StartMobilitätSchwerer Transporthubschrauber: Boeing und Airbus Helicopters wollen die Chinook gemeinsam anbieten

Schwerer Transporthubschrauber: Boeing und Airbus Helicopters wollen die Chinook gemeinsam anbieten

Lars Hoffmann

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Die beiden Konzerne Boeing und Airbus Helicopters haben heute ein Memorandum of Understanding über die Zusammenarbeit beim H-47 Chinook unterzeichnet, um zusammen dieses Modell im Wettbewerb um den neuen schweren Transporthubschrauber (STH) der Bundeswehr anzubieten.

„Gemeinsam werden wir der Bundeswehr das beste Angebot machen“, wird Mark Cherry, Boeing Vice President und General Manager, Vertical Lift Programs in einer Mitteilung seines Unternehmens zitiert. Einziger Wettbewerber beim STH ist der US-Konzern Lockheed Martin mit dem Helikopter CH-53K.

Ziel der neuen Partnerschaft zwischen Boeing und Airbus sei es, die deutsche Verteidigungsbereitschaft zu stärken und lokales Wirtschaftswachstum zu fördern, heißt es in der Mitteilung. Die Partnerschaft werde auf die Stärken und das kombinierte Know-how der beiden Luft- und Raumfahrtunternehmen bauen, um fortschrittliche Fähigkeiten, Einsatzfähigkeit sowie innovative Technologielösungen im Rahmen des deutschen Chinook-Industrieangebots bereitzustellen. Wie ein Airbus-Sprecher auf Nachfrage erläuterte, steht im Augenblick noch nicht fest, welchen Anteil Airbus Helicopters an dem Projekt haben wird. Zunächst einmal müsse Boeing mit seinem deutschen Team den Auftrag gewinnen, sagte er.

Nach Aussage von Wolfgang Schoder, Geschäftsführer von Airbus Helicopters in Deutschland, verfügt sein Unternehmen über jahrzehntelange Erfahrung als Partner der Bundeswehr und wolle zusammen mit dem  deutschen Chinook-Industrieteam von Boeing die maximale Einsatzverfügbarkeit für die Bundeswehr gewährleisten.

Die Partnerschaftsvereinbarung erweitert das bestehende Industrieteam, bestehend aus AERO-Bildung GmbH, CAE Elektronik GmbH, ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, Lufthansa Technik, Honeywell Aerospace und Rolls-Royce Deutschland.

Boeing hat sich nach eigenen Angaben dazu verpflichtet, gemeinsam mit der deutschen Industrie an Modifikationen und Installationen nach der Auslieferung, bei der Wartung der Hubschrauber, bei Dienstleistungen in der Lieferkette, bei Training und logistischer Unterstützung sowie bei der Wartung und Instandhaltung von Teilsystemen zusammenzuarbeiten. „Die Partnerschaft mit Airbus Helicopters unterstreicht unser klares Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit der deutschen Industrie“, sagt Michael Haidinger, Präsident von Boeing Deutschland. Im Rahmen des Angebotes sei vorgesehen, zusammen mit den deutschen Industriepartnern mehr als 500 hoch qualifizierte Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen.

Der H-47 Chinook wird von acht NATO-Staaten eingesetzt: Den Niederlanden, Italien, Griechenland, Spanien, der Türkei, dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine, hat das Verteidigungsministerium angekündigt, bei Beschaffungen auf Marktverfügbarkeit und Interoperabilität mit Partnern ein besonderes Augenmerk zu richten.

Der Chinook erfüllt laut Hersteller eine Reihe von Missionsanforderungen, darunter Luftbetankung, MedEvac, Truppentransport, Such- und Rettungseinsätze, humanitäre Hilfe und Katastrophenhilfe sowie Sondereinsätze. Chinook-Luftbetankungseinsätze haben demnach in der Vergangenheit weltweit stattgefunden. Die Anzahl dieser Missionen – mit einer Vielzahl verschiedenster Tankflugzeuge – werde auf mehrere Zehntausend geschätzt, heißt es in der Mitteilung. Dem Vernehmen nach ist die Luftbetankungsfähigkeit auch eine Forderung der Bundeswehr. Dazu muss der Hubschrauber mit einem Tankstutzen ausgestattet werden. Derart ausgerüstete Chinooks werden vom U.S. Special Operations Command eingesetzt. Die für die Bundeswehr angebotene F-Version des Helikopters müsste wohl entsprechend angepasst werden. Wie ein Boeing-Sprecher auf Nachfrage erläuterte, kann die H-47F sowohl direkt ab Produktionslinie als auch später mittels eines Nachrüst-Kits in Deutschland mit der Luftbetankungsfähigkeit ausgestattet werden.

Lars Hoffmann