Nachdem die tschechische Industrieholding CSG kürzlich über die MSM-Gruppe aus der Slowakei bereits den kompletten Industriepark Walsrode mit der dortigen Nitrozellulose-Produktion übernommen hatte, stärkt sie offenbar weiter ihr deutsches Standbein in der Sprengstoffproduktion. Wie die Holding heute bekannt gab, hat ihr Unternehmen Staluna Trade einen Anteil von 9,2 Prozent an der Alzchem Group AG übernommen. Die Alzchem stellt neben Futterzusatzstoffen und Pflanzenschutzmitteln vor allem stickstoffhaltige Düngemittel her.
Mutmaßlich ist CSG weniger an diesem bisherigen Sortiment interessiert, obwohl solche Düngemittel bekanntlich gern von Terroristen als Grundstoff für selbstgemachte Sprengsätze genutzt werden. Vielmehr dürfte es um andere explosive Produkte auf Stickstoffbasis gehen, die ja beispielsweise auch den Energieträger für Nitrozellulose (NC) liefert. Insofern macht die Sicherung der Zulieferungskette durch den Einstieg bei einem weiteren deutschen Unternehmen Sinn.
Strategische Bedeutung von Sprengstoffproduktion
Bereits bei der Übernahme des NC-Herstellers Walsroder im Mai hatte Jan Marinov, CEO der CSG Defence Division, auf die Bedeutung der Versorgungssicherheit mit strategischen Rohstoffen für den Verteidigungssektor im Zusammenhang mit aktuellen geopolitischen Entwicklungen hingewiesen. Der Mangel an Produktionskapazität für Großkaliber-Munition und Bestandteile wie Nitrozellulose sei eines der bedeutendsten Sicherheitsrisiken für die NATO und ihre Verbündeten.
Mit Produktionsstätten in der Tschechischen Republik, der Slowakei, Spanien, Italien, Indien, dem Vereinigten Königreich und den USA exportiert CSG seine Produkte weltweit. Zu den wichtigsten Unternehmen der Gruppe gehören der tschechische Fahrzeughersteller Tatra Trucks, der slowakische Artillerie-Munitionshersteller MSM Group, der US-amerikanische Hersteller von Kleinkalibermunition The Kinetic Group und der tschechische Radargerätehersteller Eldis.
Stefan Axel Boes



