StartMobilitätUngarn bietet der Slowakei den Schützenpanzer Lynx an

Ungarn bietet der Slowakei den Schützenpanzer Lynx an

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Ungarn hat der Slowakei den Schützenpanzer Lynx angeboten. Wie einer Pressemitteilung des ungarischen Kommissars für Rüstungsangelegenheiten, Gáspár Maróth zu entnehmen ist. Die Slowakei beabsichtigt in naher Zukunft unter anderem eine schwere Brigade neu auszurüsten und sucht dafür im Rahmen eines Beschaffungsvorhabens 152 moderne Schützenpanzer. Soweit bekannt, ist für das Projekt ein Finanzvolumen in Höhe von mehr als 1,7 Milliarden Euro eingeplant.

Update 3.2.2022 08:00 Uhr: Nach Aussagen eines Vertreters des Rheinmetall-Konzerns bietet Ungarn den Lynx gemeinsam mit Rheinmetall an, da es sich bei der Ausschreibung um ein sogenanntes Government to Government Geschäft handelt. Dabei wird das Geschäft zwischen Regierungen geschlossen. Hinweis: Ungarn ist derzeit der einzige Staat, der sich für die Einführung des Schützenpanzer Lynx entschieden hat.

Die slowakische Republik will die Ausstattung ihrer Kampfverbände modernisieren. Neben 4×4- und 8×8-Radpanzern gehören auch die Schützenpanzer dazu. Vier Versionen sind vorgesehen: 131 Infanteriekampffahrzeuge, 15 Schützenpanzer in der Version Führung und Funk, drei Bergepanzer und drei Panzer für technische Hilfeleistungen. 2021 wurden drei Anbieter eingeladen, ihre Fahrzeuge für eine Erprobung durch das Military Technical and Testing Institute Záhorie (Vojenský technický a skúšobný ústav Záhorie, VTSÚ) in der Slowakei bereitzustellen. Im Zeitraum März bis Juni 2021 wurden daraufhin drei Wettbewerber erprobt: Lynx KF41 von Rheinmetall, Ascod 42 von GDELS und CV90 Mk VI von BAE Systems.

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Aus der Mitteilung des Kommissars für Rüstungsangelegenheiten, Gáspár Maróth wurde indes nicht klar, zu welchen Konditionen Ungarn der Republik Slowakei den zukünftig im westungarischen Zalaegerszeg gebauten Schützenpanzer Lynx angeboten hat. Maróth betonte in seiner Stellungnahme jedoch, dass neben den außergewöhnlichen technischen und taktischen Parameter des Lynx die Slowakei ebenfalls von der besonders vorteilhaften Finanzierungsstruktur profitieren kann, welche für die Modernisierung der ungarischen Streitkräfte etabliert wurde. Laut dem Kommissar für Rüstungsangelegenheiten sei dies der Schlüssel für eine beide Parteien begünstigende, langfristige und nachhaltige Modernisierung der jeweiligen Streitkräfte. Zudem wurde bekannt, dass im Falle eines erfolgreichen Angebotes die Abwicklung über die ungarische Ausfuhragentur für Verteidigungsgüter (VEX) erfolgen würde.

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Die Ankündigung seitens der ungarischen Regierung kommt für Beobachter der zentraleuropäischen Modernisierungsvorhaben im Verteidigungssektor indes nicht überraschend. Bereits bei der Grundsteinlegung des knapp 168 Millionen Euro teuren Werkes in Zalaegerszeg wurde von ungarischer Seite die Absicht betont, dass die Fertigungsstätte neben der Produktion für die eigenen Streitkräfte auch der Schaffung von Exportkapazitäten dienen soll. Zudem war bereits im September 2021 die Nachricht aufgekommen, dass slowakische Regierungsvertreter Verbündete und Nachbarländer dazu ermutigen, Angebote einzureichen. In diesem Zusammenhang erschienen sowohl ungarische als auch slowakische Presseberichte, welche Ungarn mit dem Lynx Programm durchaus Chancen auf eine erfolgreiche Kooperation einräumten.

Kristóf Nagy