Finnland plant den Test von lasergelenkten Artilleriegeschossen, um ihr Potenzial und die Kompatibilität mit finnischen Geschützen zu bewerten. Kürzlich hat das Logistikkommando der Streitkräfte eine vorläufige Marktsichtung für 155-mm-Geschosse mit halbaktiver Laser-Endphasenlenkung gestartet. Dabei muss das Ziel mit einem Laser-Designator beleuchtet werden, der von einem vorgeschobenem Beobachter beziehungsweise einem Fahr- oder Flugzeug mitgeführt wird. Neben der hohen Präzision hat das Lenkverfahren auch den Vorteil, in Gebieten mit gestörter Satellitennavigation eingesetzt werden zu können. Allerdings kann natürlich die Lasersteuerung durch Gegenmaßnahmen des Ziels selbst gestört werden.
Nach Angaben der finnischen Streitkräfte befindet sich die Planung noch in einer frühen Phase, und es gibt noch keinen exakten Zeitrahmen für ein mögliches Beschaffungsverfahren. Ein Test im scharfen Schuss soll jedoch im vierten Quartal 2026 stattfinden. Potenzieller Bewerber ist die Geschossfamilie Vulcano 155 von Leonardo und Diehl Defence, die auch entsprechende Projektile einschließt. Dabei handelt es sich um flügelstabilisierte Unterkaliber-Treibspiegelmunition mit hoher Reichweite, die auch für die Marinekaliber 76 und 127 mm verfügbar ist.
Mehrere mögliche Bewerber für Finnland
Die vom Leonardo-Vorgänger OTO Melara entwickelte Vulcano 155 umfasste anfänglich ein ungelenktes Geschoss mit einer Reichweite von 36 Kilometern aus einem Rohr mit 39 und 50 Kilometern aus einem mit 52 Kaliberlängen, sowie ein Projektil mit Satelliten- und Trägheitslenkung, das eine Schussweite von 55 beziehungsweise 70 Kilometern bei einer Präzision von fünf bis 20 Metern erzielt. Ab 2012 arbeitete OTO Melara mit Diehl Defence an einer Version mit kombinierter GPS- und Lasersteuerung, um eine Präzision von einem Meter zu erreichen und auch fahrende Ziele bekämpfen zu können.
Diese Option ist auch im Kaliber 127 mm verfügbar. Vulcano 155 ist bereits mit der polnischen Panzerhaubitze Krab in der Ukraine eingesetzt worden. Beide Seiten haben dort auch ältere Typen wie die amerikanische M712 Copperhead und die ex-sowjetische 2K25 Krasnopol verwendet. Möglicher Mitbewerber in Finnland ist zudem die türkische Rocketsan, die im vergangenen Jahr ihr GPS-/lasergelenktes Geschoss LG-155 vorstellte. Dieses durchlief damals abschließende Tests. Zuletzt hatte Finnland weitere 155-mm-Munition des schwedischen Typs BONUS Mk II mit zielsuchender Submunition zur Panzerabwehr bestellt.
Stefan Axel Boes



