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Der ukrainische Hersteller Fort stellt mit der Fort-230 jüngst eine neue Maschinenpistole vor, welche allen Anschein nach auf den Personal Defense Weapon (PDW) Markt abzielt. Auf der in der letzten Juniwoche in Kiew stattfindenden „Arms and Security 2021″ Messe stellte der Waffenhersteller neben seinem bereits weit gefassten Produktportfolio auch seinen neusten Entwurf dem Fachpublikum vor.

Der Waffenhersteller Fort, welcher sich als Entwicklungs- und Fertigungsverbund betrachtet, wurde 1991 im südwestlich von Kiew gelegenen Winnyzja gegründet. Seit 1998 ist das vollständig in Staatsbesitz befindliche und dem Innenministerium unterstellte Unternehmen der einzige Handwaffenhersteller der Ukraine. Neben zahlreichen Pistolenmodellen fertigt Fort seit über einem Jahrzehnt das Tavor und Galil Sturmgewehr sowie das Negev Maschinengewehr des israelischen Unternehmens IMI in Lizenz. Zudem wurden auch mehrere Modernisierungsprogramme für die AKM und AK74 Gewehre der ukrainischen Streitkräfte aufgelegt. Zuletzt sorgte 2015 die Vorstellung der Fort-28 Pistole im Kaliber 5,7 mm × 28 für internationale Aufmerksamkeit.

Bis auf die ab 2010 in Lizenz gefertigte IMI Uzi Pro, welche unter der Bezeichnung Fort-226 in das Programm aufgenommen wurde, enthielt das Angebot des ukrainischen Waffenherstellers keine Maschinenpistole. Der Grund für eine Neuentwicklung mag in der kommerziellen Erfolglosigkeit der Fort-226 liegen, welche sich nicht einmal auf dem einheimischen Markt durchsetzen konnte.

Fort-230

Bei der neuen Fort-230 entschieden sich die Entwickler für Auslegung, welche zuweilen an die Heckler & Koch MP7 erinnert. Der kompakte Rückstoßlader, welcher zur Steigerung der Präzision aufschießend ausgeführt ist, hat ein polymeres Griffstück und ein Gehäuse aus Aluminium mit einer durchgehenden Picatinny-Schiene (MIL-STD 1913) zur Aufnahme von Optiken oder optronischen Geräten sowie den vermutlich serienmäßig angebotenen offenen Klappvisier. Zudem besteht die Möglichkeit seitliche Schienen anzubringen, diese dienen der Aufnahme von Licht, Laser oder kombinierten Geräten. Dies ist dahingehend interessant, da die Schiene die Gleitbahn des Verschlussfanghebels verdeckt, welcher von einer Seite auf die andere umgesetzt werden kann.

Die Fort-230 ist auch in Bezug auf die restlichen Bedienelemente für die beiderseitige Bedienung ausgelebt. So finden sich Magazinlöser, Verschlusslöse- und die kombinierte Sicherung und Feuerwahlhebel in doppelter Ausführung auf beiden Seiten der Waffe. Durch den einklappbaren Vordergriff und die einschiebbare Schulterstütze lässt sich die Maschinenpistole laut Herstellerangaben, bei einem Leergewicht von 2,6 kg, von 60 cm auf 40 cm komprimieren.

Die auf der „Arms and Security 2021″ gezeigten Waffen wirkten allesamt recht grob gefertigt. (Foto: Fort)

Die Munitionszuführung im Kaliber 9 mm x 19 erfolgt aus zwei eigens entwickelten Magazinen mit einer Kapazität von 20 beziehungsweise 30 Patronen. Als Magazinschacht dient das Griffstück, welches mit einem Trichter ausgeführt ist, um den Nachladevorgang zu erleichtern. Der Hülsenauswurf erfolgt aus dem großzügig dimensionierten Auswurffenster nach rechts. Die aus einem Metallrahmen bestehende Schulterstütze mit rutschhemmender Synthetik Schaftkappe lässt sich in insgesamt drei Positionen arretieren. Zudem ist die mit einem Gewinde versehene Rohrmündung geeignet neben einem Feuerdämpfer auch Signaturreduzierer aufzunehmen. Als Oberflächenbeschichtung stehen neben einer gewöhnlichen schwarzen Ausführung mindestens noch eine sandfarbene und eine grüne Version zur Verfügung.

Die auf der „Arms and Security 2021″ gezeigten Waffen wirkten allesamt recht grob gefertigt. Dies zeigte sich insbesondere in der Oberflächenvergütung und der Stempelungen. Das notdürftig ausgeführte Firmenlogo in den Kunststoffteilen legt sogar die Vermutung nah, dass es sich um 3D gedruckte Teile handeln könnte. Das von Fort veröffentliche Produktvideo belegt indes, dass es mindestens eine Reihe von funktionierenden Prototypen bzw. Vorserienmodellen gibt. Zudem ist die Zukunft der Fort-230 alles andere als gewiss. Auch wenn der zeitgemäß anmutende Entwurf eine kostengünstige Exportversion für die klassischen Märkte der ukrainischen Rüstungsprodukte in Asien und Afrika sein könnte, scheint der Markt für Waffen dieser Art aktuell gesättigt. Es ist daher fraglich, ob eine Serienfertigung ohne einen initialen Auftrag einheimischer Behörden überhaupt zustande kommen wird.

Kristóf Nagy