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Bereits Mitte Januar wurde mit der ASMI der Prototyp einer neuen Maschinenpistole im Kaliber 9 mm x 19 aus heimischer Entwicklung auf einer Veranstaltung für Neuentwicklungen der indischen Streitkräfte vorgestellt. Nun sind weitere Details der Waffe bekannt geworden. Für die Konstruktion zeichnet ein Offizier der Infanterieschule aus Mhow im Bundesstaat Madhya Pradesh verantwortlich.

Was jedoch erstaunt, ist die tatkräftige Unterstützung durch das für Handwaffenentwicklungen zuständige und im Punjab beheimatete Armament Research & Development Establishment (ARDE). Diese Organisation hat erst kurz vor dem Jahreswechsel die Einführungsreife des Joint Venture Protective Carbine (JVPC) bekanntgegeben, S&T berichtete. Das JVPC, im Kaliber 5,56 mm x 30 ausgeführt, war entwickelt worden, um als Personal Defense Weapon (PDW) genau die Kategorie von Waffe zu ersetzen, welcher das nun vorgestellte System mit der Bezeichnung ASMI entspricht. Indien sucht seit geraumer Zeit nach einem Ersatz für die betagten Sterling-Maschinenpistolen aus einheimischer Fertigung und versucht, sich zeitgleich von Importen ausländischer Erzeugnisse unabhängig zu machen. Der Impuls für die Entwicklung der ASMI-Maschinenpistole ist daher nachvollziehbar, zeigt jedoch die unterschiedlichen Interessen und Strömungen auf, welche selbst innerhalb von Behörden wie dem ARDE nicht kohärent zu sein scheinen. Ist doch das Kaliber 5,56 mm x 30 explizit entwickelt worden, um die ballistisch als unzulänglich bewertete 9 mm x 19 Patrone ersetzen zu können.

Die Auslegung des ASMI ist alles andere als innovativ und unter Berücksichtigung der Fertigungsverfahren wie der Nutzung von 3D-Druck und der überaus voluminösen Ausgestaltung des Gehäuseoberteils eher als Technologiedemonstrator zu bezeichnen. Ausgeführt als reiner Rückstoßlader erfolgt die Munitionszufuhr aus einem handelsüblichen Glock-Magazin im Kaliber 9 mm x 19. Dies ist bei einer angegebenen Entwicklungszeit von vier Monaten nachvollziehbar, da Zuführung und Magazine zu den komplexesten und fehleranfälligsten Elementen im Bereich Handwaffenkonstruktion gehören.

Als Material für das Griffstück dient laut Pressemitteilung der indischen Defence Research and Development Organisation (DRDO) Kohlefaser. Es ist allerdings zu vermuten, dass es sich eher um mit Kohlefaser verstärkten Kunststoff handelt. Für das Gehäuseoberteil mit einer durchgehenden Picatinny-Schiene und kommt Aluminium zum Einsatz. Ebenfalls im Gehäuseoberteil finden sich hinter der Mündung Lüftungsschlitze, welche auch angedeutete M-Lok Interfaces sein könnten, wobei die Positionierung in Relation zum Spannhebel überaus ungünstig ausgeführt wäre. Die Picatinny-Schiene nimmt bei dem vorgestellten Prototypen am Ende des Gehäuses ein weiteres Element mit Metallring auf, welches vermutlich als Öse für einen Singlepoint-Sling dient. Die Schulterstütze ist einklappbar und mit einer angedeuteten Wangenauflage ausgeführt. Offenkundig ist ein Umsetzen des Spannhebels für eine beidseitige Nutzung vorgesehen. Ob dies bei der Sicherung bzw. dem Feuerwahlhebel und dem Magazinlöser im weiteren Entwicklungsverlauf auch möglich sein wird, bleibt vorerst unklar. Ein kurzes Picatinny-Element am Ende des Gehäuses erlaubt zudem die Montage eines Vordergriffs.

Bei einem Gewicht von knapp 2 kg und einer Lauflänge von etwa 20 cm ist die ASMI recht leicht. Insbesondere da das Gehäuseoberteil sehr hoch aufbaut und eine höhere Masse suggeriert. Pressemeldungen betonen zudem, dass die Waffe auf die vermeintlichen Bedürfnisse des Endnutzers zugeschnitten ist, da die Entwicklung aus den Streitkräften hervorging. All diese Aussagen sind jedoch mit Vorsicht zu behandeln, wie uns indische Handwaffenprojekte der letzten Jahre immer wieder bewiesen haben und es ist fraglich, wann und ob die ASMI-Maschinenpistole in Zukunft noch irgendeine Rolle spielen wird.

Kristóf Nagy