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Es war die erste größere Fachbesucher-Veranstaltung der „Tactical Community“ in Deutschland seit Beginn der Pandemie im März 2020: Am 22. und 23. September 2021 führte Teuto Defence, das auf Spezialausrüstung und Ausbildungsleistungen für Sicherheitsbehörden und Streitkräfte ausgerichtete Unternehmen aus Bad Oeynhausen, seine 11. Behördentage durch. Erstmals geschah dies im neu geplanten Format in Kombination mit den Live Fire Days. Zu diesem Zweck hatte das Team um Holger Veh auf eine eigens reservierte Schießanlage geladen.

„Die Veranstaltung stand pandemiebedingt wiederum auf der Kippe. Allerdings kam sowohl von Industrie- als auch von Behördenseite so viel Zuspruch, dass wir es wagen konnten“, so Holger Veh gegenüber Soldat & Technik.

„Wer wagt, gewinnt“ lautet wiederum ein in der Community wohl bekannter Leitspruch, und so fanden sich etliche Fachbesucher aus Behörden, Streitkräften, Industrie und Fachpresse ein. „Endlich geht mal wieder was – endlich mal wieder normale Leute treffen“, war denn auch allenthalben zu hören. Die COVID-19-bedingten Sicherheitsauflagen – eigens entwickeltes Hygienekonzept, Zutritt nur für Geimpfte, Genesene und Getestete, Abstandsaregeln etc. – nahm man gerne auf sich. Und zugleich kam Zuversicht auf, dass es nach Monaten des COVID-19-bedingten Stillstandes jetzt wieder zurück in die Zukunft geht.

Wie gewohnt, war inhaltlich wieder einmal etliches geboten. Rund 45 Unternehmen aus dem In- und Ausland waren vor Ort und präsentierten Waffen, Optik und Optronik, Bekleidung, Ausrüstung, Robotik und Fahrzeuge. Einiges davon wird Soldat & Technik in den nächsten Tagen gesondert vorstellen. Jedenfalls war schnell klar, dass die in dem Segment tätigen Spezialfirmen in den letzten anderthalb Jahren nicht untätig geblieben waren.

Zu den Hinguckern der Ausstellung zählten sicherlich der Boston Dynamics „Spot“, in Deutschland von ELP vertrieben. Dabei handelt es sich um einen dinosaurierähnlich aussehenden Schreitroboter in Größe eines Schäferhundes mit einem langen Manipulatorarm, der etwa bei Gefährdungslagen Gegenstände bergen kann.

Die ausgestellten Produkte umfassten alles vom Verbandpäckchen mit integriertem Tourniquet (etwa bei Meier-Medizintechnik oder Wero) über aktiven Gehörschutz (3M), Bekleidung und Ausrüstung (5.11, Bonowi, BSST, Carinthia, DNS Alpha, Nextorch, Revision, Snigel Design, Tatonka, Woolpower, Zentauron), Funk- und Kommunikationstechnik sowie Nachtsichttechnik (AIM, Andres, Elbit Systems, Thales), bis hin zu geschützten Sonderfahrzeugen wie von ACS oder Welp. Auch ein Amarok-Pickup mit Zarges-Leiteraufbau aus dem Hause Esser-Spezialfahrzeugbau gehörte zu den Publikumsmagneten. Die TAGS-Group aus den Niederlanden präsentierte Zugangs- und Abseiltechnik, SFC zeigte Energieversorgungssysteme auf Brennstoffzellenbasis und Zarges diverse Transportlösungen. MEN stellte ihre Munitionsfamilien vor. Der österreichische Helmspezialist Ulbrichts stellte den Prototypen eines neuen VPAM6-Helmes vor, der Schutz vor Langwaffenprojektilen bietet. SEQPROTECT hatte zudem ein mobiles modulares Wandsystem aufgebaut, mit dem sich unauffällig geschützte Räume schaffen lassen.

Die Produktpräsentation wurde durch Workshops von Behördenvertretern oder aus der Industrie begleitet. Highlights dabei waren sicherlich die Möglichkeiten, Kurz- und Langwaffen und zugehörige Optiken einschließlich Nachtsichttechnik im scharfen Schuss auszuprobieren. So boten Glock, Haenel, Steiner, AIM, Andres Insustries und FN Herstal entsprechende Möglichkeiten an. Die Kaliberpalette reichte dabei von 9 mm x 19 bis hin zu .50BMG aus dem legendären FN Herstal M2. Mit Präzisionsgewehren konnte auf 300 Meter geschossen werden. Voll im Trend lag darüber die Vorführung eines High Power Electro Magnetics (HPEM)-Effektors zur Drohnenabwehr durch die Firma Diehl. Ein weiterer Höhepunkt war ein auf die Erprobung sondergeschützter Fahrzeuge ausgelegter Dummy von CTS, der sich einem Handwaffenbeschuss unterziehen musste.

Die Teuto Defence Trainings Academy bot darüber hinaus ebenfalls verschiedene Workshops an. Einer davon widmete sich dem Thema Maschinengewehr, das in den polizeilichen Spezialkräften angesichts der neuen Bedrohungslagen durch militärisch ausgerüstete und ausgebildete Tätergruppen an Bedeutung erlangt hat. Dabei wurde auch das Thema fernbedienbare Waffenstationen behandelt, wie sie beispielsweise auf sondergeschützen Fahrzeugen eingerüstet werden können. Bei dem Workshop standen neben der Technik der taktische Mehrwert, mögliche Ziele und Einsatzarten im Mittelpunkt.

Ein weiterer Worshop behandelte das Thema Tarnung. Hier waren mit dem bereits seit einigen Jahren sehr aktiven Unternehmen Concamo/Ghosthood und der noch relativ neu am Markt befindlichen Firma JAC gleich zwei Anbieter von Tarnsystemen vor Ort, die ihre Produkte dafür zur Verfügung stellen konnten.

Auf den Gängen, an den Infoständen und nicht zuletzt der gesellige „Kommandoabend“ boten darüber hinaus viel Raum und Gelegenheit für den fachlichen Austausch. Ebenso erfreulich verlief eine Sammlung von Spenden für den Verein SEV – Soforthilfe nach gravierenden Unfällen. Es kam ein Betrag von über 4500 Euro zusammen. Die Laudatio hielt Holger Veh und der Schauspieler Erdogan Atalay, bekannt aus der Fernsehserie „Alarm für Cobra 11“.

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass das Teuto-Defence-Team um Holger Veh mit dem kombinierten Format Behördentagen/Live Fire Days einen neuen Maßstab für solche Veranstaltungen gesetzt hat – ein guter Ausblick für den Weg zurück in die Zukunft.

Jan-Phillipp Weisswange