Nach der Sperrung der Dienstpistole M18 und der Anordnung einer teilstreitkraftweiten Sicherheitsüberprüfung aller vorhandenen Waffen durch die U.S. Air Force hat Hersteller SIG Sauer erneut die Vorwürfe gegen das Basismodell P320 zurückgewiesen. Auslöser war der Tod eines 21-jährigen Angehörigen der 90th Security Forces Squadron auf der F. E. Warren Air Force Base in Wyoming am 20. Juli (Soldat & Technik berichtete).
Anschließend hatten zunächst das für die strategischen Nuklearstreitkräfte zuständige Air Force Global Strike Command und einige Einheiten des Air Combat Command die Nutzung der Pistole bis auf Weiteres untersagt. In der Folge ordnete die Air Force eine Inspektion aller 125.000 M18 in ihrem Bestand an. Die anderen Teilstreitkräfte, die die kompakte M18 und die Grundversion M17 ebenfalls nutzen, haben bislang keine solchen Maßnahmen ergriffen.
SIG Sauer verweist auf umfangreiche Versuche
In der vergangen Woche erklärte SIG Sauer, dass sich unter keinen Umständen ein Schuss aus der P320 lösen könne, ohne dass der Abzug nach hinten bewegt werde. Dies sei durch erschöpfende Versuche von SIG Sauer, dem US-Militär, mehreren großen Bundes- und Staats-Strafverfolgungsbehörden sowie unabhängigen Labors verifiziert worden. Die Waffe sei außerdem durch das Militär sowie örtliche, Staats- und Bundesbehörden gründlich getestet und validiert worden.
Dennoch halten sich seit längerem gegenteilige Behauptungen. Nach einer ungewollten Schussabgabe durch einen Rekruten im vergangenen Oktober untersagte die Criminal Justice Training Commission des Bundesstaates Washington dauerhaft die Nutzung der P320 in ihren Trainingseinrichtungen. Im Februar veröffentlichte die für die Ausbildung aller Polizeibeamten im Staat Washington zuständige Kommission einen Bericht zu dem Vorfall, der auch sechs ähnliche Fälle mit M17 und M18 auf Militärbasen seit 2021 auflistete.
Bei einem der Vorfälle hätten „klare und überzeugende“ Videoaufnahmen zur Entlastung eines Soldaten vom Vorwurf der Fahrlässigkeit beigetragen. Im Juni klagte SIG Sauer vor einem Bundesgericht auf Aufhebung des Washingtoner Verbots. Den Tod des Luftwaffenangehörigen in Wyoming bezeichnete das Unternehmen als tragischen Vorfall, wies aber darauf hin, dass das Nutzungsverbot der M18 bis zum Abschluss der laufenden Untersuchungen ein Routineverfahren sei.
Stefan Axel Boes





