StartStreitkräfteUSA verstärken Fokus auf Arktis und stellen eine zweite Luftlandedivision auf

USA verstärken Fokus auf Arktis und stellen eine zweite Luftlandedivision auf

Ole Henckel

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Die US-Streitkräfte arbeiten daran, ihre Fähigkeiten in der Arktis mit dem Ziel auszubauen, die Abschreckung in der Region unterhalb der nuklearen Schwelle gewährleisten zu können. Dazu sei es nötig, mit geeigneten Verbänden ständig in der Region zu sein, dort auch zu üben und nicht nur wie bisher, mit strategischen Kräften regelmäßig Präsenz zu zeigen. Dies gaben der Kommandeur des North American Aerospace Defense Command und des U.S. Northern Command, General Glen D. VanHerck, und der Kommandeur des U.S. Strategic Command, Admiral Charles A. Richard, am 6. Mai in einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt.

Hintergrund ist der strategische Wettbewerb zwischen den USA, Russland und China, der sich auch in der Arktis immer deutlicher auswirkt. Insbesondere Russland hat in jüngster Vergangenheit seine militärischen Ressourcen in der Arktis deutlich erhöht und auch China, das sich selbst als „arktisnaher Staat“ sieht, beabsichtigt, seine Präsenz im Zuge des Projekts „polare Seidenstraße“ in der Region zu erhöhen.

Für die USA spiele daher Alaska eine zentrale Rolle im Hinblick auf die integrierte Abschreckungsstrategie zur Verteidigung Nordamerikas, so VanHerck. Zwar könne die USA bisher nicht mit den Möglichkeiten Russlands in dieser Region mithalten, vor allem in Bezug auf Infrastruktur und Eisbrecher, jedoch habe man ein starkes Netzwerk von Verbündeten, sodass dieser Rückstand nicht so gravierend ins Gewicht falle, sagte Admiral Richard. Dennoch müsse man mehr investieren, um diesen großen unilateralen Rückstand gegenüber Russland auszugleichen. Als konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Fähigkeiten in der Arktis würden unter anderem sechs Eisbrecher für die U.S. Coast Guard beschafft und die Erprobung von Kommunikationsmitteln mithilfe von Starlink und OneWeb durchgeführt, so die Militärs. Die Erprobung soll dieses Jahr abgeschlossen werden, um herauszufinden, ob mithilfe der Satellitennetzwerke der privaten Unternehmen der Datenaustausch sowohl auf taktischer als auch strategischer Ebene in dieser herausfordernden Region verbessert werden kann.

In diesen Zusammenhang sind wohl die Überlegungen der US-Streitkräfte zu sehen, mit den derzeit in Alaska stationierten Infanteriekräften eine neue Luftlandedivision aufzustellen. US-Fachpresseberichten zufolge sollen die in Alaska stationierten Kräfte der 25th Infantry Division – Heimatstandort der Division ist Hawai – aus der Division herausgelöst werden und den Kern der wieder neu aufzustellenden 11th Airborne Division bilden und auch entsprechend für Einsätze unter arktischen Bedingungen ausgestattet werden. Zukünftig würde das US-Heer somit über zwei Luftlandedivisionen – die 11th und die 82th Airborne Division – sowie eine Luftsturmdivision – die 101th Airborne Division (Air Assault) – verfügen.

Die Ursache für die Aufstellungsabsicht der neuen Luftlandedivision liegt offenbar in der als ungenügend befundenen Ausstattung der motorisierten Infanteriekräfte in puncto Mobilität. Eines der beiden in Alaska stationierten Infantry Brigade Combat Teams verfügt über Radpanzer des Typs Stryker. Mit diesen Radfahrzeugen sind sie in arktischen Gebieten weitgehend an die wenigen Straßen gebunden, allerdings nicht in der Lage, abseits dieser zu operieren. Dies liegt an der anspruchsvollen arktischen Umgebung, die je nach Jahreszeit entweder schnee- und eisbedeckt oder sehr feucht und sumpfig ist. Dementsprechend sieht die Army offenbar Bedarf für leichtere Infanteriekräfte. Diese sind dann entsprechend auszubilden und leicht auszustatten, um auch über weite Distanzen und ohne Abstützung auf jegliche Infrastruktur schnell verlegt werden zu können.

Mit der Aufstellung der neuen Luftlandedivision sähe sich die U.S. Army offenbar in die Lage versetzt, glaubwürdige Abschreckung und Handlungsfähigkeit unterhalb der nuklearen Schwelle in der Arktis zu gewährleisten. Eine Entscheidung über die Aufstellung des neuen Luftlandeverbandes soll US-Medienberichten zufolge in Kürze erfolgen.

Ole Henckel