StartFührung & KommunikationFalcon IV: Jedes Handfunkgerät ein Drohnenabwehr-Störsender

Falcon IV: Jedes Handfunkgerät ein Drohnenabwehr-Störsender

Angesichts der massiven Verluste, die kleine Drohnen auf beiden Seiten im Ukraine-Krieg verursachen, programmiert der Rüstungselektronik-Hersteller L3Harris seine weit verbreiteten Handfunkgeräte der Serie Falcon IV um. Das Software-Update „Wraith Shield“ nutzt die vorhandene Antenne von taktischen Funkgeräten, um nach Drohnen-Steuersignalen zu suchen, feindliche Signale zu identifizieren und diese zu stören.

Zur Falcon-IV-Familie gehören unter anderem die Funkgeräte PRC-163 und PRC-167, die bereits in der Bundeswehr, aber auch fast jedem anderen NATO-Staat in Nutzung sind. Sie sind praktisch der Standard gerade bei Spezialkräften und Joint Terminal Attack Controller (JTAC) innerhalb der NATO. Weitere Funkgeräte, die Wraith Shield nutzen können, sind das RF-9820S Compact Team Radio (auch als AN/PRC-171 bekannt), die Embeddable Version RF-9820S-ER für unbemannte Plattformen, das AN/PRC-158C sowie die bereits erwähnten AN/PRC-163 und AN/PRC-167.

Ziel ist es, eine persönliche „Schutzblase“ zur elektronischen Kriegsführung (EloKa) für die Soldaten zu erzeugen, die diese Geräte ohnehin führen. Die unter dem Namen „Wraith Shield“ vermarktete Funktion erfordert laut Unternehmensangaben keinerlei neue Hardware. Lediglich ein Software-Upgrade für die bestehende „Wraith“-Kommunikations-Waveform (Wellenform) ist notwendig. Diese ist mit weltweit über 100.000 im Einsatz befindlichen Falcon-IV-Funkgeräten kompatibel. Ein enormer Vorteil, den die heutigen, modernen Software Defined Radios (SDR) mit sich bringen.

Einfaches Software-Update für Falcon-IV-Familie

„Für die Kosten eines Software-Upgrades lässt sich diese Funktion einem Funkgerät hinzufügen, das die Soldaten ohnehin schon bei sich tragen. [Es ist] ihre eigene Schutzblase zur Abwehr unbemannter Systeme“, erklärte Chris Aebli, der bei L3Harris für den Bereich „Mission Critical Communications“ (MCC) zuständige Präsident. „Das Interesse ist enorm – sowohl international als auch im Inland.“ In den USA wird erwartet, dass die U.S. Army diese EloKa-Funktion schon bald als Upgrade für ihre Funkgeräte bestellt.

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Im Kern nutzen L3Harris und sein Partner DataShapes AI – der die zugrundeliegenden KI-Algorithmen trainiert hat – die digitale Intelligenz, die bereits in modernen „Software-Defined Radios“ (SDRs) integriert ist. Deren Vielseitigkeit lässt die traditionellen Grenzen zwischen militärischen Funkgeräten, zivilen Mobiltelefonen und spezialisierter Ausrüstung für die elektronische Kriegsführung zunehmend verschwimmen.

Um die Wraith-Wellenform auszuführen – die laut Unternehmensangaben in den Jahren 2022 und 2023 unter maßgeblicher Beteiligung der Ukraine entwickelt wurde –, muss das Falcon-IV-Funkgerät bereits die Funkwellen nach Signalen absuchen, identifizieren, und entscheiden, welche davon von befreundeten Funkgeräten stammen, die ebenfalls Wraith nutzen, um ein lokales Ad-hoc-Netzwerk aufzubauen und Signale zurücksenden.

Gerade kleinere Trupps – wie Spezialkräfte – oder Infanteriezüge, können davon profitieren, da sie keine neue Ausstattung benötigen. Die Hardware der ohnehin mitgeführten Funkgeräte bleibt gleich, nur die Software wird erweitert.
Gerade kleinere Trupps – wie Spezialkräfte – oder Infanteriezüge, können davon profitieren, da sie keine neue Ausstattung benötigen. Die Hardware der ohnehin mitgeführten Funkgeräte bleibt gleich, nur die Software wird erweitert. (Bild: L3H)

Kein Allheilmittel, aber neue Ebene im Schutzkonzept

Wraith Shield erweitert diese Funktionalität um die Fähigkeit, jene Signale zu identifizieren, die der Feind zur Steuerung seiner Drohnen verwendet, diese Daten über das lokale Netzwerk zu teilen und alle Funkgeräte im lokalen Netz so zu koordinieren, dass sie (im Wesentlichen) weißes Rauschen auf demselben Kanal aussenden und so das Steuersignal stören. Je nach Programmierung der jeweiligen Drohne kann ein abgerissenes Steuersignal dazu führen, dass manche Drohnen ziellos über dem Einsatzgebiet kreisen, andere automatisch zu ihrer Basis zurückkehren und wieder andere schlichtweg abstürzen oder eine Notlandung vot Ort durchführen.

L3Harris gibt an, dass die aktuelle Version von Wraith Shield die gleichzeitige Störung durch 40 Falcon-IV-Funkgeräte koordinieren kann – eine Kapazität, die grob ausreicht, um einen Infanteriezug auszurüsten. Die Ingenieure von L3Harris streben jedoch an, diese Zahl in einem künftigen Update auf 100 gleichzeitig agierende Funkgeräte zu steigern. Zudem kann Wraith Shield Daten über die erkannten Drohnenbedrohungen per angeschlossenes Battle Management System (BMS) an Gefechtsstände oder leistungsstärkere Drohnenabwehrsysteme übermitteln.

Wraith Shield sei kein Allheilmittel gegen alle Arten unbemannter Bedrohungen, betonten Aebli. Vielmehr entfalte das System seine optimale Wirkung als integraler Bestandteil einer umfassenderen, mehrstufigen Verteidigungsstrategie. Dennoch fügt es dem Schutzkonzept eine neue Ebene hinzu, die dem einzelnen Soldaten derzeit noch fehlt. Und es macht die Kräfte flexibler, vor allem, wenn sie als kleine Trupps ohne große materielle Unterstützung unterwegs sind.

Redaktion/AF