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Beim gemeinsam von Frankreich, Belgien und Zypern verfolgten EU-Projekt zur Entwicklung von neuen Technologien für die Panzerabwehr mit dem Namen LynkEUs läuft offenbar alles nach Plan. So zeigte sich der zuständige Lenkungsausschuss, der sich aus Vertretern der drei Länder zusammensetzt, bei seiner ersten Sitzung mit den insgesamt elf beteiligten Unternehmen sehr zufrieden, wie das französische Verteidigungsministerium mitteilt. 2022 könnten die Tests wie vorgesehen fortgesetzt und bis Jahresende das Vorhaben zum Abschluss gebracht werden.

Das Projekt zielt darauf ab, Einsatzkonzepte für das Wirken jenseits der direkten Sichtlinie (Beyond Line of Sight, BLOS) zu entwickeln und die Vorteile dieser Technik zu demonstrieren. Zudem sollen neue Technologien identifiziert werden, die in ein solches System integriert werden könnten.

Die EU übernimmt bei LynkEUs im Rahmen des European Defence Industrial Development Programme (EDIDP) rund 97 Prozent der Gesamtkosten von 6,6 Millionen Euro.

Die Fähigkeiten eines solchen Systems sollen durch das Wirken einer Panzerabwehrlenkflugkörper auf ein Ziel jenseits der direkten Sichtlinie unter Einsatz einer Beobachtungsdrohne als Sensor nachgewiesen werden. Eine erste Demonstration des Systems, bestehend aus dem Panzerabwehrlenkflugkörper Missile Moyenne Portée (MMP) von MBDA und der Drohne NX70 von Novadem führte das französische Heer Anfang des Jahres auf dem Schießplatz in Canjuers in Südfrankreich durch , S&T berichtete.

Im weiteren Verlauf des Projekts soll nun das Gesamtsystem, bestehend aus Waffenanlage mit Richtschütze und Drohne mit Drohnenpilot in ein Fahrzeug integriert werden, wie das französische Verteidigungsministerium ausführt. Weiterhin müsse eine sichere Datenverbindung zwischen dem Fahrzeug, einem SHERPA der Firma Arquus mit dem IMPACT-Turm von MBDA, und Drohne gewährleistet werden. Ein solches System wäre in der Lage, selbstständig Ziele außerhalb der direkten Sichtlinie zu bekämpfen, ohne auf Informationen durch Dritte angewiesen zu sein.

Das französische Verteidigungsministerium sieht hierin vier Vorteile. Erstens: eine höhere Effizienz, zweitens: ein besseres Feuermanagement, drittens: einen höheren Schutz für die Soldatinnen und Soldaten, da sie im geschützten Fahrzeug verbleiben und viertens: eine bessere Feuerwirkung durch kurze Reaktionszeiten.

Konkret sind für das kommende Jahr weitere technische Erprobungen vorgesehen, wie zum Beispiel die Zielbestimmung durch sowohl bodengebundene als auch fliegende Drohnen und das automatische Starten und Landen von Drohnen auf dem Turm des Fahrzeugs. Zum Abschluss des Projekts soll das Gesamtsystem Ende 2022 auf Zypern im scharfen Schuss seine Fähigkeiten demonstrieren.

Ole Henckel