StartBewaffnung30-mm-Waffenstation als Bewaffnungsoption für Mittlere Kräfte

30-mm-Waffenstation als Bewaffnungsoption für Mittlere Kräfte

Waldemar Geiger

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Mit dem Aufbau so genannter Mittlerer Kräfte – einer neuen Kräftekategorie im Heer – möchten die deutschen Landstreitkräfte vielseitig einsetzbare Großverbände schaffen, die sowohl in Stabilisierungsoperationen, als auch im hochintensiven Gefecht im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung über einen hohen Einsatzwert verfügen. Diese radbeweglichen Kräfte sollen einerseits schnell in weit entfernte Einsatzräume selbst verlegen und anderseits dort auch über einen längeren Zeitraum verbleiben können. In der Phase eines hochintensiven Gefechtes sollen die mittleren Kräfte sowohl zu defensiven, als auch offensiven Operationen befähigt sein. Überdies sollen sie über eine gewisse Befähigung zum Kampf gegen einen gepanzerten Feind verfügen.

Die genaue Ausplanung dieser Kräfte befindet sich offenbar in den letzten Zügen. Die operationellen Anforderungen an die neue Kräftekategorie sind hingegen seit mehreren Monaten öffentlich bekannt. Verlangt wird:

  • Strategisch- und operativ eigenbeweglich im Landmarsch zu verlegen
  • Raumverantwortung in Stabilisierungsoperationen, auch in hybriden Lagen, zu übernehmen
  • Räume zu überwachen und rückwärtige Räume zu schützen
  • Als Brigade Operationen verbundener Kräfte selbstständig führen zu können
  • Als robuste Kräfte der ersten Stunde mit einem starken Aufklärungs- und Wirkverbund überdehnte Räume zeitlich begrenzt auch gegen überlegende Feindkräfte halten zu können
  • Erkannte Lücken in der Verteidigung sowie Angriffserfolge durch den schnellen Stoß in die Tiefe zu nutzen und gewonnenen Raum zeitlich begrenzt zu verteidigen
  • Als taktische und operative (oder strategische) Reserve eingesetzt zu werden

Auch die finale Ausstattung der Kräfte ist derzeit noch nicht endgültig festgelegt. Aus Äußerungen des Inspekteurs des Heeres ist zumindest zu entnehmen, dass neben Jägerverbänden auch einige derzeit mit dem Marder ausgestattete Panzergrenadierbataillone in Zukunft radbeweglich gemacht werden und Bestandteil der Kräftekategorie Mittlere Kräfte werden könnten. Denkbar ist offenbar, diese Verbände mit einem Maschinenkanonenboxer, der Soldaten transportiert, auszustatten, S&T berichtete.

Bei der Jägertruppe scheinen die Planungen hingegen weiter fortgeschritten zu sein. Dort wurde seit geraumer Zeit beschlossen, mittels der Einführung des so genannten Schweren Waffenträgers Infanterie der Truppe eine höhere Durchsetzungsfähigkeit – auch aus der Bewegung heraus – zu verschaffen. Kürzlich wurde auch entschieden, über welches genaue Missionsmodul dieser Waffenträger verfügen soll, S&T berichtete. Unklar scheint derzeit, ob die Einführung dieses Waffensystems – von dem es zwölf im Verband geben soll – als ausreichend bewertet wird, um der Jägertruppe eine ausreichende Durchsetzungsfähig gegenüber motorisierten sowie mechanisierten Feindkräften zu verleihen. In einem jüngst erschienenen Beitrag eines Autors der Infanterieschule in der Verbandszeitschrift des Bundes der Deutschen Infanterie e.V. schlägt der Verfasser eine Prüfung vor, inwieweit der Jägertruppe in einem Folgeschritt weitere Schwere Waffenträger Infanterie zugeteilt werden sollten, um Kampfkraft und Einsatzwert dieser Verbände insbesondere im Rahmen von Einsätzen in einem überdehntem Raum zu erhöhen. Diese Schweren Waffenträger Infanterie könnten dann in den schweren Zügen der leichten Jägerkompanien aufgehangen werden.

Alternative Möglichkeit mittels 30-mm-Waffenstation

Im Gespräch mit EOS (Electro Optic Systems, Australien) und Diehl Defence, die seit 2020 in Kooperation zu ferngesteuerten Waffenstationen im EU/NATO-Markt vertreten sind, wurde gegenüber Soldat & Technik eine Möglichkeit skizziert, wie die taktischen Feuerunterstützungsfähigkeiten der Jägertruppe gesteigert werden könnten.

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