Zum ersten Jahrestag der Amtseinführung des taiwanischen Präsidenten Lai Ching-te hat die Volksrepublik China ostentativ eine amphibische Übung auf der gegenüberliegenden Seite der Taiwan-Straße abgehalten. Einheiten der 73. Armeegruppe der chinesischen Volksbefreiungsarmee trainierten nach einem Bericht des staatlichen Fernsehsenders CCTV Landeoperationen mit amphibischen Fahrzeugen an der Küste der Provinz Fujian. Die Armeegruppe hat ihr Hauptquartier in Xiamen nahe der zu Taiwan gehörenden Inselgruppe Kinmen, die nur zwei Kilometer vor der chinesischen Küste liegt.
Zum Einsatz kamen Amphibienfahrzeuge vom Typ 05, die aus einer Entfernung von 1,5 Kilometern am Strand landeten. Teil der Übung war auch das Umfahren von Hindernissen. Der Familie des Typ 05 umfasst hauptsächlich die Schützenpanzerversion ZBD-05 mit 30-mm-Maschinenkanone sowie die Feuerunterstützungsversion ZTD-05 mit rückstoßgedämpfter 105-mm-Kanone. Die Masse der Fahrzeuge wird mit 26,5 Tonnen angegeben, die Reichweite an Land mit 500 Kilometern. Der Dieselmotor leistet 550 PS für eine Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h an Land und 1.475 PS für bis zu 30 km/h im Wasser, wobei die Laufrollen des Kettenfahrwerks eingezogen werden.

Amerikanisches EFV war wahrscheinlich Vorbild
Dieses Antriebskonzept erinnert an das amerikanische Expeditionary Fighting Vehicle (EFV), das seit den 1990er Jahren als Nachfolger für das Amphibienfahrzeug AAV-7A1 des U.S. Marine Corps (USMC) entwickelt wurde. Dieses wurde von einem MTU 883 Ka-Motor mit 850 beziehungsweise 2.700 PS angetrieben und war ebenfalls mit einer 30-mm-Kanone bewaffnet. Durch Einziehen des Kettenlaufwerks und Ausfahren einer Art Wasserski am Bug sollte das beladen 36 Tonnen schwere Fahrzeug mit einem Wasserstrahlantrieb 25 Knoten (46 km/h) im Wasser erreichen.
Das Design erwies sich jedoch letztlich als zu komplex, und das Programm wurde 2011 eingestellt. Mittlerweile führt das USMC das radgetriebene Amphibious Combat Vehicle (ACV) ein. Wahrscheinlich ist, dass der ab 2005 eingeführte chinesische Typ 05 vom EFV inspiriert wurde. Dieser verfügt ebenfalls über einen für das Gleiten über das Wasser konfigurierbaren Rumpf, jedoch ist das Fahrzeug insgesamt kleiner. Während das EFV neben der dreiköpfigen Besatzung 17 Marines transportieren sollte, beträgt die Absitzstärke beim ZBD-05 wie bei Schützenpanzern typisch sieben bis acht Mann.
Umfassende Ausstattung
Die Version verfügt neben der Maschinenkanone im Kaliber 30 x 165 mm über ein koaxiales Maschinengewehr Kaliber 7,62 mm und eine Startschiene für den Panzerabwehr-Lenkflugkörper HJ-73C, eine Kopie der sowjetischen 9M14 Maljutka (NATO-Bezeichnung AT-3 Sagger). Beim ZTD-05 wird die 105-mm-Kanone – eine Lizenzproduktion der britischen L7 – ebenfalls durch ein koaxiales MG Kaliber 7,62 mm sowie ein Fla-MG 12,7 mm ergänzt. Die Besatzung umfasst vier Mann.
Die Türme beider Versionen sind in zwei Ebenen stabilisiert. Das Feuerleitsystem schließt einen Laser-Entfernungsmesser, eine Optik mit Wärmebildkanal für den Richtschützen und eine unabhängige Optik für den Kommandanten mit Hunter-Killer-Funktion ein. Es gibt zudem ein digitales Kampfführungssystem mit Satellitennavigation und einen Laser-Warnempfänger, der mit den acht Nebelkörperwerfern verbunden ist. Der ZTD-05 hat ein weiteres unabhängiges Periskop für den Ladeschützen und einen Laserdesignator für rohrverschießbare Flugkörper mit Beamrider-Steuerung.

Komplette Familie amphibischer Fahrzeuge
Der Rumpf besteht aus Aluminium und schützt gegen Beschuss mit Handwaffen und Artilleriesplitter, die Wannenfront ist mit Stahlplatten gegen Beschuss mit Kaliber 12,7 mm verstärkt. Die Turm ist aus geschweißtem Stahl mit zusätzlicher Verbundpanzerung und rundum gegen Kaliber 12,7 mm, frontal gegen Beschuss mit Kaliber 25 mm aus 1.000 Meter Entfernung geschützt. Es existiert eine ABC-Schutzbelüftung und ein Feuerunterdrückungssystem.
Neben den beiden Hauptversionen umfasst der Typ 05 auch noch den Mannschaftstransporter ZSD-05 mit teilgeschütztem 12,7-mm-MG, eine ebenfalls mit einem schweren Maschinengewehr sowie einem optronischen Sensormast und einem X-Band-Radar ausgestattete Aufklärungsversion, eine Führungs- und eine Krankentransportversion. Die Bergevariante hat einen Kran und eine hydraulische Winde. Die Pionierausführung verfügt über einen Minendetektor, Minenräumpflug, ein Raketen-Minenräumsystem und ein Trassenmarkierungssystem. Hinzu kommen acht Startrohre für Raketen zur Hindernisbeseitigung.
Stefan Axel Boes



