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Die Gebirgsjägerbrigade 23 erhält in Bischofswiesen, dem Standort des Gebirgsjägerbataillons 232, eine hochmoderne Schießanlage. Die dafür notwendigen Baumaßnahmen haben in den vergangenen Wochen begonnen, und der Neubau der Standortschießanlage soll im Jahr 2024 in Betrieb genommen werden.

Nach Fertigstellung werden die dortigen „Jager“ über eine der modernsten in Deutschland vorhandenen Schießanlagen verfügen. Gleichzeitig werden bis zu 18 Soldaten die Schießübungen der Bundeswehr absolvieren können. Und anders als früher, unter Einhaltung von Lärmemissionen, wie es aus der Bundeswehr heißt. Insgesamt sind 27 Millionen Euro für das Projekt veranschlagt.

In den lokalen Medien war nachzulesen, dass es sich um ein 250 mal 60 Meter großes Gebäude handeln soll. Wie ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAUIDBw) jetzt gegenüber S&T klarstellte, handelt es sich nicht um eine Halle mit den Maßen von 250 m x 60 m, sondern um eine zweigeteilte Schießanlage, welche neu aufgebaut werden wird.

Ausstattung

Die beiden Langstände (A-Stände), von denen einer 250 m und der andere 150 m lang sein werden, erhalten eine Zielgeländeüberbauung sowie eine Rasterkassettendecke auf der Standfläche. Auf den A-Ständen können jeweils sechs Schützen nebeneinander schießen. Die drei Kurzstände (D-Stände), auf denen jeweils zwei Schützen nebeneinander schießen können, werden vollständig „eingehaust“ und als Raumschießanlage benannt. Zielgeländeüberbauung und Raumschießanlage werden außerdem mit den entsprechend erforderlichen Lüftungsanlagen ausgestattet. Trupp- und Gruppenschießen wie auf einem Truppenübungsplatz werden jedoch nicht möglich sein. Ergänzt wird die Anlage durch ein Werkstattgebäude.

Der Grundriss läßt die Aufteilung der Schießanlage erkennen. Neben der Neugestaltung der Zufahrtsbereiche und der weiteren Außenanlagen wird noch ein zugehöriges Betriebs- und Aufenthaltsgebäude errichtet werden. (Graphik: BAUIDBw)

Die Schießanlage wird nach dem aktuell gültigen Stand der Technik realisiert, d.h., die Klappfallanlagen, die automatische Trefferanzeige und die Laufzielanlage können über W-LAN gesteuert werden. Mögliche, in Planung befindliche Weiterentwicklungen, werden, wenn möglich über die Leitstelle Schießanlagen bei der Landesbaudirektion Bayern mit eingeplant.

Eine Raumschießanlage, wie die geplante Einhausung der Kurzstände, ist neu und einmalig in Deutschland. Bestehende Schießhallen in Hannover (Ausbildungsanlage der Feldjägertruppe) und Calw (Ausbildungsanlage des Kommando Spezialkräfte) sind grundsätzlich nicht vergleichbar. Die Lärmschutzüberbauung der Langstände ist grundsätzlich bereits vergleichbar auf den Schießanlagen in Donaueschingen und Eschbach realisiert, so die Aussage des BAUIDBw.

Rahmenbedingungen

Nach Fertigstellung sollen rund 2.500 Soldaten der Gebirgsjägerbrigade unter anderem aus Bischofswiesen und Bad Reichenhall auf der Anlage Schießübungen absolvieren können, ohne dabei die Anwohner zu stören. „Durch die Baumaßnahme wird lediglich die Lärmsituation für die umliegenden Anwohner verbessert. An den durchführbaren Schießübungen werden sich keine Änderungen gegenüber einer regulären Standortschießanlage ergeben“, so der Sprecher des BAIUDBw.

Die Abbrucharbeiten an der Schießanlage des Gebirgsjägerbataillons 232 in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land) hatten im Oktober 2019 begonnen. Der Abriss hatte sich um mehrere Jahre verzögert, da laut BAIUDBw „aufwendige und detaillierte Planungen dafür notwendig gewesen seien“, und zuvor mehrere Nachbarn Einwände gegen den Neubau erhoben.

Das Bild zeigt mit Blickrichtung von Südost nach Nordwest eine Visualisierung des Zielausbaus der geplanten Anlage, jedoch ohne die bestehende Wohnbebauung. (Graphik: BAUIDBw)

Lokale Medien berichteten zuletzt, dass die Kosten für den Neubau explodieren würden, auf jetzt 35 Millionen Euro. Und damit dreimal so teuer wie ursprünglich geplant. Der Sprecher des BAUIDBw widerspricht dem: „Aktuell sind unverändert ca. 27 Millionen Euro anerkannt.“

Auf dem jetzigen Baufeld haben sich vorher zwei Langstände ohne Lärmschutzmaßnahmen befunden. Des Weiteren sind etwas abgesetzt noch drei Kurzstände vorhanden, welche nach der Fertigstellung der Raumschießanlage zurückgebaut werden sollen. Durch die Baumaßnahme können die gesetzlichen Vorgaben nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz eingehalten werden. Die bestehende Belastung der umgebenden Bebauung wird auf ein Mindestmaß reduziert, jedoch nicht komplett wegfallen. Im Vergleich zur Vergangenheit kann mehr geschossen und somit der Ausbildungsumfang des vor Ort stationierten Verbandes erhöht werden.

André Forkert