StartStreitkräfteVerlegebereitschaft der NATO-Response-Force-Kräfte der Bundeswehr wird erhöht

Verlegebereitschaft der NATO-Response-Force-Kräfte der Bundeswehr wird erhöht

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Die Bundesregierung hat beschlossen, die Verlegebereitschaft der NATO-Response-Force- Kräfte (NRF) der Bundeswehr auf Antrag des Supreme Allied Commander Europe (SACEUR), General Tod Wolters, und in enger Abstimmung mit den Alliierten zu erhöhen. Dies hat das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) soeben mitgeteilt. Damit soll nach Angaben des Ministeriums die Reaktionsfähigkeit der in die NRF eingemeldeten Kräfte erhöht werden. Das BMVg verweist jedoch darauf, dass mit diesen Maßnahmen keinerlei Verlegungen einhergehen, „sondern es werden vorbereitende Maßnahmen getroffen, um im Falle einer Aktivierung der NATO Response Force die Zeiten bis zur Herstellung der Verlegebereitschaft zu reduzieren. Eine tatsächliche Verlegung der Kräfte bedürfte eines politischen Beschlusses des NATO-Rats“.

Details wurden nicht bekanntgegeben. Weitere Maßnahmen könnten bald folgen. „Es ist abzusehen, dass weitere vorbereitende Maßnahmen zur Erhöhung der Einsatzbereitschaft und zur Verbesserung der Reaktionsfähigkeit seitens der NATO und in enger Abstimmung mit den Bündnispartnern auf Grundlage von politischen Entscheidungen und unter Berücksichtigung der aktuellen Lageentwicklung getroffen werden könnten“, heißt es dazu weiter in der Mitteilung des BMVg.

Der weitere Text der Mitteilung im Wortlaut:

„Die Bundesregierung bleibt damit gemeinsam mit den Verbündeten im Bündnis dem zweigleisigen Ansatz gegenüber Russland – glaubhafte Verteidigungsbereitschaft und Rückversicherung der Alliierten bei gleichzeitiger Offenheit zum Dialog – verpflichtet.
Unsere Maßnahmen sind präventiv, verhältnismäßig und nicht eskalierend. Die Erhöhung der Verlegebereitschaft ermöglicht es der NATO, im Falle einer weiteren Eskalation durch Russland vor allem unseren osteuropäischen Alliierten eine angemessene Rückversicherung zum Schutz des Bündnisgebiets zu garantieren.
Die NATO-Alliierten setzen den diplomatischen Austausch und den Dialog mit Russland zu Fragen der euro-atlantischen Sicherheit weiterhin fort. Die Bundesregierung unterstützt alle diese Bemühungen. Russland wurden substanzielle Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheit aller Staaten im euro-atlantischen Raum unterbreitet, der NATO-Generalsekretär hat Russland gestern erneut zum Dialog im Rahmen des NATO-Russland-Rats eingeladen.
Die Bundesregierung ermutigt Russland eindringlich, die Lage zu deeskalieren und ernsthafte Schritte für eine diplomatische Lösung zu unternehmen.“

Nato Response Force

Die NRF sind nach offiziellen Angaben der NATO hochgradig einsatzbereite und technologisch fortschrittliche multinationale Streitkräfte, die sich aus Kräften der Land-, Luft- und Seestreitkräfte sowie Spezialkräften zusammensetzen und die das Bündnis bei Bedarf rasch verlegen kann.

Die NRF besteht aus folgenden Elementen:

  • Führungselement: Die operative Führung der NRF wechselt zwischen dem Allied Joint Force Commands in Brunssum und Neapel.
  • VJTF: Dieses NRF-Element – etwa 20.000 Mann stark – umfasst eine multinationale Landbrigade mit etwa 5.000 Mann sowie Luft-, See- und SOF-Komponenten. Führende Elemente sind innerhalb von zwei bis drei Tagen einsatzbereit.
  • Initial Follow-On Forces Group (IFFG): Hierbei handelt es sich um Kräfte mit hoher Bereitschaft, die als Reaktion auf eine Krise rasch im Anschluss an die VJTF verlegt werden können. Sie setzt sich aus zwei multinationalen Brigaden zusammen. Diese Kräfte unterliegen einer so genannten Notice to Move von 30 bzw. 45 Tagen. In diesem Zeitraum müssen die Kräfte verlegebereit sein.
  • Maritime Komponente: Sie stützt sich auf die ständigen Maritimen Gruppen der NATO (SNMGs) und die ständigen Minenabwehrgruppen der NATO (SNMCMGs) ab.
  • Luftkampf- und Luftunterstützungskomponente
  • Spezialkräfte
  • ABC-Abwehr-Komponente

Die deutschen Streitkräfte sind eigenen Angaben zufolge mit rund 16.800 Soldatinnen und Soldaten wesentlicher Truppensteller der NATO Response Force 2022 bis 2024, die Kräfte der VJTF 2023 sind dort mit eingerechnet. „Deutschland wird dabei erstmals als Rahmennation die Spezialkräfte der NRF führen. Die Verantwortung übernimmt hier das Einsatzführungskommando der Bundeswehr. Zusätzlich stellt die Bundeswehr die Hauptquartiere der Land- und Luftstreitkräfte der NRF, erneut eine Kampftruppenbrigade sowie seegehende Einheiten für den maritimen Anteil der NRF“, heißt es dazu in einem im Sommer 2021 veröffentlichten Beitrag auf der Seite der Bundeswehr.

Waldemar Geiger