StartStreitkräfte45 Jahre Operation Nimrod – SAS befreit Geiseln in London

45 Jahre Operation Nimrod – SAS befreit Geiseln in London

Sie gehört bis heute zu den berühmtesten Anti-Terroreinsätzen weltweit: Die Operation Nimrod, die das britische 22nd Special Air Service (SAS) Regiment am 5. Mai 1980 – heute vor 45 Jahren – in London durchführte. Mit dem Einsatz beendeten die Spezialkräfte eine tagelange Geiselnahme in der iranischen Botschaft London. Die Operation Nimrod dauerte rund 17 Minuten. Etwa 50 Angehörige der B Squadron 22nd SAS Regiment kamen dabei zum Einsatz.

Ausrüstung der B Squadron, die bei Operation Nimrod zum Einsatz kam - Aufnahme aus einer Sonderausstellung im Imperial War Museum im Jahr 2014.
Ausrüstung der B Squadron, die bei Operation Nimrod zum Einsatz kam – Aufnahme aus einer Sonderausstellung im Imperial War Museum im Jahr 2014. (Foto: Jan-Phillipp Weisswange)

Während der Operation rettete die B Squadron 19 von 20 Geiseln. Eine Geisel wurde von Terroristen erschossen, zwei weitere wurden verletzt. Auch fünf der der sechs Geiselnehmer wurden getötet, ein SAS-Truppführer erlitt Verwundungen. Die erfolgreiche Operation Nimrod erlangte weltweit Berühmtheit – nicht zuletzt da sie von zahlreichen Medien live dokumentiert wurde und sich somit vor den Augen der Weltöffentlichkeit abspielte.

Geiselnahme in der iranischen Botschaft

Die Geiselnahme in London South Kensington hatte am 30. April begonnen. Sechs Terroristen einer separatistischen iranischen Bewegung namens „Demokratisch-revolutionäre Front für die Befreiung Arabistans“ waren gegen 11:30 Uhr Ortszeit in die Botschaft eingedrungen. Dabei hatten die mit Pistolen, Maschinenpistolen und Handgranaten bewaffneten Männer den zum Schutz der Vertretung eingeteilten Polizeibeamten Trevor Lock – er ist am 1. April 2025 im Alter von 85 Jahren verstorben – überwältigt. Insgesamt nahmen sie 26 Personen als Geiseln.

In den folgenden Tagen zogen sich die Verhandlungen zur Beendigung der Botschaftsbesetzung hin. Immerhin gelang es den Verhandlern der Metropolitan Police, die Freilassung von fünf Geiseln zu erreichen. Parallel dazu bereitete sich die B Squadron auf einen möglichen Einsatz vor. Zur Einsatzplanung wurde unter anderem ein Kartonmodell des Botschaftsgebäudes erstellt.

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Zuspitzung der Lage

Die Lage spitzte sich am sechsten Tag der Besetzung zu, als das angesichts mangelnder Verhandlungserfolge zunehmend nervöse Terroristenkommando den Pressesprecher der Botschaft, Abbas Lavasani, erschoss. Das Special Air Sevice Regiment wurde damit beauftragt, sich zum Sturm auf die Botschaft vorzubereiten. Die hierzu vorgesehenen Kräfte gingen um etwa 17.00 Uhr in ihre Bereitschaftsstellungen. Um 19:07 ging das Kommando vor Ort von der Polizei auf das Militär über. Um 19:23 begann die Operation Nimrod.

Das Kartonmodell des Botschaftsgebäudes.
Das Kartonmodell des Botschaftsgebäudes. (Foto: Jan-Phillipp Weisswange)

Zwei taktische Elemente, Red Team („Romeo“) und Blue Team (“Bravo“), waren zum Sturm auf die Botschaft vorgesehen. Vom Dach aus sollte ein Ablenkungstrupp das Oberlicht sprengen und das Red Team die oberen Teile des Gebäudes nehmen, während sich das Blue Team auf Erdgeschoss, Keller und ersten Stock konzentrieren sollte. Beide Elemente würden sich dann im ersten Stock treffen. Insgesamt sollten 30 bis 35 Mann in die Botschaft eindringen. Dazu kamen weitere Deckungstrupps (mit Tränengas- und Rauchkörpern) an Gebäudefront und Rückseite, Scharfschützen, eine Aufnahmegruppe für die Geiseln an der Rückseite des Gebäudes, das Führungselement und Reserven.

Operation Nimrod vor laufenden Fernsehkameras

Auf das Codewort „London Bridge“ seilten sich mehrere Trupps des Red Teams vom Dach der Botschaft ab und drangen über die Hinterseite des Gebäudes in die oberen Stockwerke ein. Dabei verfing sich der Gruppenführer in den Seilen und erlitt schwere Brandverletzungen, da die Gardinen im Gebäude durch Tränengasgranaten Feuer gefangen hatten. Er konnte erst durch eine zweite Welle aus seiner misslichen Lage befreit werden und kämpfte weiter.

Die Rückseite des Gebäudes – Aufnahme aus dem Jahr 2017.
Die Rückseite des Gebäudes – Aufnahme aus dem Jahr 2017. (Foto: Jan-Phillipp Weisswange)

Das Blue Team drang an der Gebäudevorderseite nach Zugangssprengung (wobei sich die Sprengmittelmenge nach der bewährten Formel „P für Plenty“ richtete) über die Balkone der Nachbargebäude in den ersten Stock ein. Zeitgleich nahmen weitere Bravo-Trupps Erdgeschoss und Keller der Botschaft über die Hinterseite des Gebäudes. Im Inneren hatte Police Constable Trevor Lock bei Angriffsbeginn seinerseits einen Terroristen niedergerungen, um ihn an Gegenwehr zu hindern. Lock war es gelungen, seinen .38 Revolver während der gesamten Zeit vor den Geiselnehmern verborgen zu halten. Der niedergerungene Terrorist wurde von eindringenden SAS-Kräften eliminiert.

Eine Geisel und fünf Terroristen getötet

Während der Befreiungsoperation feuerte einer der Terroristen auf die Geiseln. Dabei kam der Botschaftsangehörige Ali Akbar Samadzadeh ums Leben, zwei weitere Geiseln wurden verletzt. Die SAS-Sturmtrupps erschossen bei ihrem Angriff insgesamt fünf Terroristen, unter anderem einen, der sich mit einer Handgranate unter die zu Evakuierenden gemischt hatte. Alle befreiten Geiseln wurden über die Hinterseite des Gebäudes in den Garten geleitet, fixiert und identifiziert. Im Garten konnte auch der sechste Terrorist festgenommen werden, der sich unter den Geiseln versteckt hatte.

Bis heute gehört die Operation Nimrod zu den am meisten beachteten Waffentaten gegen den internationalen Terrorismus. Who Dares Wins!

Jan-Phillipp Weisswange