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Rheinmetall stellte der Bundeswehr am 16. Juli das Ergebnis seiner Untersuchungen zum Gesamtkonzept für die dritte Generation des Soldatensystems Infanterist der Zukunft – Erweitertes System (IdZ-ES) vor. Dies ist der erste Schritt zu dem im März 2021, S&T berichtete, vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) erteilten umfangreichen Forschungs- und Technologie (F&T) Studienauftrag zur Untersuchung des Verbesserungspotentials in den Komponenten der diversen Konstruktionsstände des IdZ-Systems.

Seit 2001 beschaffte die Bundeswehr ca. 165 Zugsysteme (für die Ausrüstung von jeweils 40 Soldaten). Die ersten 73 wurden auf der Basis marktverfügbarer Komponenten durch ehemals Cassidian, heute Airbus, unter dem Begriff IdZ-BS (Basissystem) geliefert. Für die weiteren Systeme in unterschiedlicher Konfiguration wurde Rheinmetall Electronics als Generalunternehmer beauftragt. Zuletzt erfolgte die Beschaffung bzw. Umrüstung von 10 vorhandenen Systemen IdZ-ES in den Konstruktionsstand VJTF 2023.

Alle IdZ Systeme bestehen im Grundsatz aus Komponenten folgender Teilsysteme:

  • Bekleidung-, Schutz- und Trageausstattung (BST),
  • Waffen, Optik und Optronik (WOO) und
  • Führungs- und Kommunikationssystem (C4I: Command, Control, Communications, Computers and Intelligence).

Die Studie untersucht Komponenten aller bereits in der Bundeswehr genutzten Konstruktionsstände des IdZ-ES und soll Entscheidungsgrundlagen für die Erarbeitung von Lösungsvorschlägen zur Beschaffung des 3. Loses liefern.

Risiken, Kostentreiber und Reifegrad der einzelnen Lösungen sollen betrachtet und auch Erprobungs- und Untersuchungsmuster geliefert werden. Durch den Generalunternehmer werden zahlreiche Unterauftragnehmer mit eingebunden.

Ein wesentliches Themenfeld ist das C4I-System, bei dem auch die erforderliche Interoperabilität bzw. Kompatibilität mit dem Programm Digitalisierung Landbasierter Operationen (D-LBO) sicherzustellen ist. Hierzu zählt beispielsweise der Rahmen von D-LBO von blackned entwickelte „Tactical Core“ der erstmalig in ein serienreifes taktisches System in Form des IdZ aufgespielt und getestet werden soll. Der Tactical Core soll zukünftig als einheitliches Softwareelement auf allen taktischen Knoten der Landstreitkräfte integriert werden und den bruchfreien Informationsaustausch aller Beteiligten ermöglichen.

Zum 30. Mai 2022 soll der Abschlussbericht zur Studie vorgelegt werden. Es ist zu erwarten, dass sich daran ein Auftrag für Rheinmetall anschließen wird, da die Bundeswehr in einer nächsten Iteration einen weiteren Bedarf im Umfang von 133 Zugsystemäquivalenten des IdZ-ES 3. Generation zu realisieren beabsichtigt. Hinzu kommt weiterhin die Möglichkeit, die 73 Zugsystemäquivalente des IdZ-BS auf den Konstruktionsstand des IdZ-ES 3. Generation „aufzurüsten“. Mit dem Zeitplan der Studie und der kontinuierlichen Unterrichtung des Auftraggebers über die Zwischenergebnisse wäre für 2023 ein Beschaffungsvertrag zu erwarten. Eine Auslieferung der ersten Systeme der 3. Generation an die Truppe könnte ab 2024 noch so zeitgerecht erfolgen, dass damit der Bedarf für die Division 2027 erfüllt werden kann.

Wolfgang Gelpke