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Obwohl erst 2018 gegründet, hat DNS Alpha, ein Spezialist für taktische Bekleidungssysteme aus Deutschland und der Schweiz, bereits beachtliche Markterfolge im Behördenbereich erzielen können, nun sollen die Erfolge auch auf dem Feld der Kampfbekleidungssysteme für Streitkräfte wiederholt werden. Ende Oktober hat das junge Unternehmen dazu zu einem Fachmedientag geladen, um Einblicke in das Unternehmen, die Produktpalette und die damit verbundene Philosophie zu gewähren.

„Ich möchte nicht der zwanzigste Anbieter für Bekleidung sein“, sagt Tim Vetter Co-Geschäftsführer und Mitinhaber des Unternehmens, zu Beginn seiner Präsentation, „unser Fokus liegt auf Problemlösungen“. Diese Philosophie spiegelt sich bereits im Namen des Unternehmens wieder und stellt gleichzeitig eine herausfordernde Selbstverpflichtung dar. Das DNS in DNS Alpha steht für Development Never Stops, was auf Deutsch mit „die Entwicklung endet nie“ übersetzt werden kann. Um diesen Selbstanspruch erfüllen zu können, leistet sich DNS Alpha im großen Unterschied zu vielen anderen Anbietern neben einer eigenen Produktentwicklung auch eine eigene Materialentwicklung. So möchte man in puncto Gewicht, Funktionalität, Beweglichkeit und Komfort deutlich leistungsfähigere und besser abgestimmte Bekleidungssysteme anbieten können.

Das Unternehmen

Obwohl noch relativ jung verfügt das Unternehmen über knapp 20 Jahre Erfahrung im Bereich taktische Bekleidung und Ausrüstung. Tim Vetter war in seiner vorherigen Verwendung als Mitgeschäftsführer bei Lindnerhof-Taktik tätig, bis er seine Anteile an die Mehler Gruppe verkauft hat. Marcel Geser, der zweite Co-Eigner und Co-Geschäftsführer von DNS Alpha, ist seit 2001 in der Entwicklung von funktionaler Outdoorbekleidung tätig. Die Development Never Stops, der Mutter von DNS Alpha, war er unter anderem an der Entwicklung des neuen Bekleidungssystems der Schweizer Armee tätig und hat unterschiedliche Hersteller von taktischer Bekleidung und Ausrüstung bei der Lösung von Detailproblemen unterstützt.

2018 folgte die Ausgründung von DNS Alpha mit einem Sitz in der Schweiz (DNS Alpha Schweiz) für den lokalen sowie in Stuttgart (DNS Alpha EMEA) für den internationalen Markt. Entwickelt wird in Deutschland, die Prototypenfertigung findet in Deutschland und der Schweiz statt, für die Serienfertigung stützt sich DNS Alpha nach Aussagen von Vetter, wie viele anderen Hersteller auch, auf Konfektionäre in Europa und Asien ab.

Ein tiefes Know-how des Unternehmens in Bezug auf Möglichkeiten von Materialien sowie die mit einer geringen Unternehmensgröße einhergehenden schlanken Strukturen sind Vetters Angaben nach ein maßgeblicher Erfolgsfaktor. Diese Kombination erlaubt DNS Alpha Aussagen zufolge eine individuelle und kundenspezifische Produktentwicklung und Fertigung, selbst in Kleinserien ab 120 bis 140 Systemen.

Systemgedanke der Einsatzbekleidung

Nur wenn die einzelnen Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke und -schichten in ihrer Funktionalität auf einander abgestimmt sind, kann die Funktionalität der einzelnen Stücke gewährleistet werden. Daher hat sich in jüngster Vergangenheit der systemische Ansatz bei behördlicher und militärischer Einsatzbekleidung immer weiter durchgesetzt. DNS Alpha sieht jedoch Optimierungspotenzial, da noch allzu oft in Einzellösungen gedacht wird, die zwar für sich alleine sehr gute Ergebnisse erzielen, aber in Kombination mit anderen Bekleidungsschichten einen Teil der Leistung einbüßen. Für den Anwender kann sich das beispielsweise so äußern, dass der Abtransport der Körperfeuchtigkeit durch die einzelnen Bekleidungsschichten gehemmt wird.

Mit DNS Alpha wollen Geser und Vetter den Systemgedanken ausreizen. Basierend auf dem Gesamtsystem und der speziellen Einsatzart der Nutzer soll eine optimal aufeinander abgestimmte Materialauswahl erfolgen. Wo notwendig oder nicht vorhanden will man das Material weiter- oder gar neuentwickeln. In Kombination mit ergonomischen Passformen, welche auf reellen Körperdaten der jeweiligen Nutzer basieren, sollen so signifikant funktionalere Bekleidungssysteme entstehen. Dazu arbeitet DNS Alpha Vetter zufolge mit einem jungen deutschen Technologieunternehmen zusammen, mit dessen Hilfe Körperdaten ganzer Einheiten schnell, einfach, kostengünstig und vor allem datenschutzkonform generiert werden können. Die Genauigkeit des Verfahrens beträgt 1 cm, Reibungspunkte und Druckstellen können so minimiert beziehungsweise vermindert werden.

Summa summarum bietet dieser Ansatz der Ansicht des Unternehmens nach mehrere funktionale und logistische Vorteile. So resultiert beispielsweise die exakte Vermessung der tatsächlichen Nutzer nicht nur in einer besseren Passform und dem damit verbundenen höheren Tragekomfort, sondern auch in einer deutlich effizienteren Lagerlogistik, da der exakte Größenschlüssel bekannt ist und keine gemittelten Werte genutzt werden.

Bei der Konstruktion der Einsatzbekleidungssysteme greift das Unternehmen auch auf empirische Bewegungsstudien zurück, die entwickelten Produkte beschreibt Vetter als „technisch und aufeinander abgestimmt“, die Schnitte als „relativ schlicht und geradlinig“.

Taktisches Bekleidungssystem A-20

Das jüngst auf den Markt gebrachte Taktische Bekleidungssystem A-20 wurde zwar für den behördlichen Einsatz entwickelt, bietet aber einen Ausblick für das derzeit in Entwicklung befindliche Bekleidungssystem für Streitkräfte, welches DNS Alpha zufolge 2022 einsatzreif sein soll.

Das als A-20 bezeichnete System besteht aus den Schichten Unterwäsche, Kampfbekleidung sowie Kälte- und Nässeschutz. Der Aufbau ist modular, so dass pro Schicht teilweise unterschiedliche Bekleidungsstücke – beispielsweise unterschiedliche Typen von Hosen für verschiedene Einsatzzwecke – zur Auswahl stehen. Die Auswahl der Materialien erfolgte funktionsspezifisch. Bei der Konstruktion der einzelnen Schichten wurde der Ansatz verfolgt so wenige wie möglich unterschiedliche Materialien zu verwenden. Da unterschiedliche Materialien auch unterschiedlichen Belastungs- und Abnutzungszyklen unterliegen wird so verhindert, dass ein Kleidungsstück seine Funktionsfähigkeit verliert, wenn nur ein Teilstück verschlissen ist. Erklärtes Designziel war es weiterhin so wenig Reißverschlüsse und Nähte wie möglich zu verwenden.

Unterwäsche

Die unterste Schichte des DNS Alpha Bekleidungssystems bildet die Unterwäsche aus Alpha-Merino. Der speziell entwickelte Merinostoff mit Elastan-Anteil ist nach Angaben des Unternehmens weitaus strapazierfähiger als andere Merinofasern auf dem Markt, was in einer deutlich längeren Lebensdauer des Materials resultiert. Die Wolle ist deutlich abriebfähiger und franst daher weniger aus, wenn sie in Kontakt mit Klettverschlüssen und scharfen Kanten kommt. Die Merinofaser verfügt von Natur aus über flammenhemmende und Körperklima regulierende Eigenschaften. In Verbindung mit dem Elastan-Anteil, der die Bewegungsfreiheit verbessert, wird neben der vergleichsweise hohen Schutzfunktion auch ein hoher Tragekomfort gewährleistet. Die flachen Nähte sind so positioniert, dass es zu keiner Auflage in Verbindung mit Plattenträgern kommt. Das Unterhemd gibt es mit kurzen und langen Ärmeln, die Naht im Nacken ist durch ein Nackenband abgedeckt, damit keine unangenehme Reibung entsteht. Neben den Unterhemden werden eine kurze sowie lange Unterhose, ein Beanie und ein Neck Gaiter aus dem gleichen Stoff sowie dem gleichen Verarbeitungsprinzip angeboten.

Kampfbekleidung

Die zweite Schicht des Bekleidungssystems besteht aus der Kampfbekleidung, die sich unter anderem aus dem Combat Shirt und einer Kampfhose (in den Varianten Combat Pant oder Intervention Pant) kombinieren lässt. Die Bekleidungsstücke verfügen über einen körpernahen Schnitt und wurden ebenfalls aus eigenentwickelten Materialien konzipiert, welche sich durch ihre besonderen Abriebfestigkeit, Elastizität und Flammresistenz auszeichnen sollen. Weiteres Merkmal des Stoffs ist die Zwei-Wege-Stretch-Funktion. Je nach Einsatz kann das Material nur quer oder längs gedehnt werden. Der Stoff ist in den Schnitten jedoch in solch einer Art und Weise verbaut, dass eine Bewegungsfreiheit in alle notwendigen Richtungen gewährleistet ist. So ist beispielsweise der Oberschenkelteil der Hose so konzipiert, dass sich die Vorderseite der Hose nur entlang der Beinlänge dehnen lässt, während die Hinterseite nur eine Dehnung quer zur Beinlänge zulässt. So kann der Träger auch problemlos in eine tiefe Hocke gehen, ohne dass der Sitz der Hose verändert werden muss oder das Bein geklemmt wird. Die Nachteile von Vier-Wege-Stretch-Stoffen, bspw. Ausleiern der Stoffe über die Zeit, werden so vermieden ohne dass Kompromisse in Puncto Bewegungsfreiheit in Kauf genommen werden müssen.

DNS Alpha Combat Shirt und flammfeste Balaclava. (Foto: DNS Alpha)

Die Verstärkungen für Ellbogen und Knie sind aufgeklebt und nicht genäht. Dieses Verfahren ist Vetters Erläuterungen zufolge zwar aufwendiger und teurer – nur wenige Hersteller sind in der Lage die Schoner so zu kleben, dass eine robuste Verwendung über die komplette Nutzungsdauer sichergestellt ist – spart jedoch Gewicht. Wenn es auch nur ein paar Gramm sind, summieren sich die unterschiedlichen gewichtseinsparenden Details der einzelnen Bekleidungsstücke des Gesamtsystems. Darüber hinaus sorgen herausnehmbare Ellenbogen- und Knieschoner für zusätzliche Protektion.

Die Combat Pant (links) und Intervention Pant (rechts) unterscheiden sich durch die aufgesetzten Oberschenkel- und Wadentaschen sowie die verstärkte Kniepartie. (Foto: DNS Alpha)

Auf Hosenknöpfe wurde verzichtet, um unangenehme Druckstellen zu vermeiden. Der Grundhalt der Hose wird durch einen Klettverschluss sichergestellt, da eine Einsatzhose aber sowieso nur in Verbindung mit einem Einsatzgürtel getragen wird, ist dies vollkommen ausreichend. Der Hosenbund ist darüber hinaus mit einer atmungsaktiven Einlage versehen, die die Körperfeuchtigkeit im Einsatz nach außen durchlässt. So werden die üblichen feuchten Stellen im Bereich des Hosenbundes, wo die meisten Bekleidungsschichten – mindestens Unterhose, Unterhemd/Einsatzhemd und Hose – übereinanderliegen, merklich reduziert.

Kälte- und Nässeschutz

Unterschiedliche Kälte- bzw. Nässeschutzjacken und Hosen bilden die abschließende Schicht des aufeinander abgestimmten Bekleidungssystems. Exemplarisch kann hier die Light Insulation Jacket genannt werden, die für die Verwendung als Übergangsjacke konzipiert wurde und auch in einer Variante mit Kapuze verfügbar ist. Die Gesamtmaterialkombination überzeugt durch ein, bezogen auf die Wärmeleistung, vergleichsweise geringes Gewicht. Als Innenfutter wird ein atmungsaktives und gleichzeitig windundurchlässiges Polyamid verwendet. Das Obermaterial ist widerstandsfähig und wasserabweisend. Obwohl keine elastischen Stoffe Verwendung finden, verfügt die Jacke über eine gewisse Stretch-Eigenschaft. Dies wird dadurch erreicht, indem die Stoffpanele am oberen Rücken um 45 Grad gedreht verbaut werden.

Fazit

Das vorgestellte Bekleidungssystem besticht durch viele kleine Details, die für sich alleine betrachtet sicherlich keine Revolution darstellen, aber in der Summe die Funktionalität spürbar steigern. Das Gesamtkonzept – Materialien, Schnitte, Produktpalette und Details – wirkt in puncto Einsatzrealität von polizeilichen Spezialkräften durchdacht und aufeinander abgestimmt. Es wird daher interessant zu sehen sein, wie ein militärisches Einsatzbekleidungssystem des Unternehmens aussehen wird. Es ist davon auszugehen, dass es nicht nur Detailsänderungen geben wird, da die Anforderungen an Soldatenbekleidungssysteme – aufgrund der unterschiedlichen Einsatzprofile – merklich andere sind. So muss der Soldat beispielsweise in unterschiedlichen Klimazonen einsetzbar sein, was unter Umständen zusätzliche oder andere Schichten erfordert. Die Einsätze dauern unter Umständen mehrere Tage oder teilweise Wochen. Da die Einsätze darüber hinaus eher in der Natur als in Großstädten stattfinden spielt auch das Thema Vektorenschutz – also dem Schutz vor Zecken etc. – eine wichtigere Rolle. Darüber hinaus haben Streitkräfte auch noch besondere Anforderungen an das Material, um beispielsweise Tarndrucke aufbringen zu können oder die Funktionsfähigkeit über ein breites Temperaturband gewährleisten zu können.

Waldemar Geiger