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RUAG Ammotec hat angekündigt, dass die Marke MFS als Hersteller von hochwertiger Behördenmuniton wiederbelebt wird. Im Einklang mit der laufenden Erweiterung des Segmentes Behördengeschäft soll das im ungarischen Sirok angesiedelte Werk einen wichtigen Beitrag zum weiteren Wachstum liefern, so das Unternehmen.

Der Rechtsvorgänger der aktuellen Fabrik entstand unter der Bezeichnung Mátrai Fémmüvek Sirok (Matra Metallwerke Sirok), kurz MFS, auf Grundlage von bereits früheren Überlegungen für die Ansiedlung von Industriebetrieben ab 1949 im Rahmen einer energischen Aufrüstungs- und Industrialisierungspolitik. Als Ort diente ein bewusst versteckt gewähltes Tal des Mátra Mittelgebirges etwa 100 km nordöstlich von Budapest gelegene und in unmittelbarer Nähe zu dem Dorf Sirok. Unter absoluter Geheimhaltung wurde eine quasi autarke Fertigungsstätte errichtet. Zur Versorgung im unwegsamen und infrastrukturarmen Gebiet wurde eigens eine Schmalspurbahn angelegt.

Bereits 1951 lief die versuchsweise laufende Vorserienfertigung an. Ab der Eröffnung des Werkes im Sommer 1952 lag der Schwerpunkt der Produktion auf Handwaffenmunition im Kaliber der Waffen des Warschauer Paktes. Diese sind bis heute zuweilen auf dem Surplus Markt erhältlich und auch wenn sie meist neu verpackt wurden an den Stempeln „21“ und „23“ am Hülsenboden zu erkennen. Ab den 1960er Jahren verschob sich der Fokus der Werke in die zivile Richtung. So wurden unterschiedliche Verpackungsmaterialien wie z. B. Aluminiumbehälter oder Sprühflaschen gefertigt. Erst die in den 1970er Jahren erschlossenen Exportmärkte sahen ein erneutes Erstarken der Munitionsfertigung. Die MFS behielt jedoch bis nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ein duales zivil-militärisches Portfolio. Dies wurde noch dadurch diversifiziert, dass spätestens ab den 1980er Jahren auch vermehrt Munition für Jagd und Sportzwecke gefertigt und auch exportiert wurde. Das ab 1999 unter dem Namen MFS 2000 Zrt. firmierende Unternehmen wurde schließlich 2009 von der RUAG Ammotec erworben.

In den letzten Jahren investierte der Rüstungskonzern immer wieder in den Standort Sirok. Neben einer Erweiterung der Fertigung wurden auch moderne Produktionsprozesse und der dazugehörige Maschinenpark etabliert. Der Relaunch einer als Traditionsname anzusehenden Brand erfolgt zu einer Zeit, in der die weltweite Nachfrage nach Handwaffenmunition auf einem ungebrochen hohen Niveau steht. Zudem läuft mit dem Zrinyi 2026 Rüstungsprogramm in Ungarn seit Jahren ein Vorgang, welcher auch den Aspekt der Munitionsfertigung beinhaltet.

Kristóf Nagy