Die dänischen Streitkräfte beschaffen „eine große Anzahl“ weiterer Maschinengewehre des amerikanischen Typs M60E6. Das teilte die Beschaffungsagentur des Verteidigungsministeriums in der vergangenen Woche auf ihrer Webseite mit. Das Verfahren habe nur sechs Wochen bis zur Vertragsunterzeichnung gedauert, alle Waffen sollten bereits bis Ende des Jahres ausgeliefert sein. Die Mittel stammten hauptsächlich aus einem Sonderfonds für solche beschleunigten Beschaffungen.
Die Maschinengewehre sollen hauptsächlich an das Heer, aber auch an die anderen Teilstreitkräfte sowie die dänische Heimwehr gehen. Der größere Waffenbestand werde für eine höhere Verfügbarkeit im Rahmen der Ausbildung und bei Übungen sorgen. Unter anderem solle auch das kürzlich zugelaufene Wärmebildvisier VooDoo-S auf den MGs zum Einsatz kommen.
M60 ist Veteran des Vietnamkrieges
Das von Saco Defense entwickelte M60 war das erste zweckgebaute Universal-Maschinengewehr der US-Streitkräfte, das sowohl als leichtes MG in der Bewegung, als schweres auf Dreibein sowie als Bordwaffe in Boden- und Luftfahrzeugen eingesetzt werden konnte. Ziel war eine Waffe von der Art des deutschen MG 42 aus dem Zweiten Weltkrieg, von dem auch einige Bauteile in veränderter Form übernommen wurden. Bei der Infanterie der U.S. Army wurde es nach Einführung 1957 doktrinär hauptsächlich zu je zwei Waffen auf Zugebene genutzt und kam umfassend im Vietnamkrieg zum Einsatz.
Nicht zuletzt bedingt durch die schwierigen Verhältnisse auf diesem Kriegsschauplatz erwarb sich die Waffe keinen guten Ruf und wurde als „the pig“ (Schwein) bezeichnet. Den taktischen Erfordernissen entsprechend auch auf Gruppenebene eingesetzt, empfanden die Soldaten sie bei den Kämpfen in Dschungel und Reisfeldern als zu schwer, obwohl sie mit einer Masse von 10,5 Kilogramm rund ein Kilogramm leichter war als das MG 42. Allerdings war die Gewichtsverteilung ungünstig zum Tragen, und die leichtere Bauweise führte zugleich zur schnellen Abnutzung oder Beschädigung wichtiger Teile.
Verbesserte Versionen
Ein Handhabungsproblem war, dass das Rohr direkt mit dem Zweibein verbunden war, aber keinen wärmeisolierten Griff für den Wechsel hatte. War es heißgeschossen, musste es mit einem Asbesthandschuh gewechselt werden, während die Waffe im Dreck lag. Um 1986 wurde die Infanterievariante M60E3 eingeführt, die etwa zwei Kilogramm weniger wog, ein Zweibein am Gehäuse und einen Vordergriff sowie andere Verbesserungen wie ein vereinfachtes Gassystem und eine beidseitig bedienbare Sicherung hatte.

Die Gewichtsreduktion wurde allerdings nicht zuletzt durch ein leichteres Rohr erreicht, das schneller heiß wurde, und reduzierte wiederum die Robustheit. Zu dieser Zeit hatte die U.S. Army bereits die M249 Squad Automatic Weapon auf Basis des FN Minimi eingeführt, wodurch die Infanterie erstmals doktrinär ein gurtgespeistes MG für die Feuerteams der Gruppe erhielt. Auf Zugebene und in den übrigen Funktionen löste schließlich eine weitere Waffe von FN, das MAG als M240, das M60 ab. Dieses hatte bereits in den 1950er Jahren zur Verfügung gestanden, wurde aber zugunsten des einheimischen MGs abgelehnt.
Seit 2014 in Dänemark im Einsatz
1990 siegte das M240 trotz seiner mit 12,5 Kilogramm höheren Masse gegen das weiter verbesserte M60E4, obwohl letzteres als Mk 43 von den U.S. Navy SEALS übernommen wurde. Trotz seiner Probleme wurde das M60 auch von vielen amerikanischen Verbündeten eingeführt. Die Version E6 gewann 2014 in Dänemark einen Wettbewerb gegen das MG5 von Heckler & Koch für den Ersatz des deutschen MG3, dort als M/62 geführt. Diese Waffe wiegt 9,27 Kilogramm, erlaubt den Rohrwechsel am Tragegriff, und hat integrierte Zubehörschienen. In Dänemark wird sie mit der 3,4 x 28 mm C97 Optik von Elcan genutzt.

Grundsätzlich ist das M60 ein zuschießender Gasdrucklader mit kurzem Hub und Drehkopfverschluss im Kaliber 7,62 x 51 mm NATO. Es wird mit Zerfallgurten mit üblicherweise 100 oder 200 Schuss gespeist, die theoretische Feuergeschwindigkeit beträgt zwischen 500 und 650 Schuss pro Minute. Es stehen Rohre verschiedener Länge zur Verfügung, mit denen die Waffe zwischen 94 und 110 Zentimeter lang ist.
Stefan Axel Boes




