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Bereits Mitte letzter Woche ließ der polnische Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak in einem Tweet durchblicken, dass Polen eine Drohne aus türkischer Produktion beschaffen könnte. Auf der angehangenen Grafik war eindeutig die bewaffnungsfähige Drohne vom Typ Bayraktar TB2 zu sehen. Heute hat das polnische Verteidigungsministerium die Beschaffung nun offiziell bestätigt.

Das von Polen bestellte Paket beinhaltet nach den Worten des Verteidigungsministers neben den 24 Luftfahrzeugen auch vier Bodenstationen, sowie ein Ausbildungs- und Logistikpaket. Die Auslieferung der ersten Bodenstation samt 6 Drohnen ist bereits für das Jahr 2022 vorgesehen. In Bezug auf die Bewaffnung sprach sowohl der Minister als auch die offizielle Bekanntgabe des polnischen Verteidigungsministeriums nur von Panzerabwehrlenkflugkörpern. Es ist naheliegend, dass damit die von in Ankara beheimateten ROKETSAN Konzern gefertigten lasergelenkten L-UMTAS mit einer Reichweite von bis zu 8000 m gemeint sind. Schließlich ist nicht bekannt, dass ein weiterer Lenkflugkörper bereits eine Integration in das Bayraktar TB2 Drohnensystem erhalten hätte.

Die nun erfolgte Beschaffung ist eine deutliche Modifikation der polnischen „Gryf“ initiative, welche seit 2015 die Suche nach einem schlagkräftigen UAV System umfasst. Einerseits stellen die aktuell geplanten 24 Drohnen eine Abkehr der ursprünglich geplanten Stückzahlen dar. Andererseits ist die Vorgabe, dass die polnische Industrie maßgeblich beteiligt werden muss offenkundig nicht mehr an oberster Priorität.

Bayraktar TB2

Die Bayraktar TB2 Drohne ist eine Entwicklung des in Istanbul ansässigen Unternehmens Baykar Technologies und wurde im Jahr 2016 bei den türkischen Streitkräften eingeführt. Mit einer Länge von 6,5 m einer Spannweite von 12 m und einem maximalen Startgewicht von 650 kg gehört sie zu den taktischen Drohnen der mittleren Kategorie. Die Traglast für Sensorik und Waffen beträgt laut Angaben des Herstellers 150 kg. Die maximale Geschwindigkeit beträgt rund 220 km/h, die maximale Flugzeit etwa 27 Stunden. Die Funkreichweite der Bodenkontrollstation reicht bis zu einer Entfernung von 150 km. Gepaart mit der Fähigkeit Einsätze partiell oder auch vollständig autonom durchführen zu können, bietet die TB2 ein breites Missionsprofil.

Seit ihrer Einführung bei den türkischen Streitkräften hat die Bayraktar Drohen einen recht großen Exporterfolg erzielt. Neben Katar, Marokko und den Streitkräften der international anerkannte Regierung Libyens ist zweifelsohne die Luftwaffe Aserbaidschans der prominenteste Kunde. Die erst im Juni 2020 gelieferten Systeme hatten wenige Wochen später einen beträchtlichen Anteil an der Niederlage Armeniens im Krieg um Bergkarabach. Aus polnischer Sicht ist auch die in der Ukraine unlängst erfolgte Indienststellung nicht uninteressant. Neben dem Heer orderte auch die ukrainische Marine fünf Systeme. Zudem erfolgte bereists im April die ersten Einsätze der Bayraktar TB2 über dem Donbass. In Zukunft sollen weitere 48 Drohnen in der Ukraine von einem türkisch-ukrainischen Joint Venture gefertigt werden. Auch Partner Polens in der NATO und sogar der Visegrád-Gruppe sind an dem UAV interessiert. So bekundete Bulgarien potentielles Interesse an der Drohne. Noch konkreter ist es im Falle Ungarns. Dort lobte der Regierungskommissar für Verteidigungsentwicklung Gáspár Maróth unlängst die Fähigkeiten des Systems und offenbarte, dass ungarische Fachleute letzte Woche die Drohe zum wiederholten Male in der Türkei erprobten.

Kristóf Nagy