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Die britisch-us-amerikanische experimentelle maritime Übung „Fleet Battle Problem“ zeigte kürzlich den hohen operativen Wert von vorgeschobenen, hinter feindlichen Linien agierenden Beobachtern bei amphibischen Einsätzen. So konnten Commandos der British Army bei der von Royal Navy, Royal Marines und U.S. Marine Corps in West-Schottland durchgeführten Übung einen regelrechten Feuerregen auf gegnerische Stellungen niedergehen lassen.

Die vorgeschobenen Beobachter gehörten zur 148 Commando Forward Observation Battery. Dabei handelt es sich um eine von fünf Spezial-Batterien des 29 Commando Royal Artillery, der Steilfeuerkomponente der 3 Commando Brigade. Zu der beeindruckenden Feuerkraft und Technik, die bei Fleet Battle Problem zur Verfügung stand, gehörten unter anderem die V-22 Osprey-Kipprotorflugzeuge des U.S. Marine Corps (USMC), Drohnen, mobile Raketensysteme und die Force Recon-Fernaufklärungsteams der US-Marineinfanterie.

Die Commando-Kanoniere der 148 Battery lenkten während der Übung das Feuer aus den Schiffsgeschützen der Royal Navy, den leichten 105-mm-Haubitzen des 29 Commando Royal Artillery, den USMC-Raketenwerfern High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS) und koordinierten zudem den Einsatz von Kampfhubschrauben und anderen Wirkmitteln zur Luftnahunterstützung.

Bei den vorgeschobenen Beobachtern der 148 Battery handelt es sich eine fernspähartig operierende Komponente. Die Commando-Kanoniere sind Experten für verdecktes Gewinnen des Einsatzraumes (im Fallschirmsprung oder auch per Boot), Patrouillen hinter den feindlichen Linien, Leben im Versteck, verschlüsselte Kommunikation und die Gefechtsschadensbewertung. Sie gelten sowohl bei den britischen Streitkräften als auch innerhalb der NATO als das Kompetenzzentrum für seeseitige Feuerunterstützung. Ebenso können sie Artilleriefeuer, präzisionsgelenkte Munition oder Luftnahunterstützung (Close Air Support, CAS) koordinieren.

Hauptauftrag der Artillerie-Fernaufklärer der 148 Battery während der Übung in Westschottland war es, tief hinter die „feindlichen Linien“ einzudringen, um mit präzisionsgelenkten Raketen die „feindliche“ Flugabwehr auszuschalten. Dabei erwiesen sich für die kleinen Aufklärungs-Teams neuer Ausrüstung, wie z. B. kleine Sturmboote, als Schlüssel zum Erfolg. Weiterhin nutzen die Kommando-Kanoniere ein digitales Netzwerk, um schnell zu kommunizieren und den Weg für alliierte Luft-, Boden- und Seestreitkräfte zu ebnen. Das digitale Netzwerk ermöglichte es der 148 Battery, wertvolle Informationen mit Hilfe von verbesserten MPU5-Funkgeräten zu übermitteln. Dabei handelt es sich um robuste und dennoch leichte Geräte, mit denen sich wichtige Daten an die übergeordneten Führungsebenen weiterleiten lassen. Zugleich verringert sich das Ausrüstungsgewicht für die Trupps um etwa 15 Kilogramm.

Die Übung lieferte dem 29 Commando Regiment Royal Artillery wertvolle Erkentnisse in Bezug auf Erprobung und Weiterentwicklung seiner Taktik im Rahmen des Modernisierungsprogramms Future Commando Force.

Commando-Kanoniere der 148 Battery erklären den Übungsverlauf (Video: British Army)

Oberstleutnant Dave Glendenning RA, Kommandeur des 29 Commando Regiment Royal Artillery und Artillerieführer der 3 Commando Brigade: „Fleet Battle Problem untersuchte die komplexe Frage, wie man den Kampf gewinnt, um zum Kampf zu kommen, wobei überlegtes taktisches Handeln die Strategie eines Gegners scheitern lassen kann. Die 148 Battery spielte eine herausragende Rolle in der Übung und konnte wertvolle Erkenntnisse gewinnen, um Ausdauer, Reichweite, Mobilität, Vernetzung und Wirkung ihrer Patrouillen zu erhöhen.“

Auch erste Erkenntnisse über die Weiterentwicklung der Ausrüstung hat es gegeben. Glendenning: „Die Übung zeigte Investitionsbedarf bei digitaler Feuerleitsoftware, taktischen Kommunikationssystemen und für komplexe amphibische Trainingsmöglichkeiten. Nur so lässt sich die politische Glaubwürdigkeit des Future Commando Force Programms unterfüttern.“

Jan-Phillipp Weisswange