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Der ungarische Regierungskommissar für Verteidigungsentwicklung Gáspár Maróth hat diese Woche während seines Besuchs beim israelischen Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems eine Vereinbarung über die Lieferung von Panzerabwehrlenkflugkörpern des Typs Spike (Longe Range) LR2 unterschrieben. Wie aus einer Meldung der ungarischen Nachrichtenagentur MTI weiter hervorgeht, soll die Integration der neuen Waffen vorrangig in den Schützenpanzer Lynx KF41 von Rheinmetall erfolgen.

Das Panzerabwehrlenkflugkörpersystem Spike LR2 ist eine Weiterentwicklung des Spike LR und wird, so wie die Vorgängerversion, über einen faseroptischen Lichtwellenleiter geführt. Das System übermittelt das Bild der kombinierten optoelektronischen und Infrarot-Kamera direkt an den Schützen. Damit wird das Aufschalten oder Wechseln eines Zieles auch in der Flugphase ermöglicht. Zudem kann der Angriffswinkel vom Bediener gewählt werden, sodass zum Beispiel schwere Kampfpanzer von oben angegriffen werden können. Die Waffe ist laut Hersteller geeignet, eine Vielzahl von Zielen wie Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge, aber auch Stellungen bis zu einer Entfernung von 5.500 m zielgenau zu bekämpfen.

Mit der geplanten Integration des Spike LR2 in den Lynx KF41 nimmt die Ausstattung des im September 2020 von der ungarischen Regierung bestellten Schützenpanzers zunehmend Konturen an. Bereits Mitte Mai diesen Jahres wurde bekannt, dass das aktive und hybride Verteidigungssystem StrikeShield in die Fahrzeuge integriert werden soll. Ungarn hatte den Lynx mit einem bemannten Lance-2.0-Turm und einer 30-mm-Kanone bestellt. Das Panzerabwehrlenkflugkörpersystem Spike LR2 komplettiert damit die Fahrzeugbewaffnung und steigert den Gefechtswert deutlich.

Das Volumen des Auftrages ist indes nicht bekannt. Daher ist denkbar, dass neben dem Schützenpanzer Lynx auch andere Fahrzeuge mit dem Lenkflugkörper ausgestattet werden könnten. Als vielversprechender Kandidat gilt das zu Jahresbeginn eingeführte geschützte Radfahrzeug Gidrán. Ein solches Fahrzeug mit Spike-Bewaffnung könnte unter anderem die in die Jahre gekommenen BRDM-2 mit dem Lenkflugkörper 9M113 des 36. Panzerjägerbataillons ablösen und damit die Modernisierung des Großgerätes der 25. Brigade der ungarischen Streitkräfte komplettieren. Der Großverband befindet sich zurzeit in der Umstrukturierung zur schweren Brigade und erhält den Kampfpanzer Leopard 2A7HU, den bereits erwähnten Schützenpanzer Lynx und in Zukunft auch die Panzerhaubitze 2000. Damit nimmt der  Verband  neben dem Spezialkräfte-Regiment und den spezialisierten Aufklärungskräften eine Vorreiterrolle bei der Modernisierung der ungarischen Streitkräfte ein.

Auch eine Verwendung des Panzerabwehrlenkflugkörpers Spike LR2 vom H145M wäre zukünftig eine denkbare Option. Die ungarischen Streitkräfte haben 20 dieser Maschinen mit dem HForce-Waffen-Managementsystem von Airbus Helicopters beschafft. Dafür müssten die Lenkflugkörper jedoch erst in das HForce System integriert werden. Die Reichweite würde dann bis auf zehn Kilometer gesteigert werden.

Kristóf Nagy