutzbereich um den Richtschützen herum maximiert wird. (Foto: U.S. Army)

„Der Turm ist nicht mehr wiederzuerkennen, wenn er für den Transport verkleinert wurde“, so Thomas Kiel, der im Rüstungszentrum des U.S. Army Combat Capabilities Development Command mit Sitz im Picatinny Arsenal die technische Entwicklung von Geschützschutztürmen (GPK) leitet. Bei Expeditionsoperationen des USMC werden vollständig amphibische Plattformen wie das Landing Craft Air Cushion (LCAC) eingesetzt, um Waffensysteme, Ausrüstung und Personal innerhalb von Angriffselementen vom Schiff zum Ufer und über den Strand zu transportieren. Dabei spielt Gewicht und Größe immer einen entscheidenden Faktor.

Der RHGPK-Turm wird auf taktischen Fahrzeugen montiert, die auf amphibischen Schiffen in feindliche Gebiete transportiert werden. „Marines müssen sich während der Anlandung auf ihren Auftrag konzentrieren können und sich nicht damit beschäftigen, wie man einen Geschützturm für die Operation vorbereitet“, so Kiel. „Der RHGPK wurde so entwickelt, dass die Marines den Turm in wenigen Minuten hochfahren und die Waffe montieren können, während sie sich auf einem fahrenden Landungsboot befinden.“ Der Turm ist die jüngste Ergänzung des Portfolios der Objective Gunner Protection Kit (OGPK)-Familie von Schutzpanzersätzen für Turmschützen taktischer Fahrzeuge.

GPK-Türme sind Schutzstrukturen, die an einem rotierenden Lagerring auf den Dächern von taktischen Radfahrzeugen montiert werden. Ein Geschützturm wird aufgrund seiner inhärenten undurchsichtigen und transparenten Panzerung typischerweise als defensives Waffensystem betrachtet, das so konfiguriert ist, dass der Schutzbereich um den Richtschützen herum maximiert wird. Neben der Verbesserung der Überlebensfähigkeit ist der Turm die primäre Waffenstation für die Fahrzeugplattform, die es dem Richtschützen ermöglicht, seine Feuerkraft auf Ziele zu richten.

Der RHGPK ermöglicht den Transport der Joint Light Tactical Vehicles, Medium/Heavy Tactical Vehicle Replacement und Logistics Vehicle System Replacement in den unteren Fahrzeugstauräumen von Schiffen der Landing Platform/Dock (LPD 17) und Landing Helicopter Dock-Klasse. Die reduzierbare Eigenschaft des Turms wird auch den Transport per Bahn und Flugzeug erleichtern.

Es gibt eine Vielzahl von taktischen Fahrzeugplattformen, die eine einzigartige Turmlösungen aufgrund spezifischer Benutzeranforderungen und Waffen, die montiert werden müssen, erfordern. Jeder Turm innerhalb des Portfolios der OGPKs hat seine eigene spezifische Konfiguration. Viele Komponenten werden jedoch von den verschiedenen Designs gemeinsam genutzt. Das Ergebnis sind kostengünstigere Produkte und ein geringerer logistischer Aufwand für die Instandhaltung. Da die Entwürfe im Besitz der U.S. Regierung sind, können auch wettbewerbsfähige Produktionsaufträge an kleine und große Unternehmen in den Vereinigten Staaten vergeben werden.

André Forkert